Themor ließ den Spiegel in dem Sack verschwinden, der an seinem Gürtel hing. Er war mit seinem Tun zufrieden. Vom stattlichen Recken hatte er sich in einen zittrigen Greis verwandelt. Und sein Schwert lehnte, als Wanderstab getarnt, neben ihm an einem Felsen. Wenn er gleich aus seinem Versteck hervortreten würde, wäre selbst seine Mutter, so sie ihn denn sehen könnte, achtlos an ihm vorübergegangen, ohne zu erkennen, dass sich in der verfallenen menschlichen Hülle ihr Sohn verbarg. Zwar ahnte Themor, dass er die beiden Wächter des Druidenringes mit seiner Verkleidung nicht allzu lange täuschen konnte, aber er vertraute darauf, dank seiner List, wenigstens dicht genug an sie heranzukommen, um sie überwältigen zu können.
In seiner neuen Gestalt legte er die letzte Wegstrecke bis zu dem magischen Ort zurück. Als er sich seinem Ziel auf Rufweite genähert hatte, versank die Sonne am Horizont. Ihre verblassenden Strahlen ließen die steinerne Einfriedung des Druidenringes wie düstere Schemen erscheinen. Die schwarzen Silhouetten der beiden Wächter versperrten drohend den Zugang. Nur die Krone des Baumes, der sich im Zentrum der Kultstätte erhob und der inmitten der kargen felsigen Umgebung fehl am Platze wirkte, strahlte im zarten Rosa.
„Ihr Hüter der heiligen Stätte“, rief Themor in die hereinbrechende Dunkelheit hinein. „Gewährt mir Einlass und ein Nachtlager. Und gestattet mir bei Sonnenaufgang, den Mächten dieses Ortes zu huldigen.“
Offenbar hatten die Angesprochenen nichts gegen diese Bitte einzuwenden, denn sie senkten ihre Lanzen und forderten Themor auf, das Rondell zu betreten. Mit einem vernehmlichen Ächzen begann er den Aufstieg zu dem etwas höher gelegenen Heiligtum. Oben angekommen, wartete er darauf, dass er von den Wächtern, trotz seines scheinbaren Alters, durchsucht werden würde.
Tatsächlich blieb ihm das nicht erspart. Eine Lanzenspitze bohrte sich leicht in seinen Rücken, während ihn zwei geübte Hände abtasteten. Als der Krieger vor ihm in die Hocke ging, um an seinen Beinen nach Waffen zu suchen, ließ sich Themor mit einem Schmerzensschrei nach vorn sinken. Er sackte auf die Schulter des Mannes, dann rollte er von ihm herunter, bis er auf dem Rücken am Boden lag. Er stemmte die Füße gegen die Brust des überraschten Wächters und stieß ihn in die Lanze seines Kameraden. Noch bevor der begriff, was eigentlich geschehen war, durchbohrte ihm Themor mit der Waffe des Toten den Hals.
Jetzt konnte er das tun, wozu er den beschwerlichen Weg hierher auf sich genommen hatte. Alte Legenden berichteten davon, dass die Erschaffer des Steinkreises fünf mannskopfgroße Goldklumpen an diesem Ort versteckt haben sollten. Und wegen denen war er hier. Doch noch ehe er begann, unter jedem Stein nachzuschauen, ob dort der Schatz verborgen lag, entledigte er sich der elendigen Gestalt des Alten. Als junger, kraftvoller Recke begann er die Suche nach dem goldenen Glück.
Aber keine Felsspalte und kein steinerner Brocken verbarg den Schatz. Zum Schluss stand er wütend und enttäuscht vor dem Baum. Nun konnte er nur noch unter dessen Wurzeln wühlen. Sollte auch hier nichts zu finden sein, hätte er alle Strapazen umsonst auf sich genommen. Mit dem Schwert stemmte er Steinbrocken beiseite, grub sich in das freigelegte Erdreich. Immer tiefer wurde das Loch, gab jedoch kein Geheimnis preis. Schon wollte er verzweifelt aufgeben, als ihn ein metallisches Klirren aufhorchen ließ. Seine Klinge war auf etwas gestoßen. Endlich!
Er kratzte mit den Händen die Erdklumpen von dem Gegenstand, den das Schwert touchiert hatte. Und da blitze im kaum noch vorhandenen Tageslicht ein goldener Schimmer auf. Wie ein Verrückter scharrte er weiter. Er kam erst zur Besinnung als der Untergrund fünf eiförmige Gebilde frei gab. Das Gold der Druiden, das ab sofort ihm gehören würde.
