Was Raiku durch die schmalen Schlitze seines Helms erkennen konnte, beunruhigte ihn. Nebelschwade zogen auf und ein ständig dichter werdender Flockenwirbel schränkte seine Sicht ein. Wenn er sich umdrehte, nahm er die ihm folgenden Krieger nur noch als verschwommene Schemen wahr. Dazu wurde es zunehmend kälter. Die eisige Luft kroch unter das Eisen seiner Rüstung und saugte ihm die Wärme aus den Knochen. Sollte es mit dem Wetter so weitergehen, würde ihr Angriff im Schnee stecken bleiben.
Dabei hatte ihm der Hof-Astrologe, nach nächtelanger Beobachtung des Firmaments, ein Gelingen der Mission prophezeit. Auf dessen Anraten hin, war er sogar so blauäugig gewesen, die Winterausrüstung zurückzulassen. Wozu sich mit unnötigem Gepäck belasten, wenn die Kristallkugel des obersten Magiers frühlingshafte Temperaturen verkündet?
Raiku geriet in Zorn. Er hätte diesen Kaffeesatzleser schon bei dessen Bewerbung für die freigewordene Stelle im Hexerturm kräftig in den Hintern treten sollen, anstatt ihm zuzutrauen, Zukunft und Schicksal voraussagen zu können. Seine Wut ließ ihn so in Rage geraten, dass er dadurch von den widerlichen Umständen, die ihn jetzt bedrohten, abgelenkt wurde.
Als er wieder klar zu denken vermochte, pfiff ihm ein heftiger Sturm um den Helm. Schnee- und Eiskristalle trommelten wie feindliche Geschosse auf seinen Harnisch. Er musste den Kopf tief senken, um seine Augen vor ihnen zu schützen, denn sie fanden auch den Weg durch das Visier des Helms. Im Fauchen des Windes vernahm er immer öfters Schreie. Ohne hinzuschauen, wusste er, dass seine Krieger von dem Unwetter, das für den Feind eine siegreiche Schlacht schlug, hingemäht wurden.
Irgendwann verstummten die Schreie und das konnte nur bedeuten, dass es kein Heer mehr gab. Er war der einzige Überlebende einer zehntausendköpfigen Streitmacht. Resigniert blieb er stehen. Es dauerte nicht lange, bis sich die Schneemassen bis zu seiner Brust auftürmten. Nach nur wenigen Atemzügen würden sie ihn unter sich begraben.
Der letzte Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, galt noch einmal dem Magier. Und als hätte er ihn dadurch herbeigerufen, tauchte dessen Gestalt plötzlich vor ihm auf. Der Astrologe verharrte auf dem Schneeberg über ihm. Langsam beugte er sich zu Raiku hinab und mit einem triumphierenden Lächeln flüsterte er ihm zu: „Schön, dass du in meine Falle getappt bist. Jetzt wirst du mein Volk niemals mehr unterjochen können.“

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