Schnell verstaute er die Brocken in dem Sack, den er vom Gürtel genestelt hatte. Er schob das Schwert in die Scheide und warf sich die leinene Schatztruhe über die Schulter. Länger wollte er hier nicht verweilen. Eilig hastete er zur Pforte des Druidenringes. Das Gewicht auf seinen Schultern nahm er kaum wahr. Doch sobald seine Füße den heiligen Grund verlassen hatten und gewöhnlichen Fels berührten, riss es ihn zu Boden. Er vermochte die Last nicht mehr zu schleppen. Gleichzeitig spürte er, wie sein Körper ausmergelte. Die Gesichtshaut erschlaffte. Statt der gewaltigen Muskelpakete zogen sich nur noch dünne Stränge über seine Oberarme. Vom Heiligtum her erhob sich ein Blätterrauschen. Dann ertönte eine prophetische Stimme: „Wenn du mein Gold mitnimmst, werde ich deine Kraft und Jugend hierbehalten.“
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In seiner neuen Gestalt legte er die letzte Wegstrecke bis zu dem magischen Ort zurück. Als er sich seinem Ziel auf Rufweite genähert hatte, versank die Sonne am Horizont. Ihre verblassenden Strahlen ließen die steinerne Einfriedung des Druidenringes wie düstere Schemen erscheinen. Die schwarzen Silhouetten der beiden Wächter versperrten drohend den Zugang. Nur die Krone des Baumes, der sich im Zentrum der Kultstätte erhob und der inmitten der kargen felsigen Umgebung fehl am Platze wirkte, strahlte im zarten Rosa.
„Ihr Hüter der heiligen Stätte“, rief Themor in die hereinbrechende Dunkelheit hinein. „Gewährt mir Einlass und ein Nachtlager. Und gestattet mir bei Sonnenaufgang, den Mächten dieses Ortes zu huldigen.“
Offenbar hatten die Angesprochenen nichts gegen diese Bitte einzuwenden, denn sie senkten ihre Lanzen und forderten Themor auf, das Rondell zu betreten. Mit einem vernehmlichen Ächzen begann er den Aufstieg zu dem etwas höher gelegenen Heiligtum. Oben angekommen, wartete er darauf, dass er von den Wächtern, trotz seines scheinbaren Alters, durchsucht werden würde.
Tatsächlich blieb ihm das nicht erspart. Eine Lanzenspitze bohrte sich leicht in seinen Rücken, während ihn zwei geübte Hände abtasteten. Als der Krieger vor ihm in die Hocke ging, um an seinen Beinen nach Waffen zu suchen, ließ sich Themor mit einem Schmerzensschrei nach vorn sinken. Er sackte auf die Schulter des Mannes, dann rollte er von ihm herunter, bis er auf dem Rücken am Boden lag. Er stemmte die Füße gegen die Brust des überraschten Wächters und stieß ihn in die Lanze seines Kameraden. Noch bevor der begriff, was eigentlich geschehen war, durchbohrte ihm Themor mit der Waffe des Toten den Hals.
Jetzt konnte er das tun, wozu er den beschwerlichen Weg hierher auf sich genommen hatte. Alte Legenden berichteten davon, dass die Erschaffer des Steinkreises fünf mannskopfgroße Goldklumpen an diesem Ort versteckt haben sollten. Und wegen denen war er hier. Doch noch ehe er begann, unter jedem Stein nachzuschauen, ob dort der Schatz verborgen lag, entledigte er sich der elendigen Gestalt des Alten. Als junger, kraftvoller Recke begann er die Suche nach dem goldenen Glück.
Aber keine Felsspalte und kein steinerner Brocken verbarg den Schatz. Zum Schluss stand er wütend und enttäuscht vor dem Baum. Nun konnte er nur noch unter dessen Wurzeln wühlen. Sollte auch hier nichts zu finden sein, hätte er alle Strapazen umsonst auf sich genommen. Mit dem Schwert stemmte er Steinbrocken beiseite, grub sich in das freigelegte Erdreich. Immer tiefer wurde das Loch, gab jedoch kein Geheimnis preis. Schon wollte er verzweifelt aufgeben, als ihn ein metallisches Klirren aufhorchen ließ. Seine Klinge war auf etwas gestoßen. Endlich!
Er kratzte mit den Händen die Erdklumpen von dem Gegenstand, den das Schwert touchiert hatte. Und da blitze im kaum noch vorhandenen Tageslicht ein goldener Schimmer auf. Wie ein Verrückter scharrte er weiter. Er kam erst zur Besinnung als der Untergrund fünf eiförmige Gebilde frei gab. Das Gold der Druiden, das ab sofort ihm gehören würde.
Schnell verstaute er die Brocken in dem Sack, den er vom Gürtel genestelt hatte. Er schob das Schwert in die Scheide und warf sich die leinene Schatztruhe über die Schulter. Länger wollte er hier nicht verweilen. Eilig hastete er zur Pforte des Druidenringes. Das Gewicht auf seinen Schultern nahm er kaum wahr. Doch sobald seine Füße den heiligen Grund verlassen hatten und gewöhnlichen Fels berührten, riss es ihn zu Boden. Er vermochte die Last nicht mehr zu schleppen. Gleichzeitig spürte er, wie sein Körper ausmergelte. Die Gesichtshaut erschlaffte. Statt der gewaltigen Muskelpakete zogen sich nur noch dünne Stränge über seine Oberarme. Vom Heiligtum her erhob sich ein Blätterrauschen. Dann ertönte eine prophetische Stimme: „Wenn du mein Gold mitnimmst, werde ich deine Kraft und Jugend hierbehalten.“
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