Die beiden Männer drangen immer tiefer in den Berg ein. Das Licht ihrer Fackeln rissen bizarre Formen aus der Dunkelheit. Von der Decke des Gewölbes, in dem sie sich fortbewegten, hingen zapfenartige Gebilde herab. Aus dem Boden strebten ebensolche Zapfen nach oben. Unaufhörlich lösten sich Wassertropfen und kleine Rinnsale aus den Wänden und verschwanden in der Finsternis.
Das Haar des älteren der beiden Wanderer, der vornweg ging, fiel ihm bis auf die Schultern. Es war schlohweiß, und fast schien es, als drückte es wie eine schwere Last seinen Oberkörper nach vorn, denn er bewegte sich leicht gebückt vorwärts. Der ihm folgendem, weitaus jüngere Mann, dessen blonde Mähne ebenfalls bis zu den Schultern reichte, schritt dagegen behänd aus. Allerdings musste er sich immer wieder zügeln, um seinen Vordermann nicht aus dem Weg zu stoßen.
„Wir haben unser Ziel fast erreicht“, verkündete der Alte. „Laut der alten Karte führt dieser Gang direkt zu der Höhle, in der sich die ‚Gruft der Zeit’ befindet.“
Der Jüngere hätte den Worten gerne Glauben geschenkt, aber er wusste, dass der Alte das Pergament mit der Karte, von der er sprach, nur einmal zu Gesicht bekommen hatte, und damals war er in etwa so alt, wie er jetzt. Was war, wenn er sich irrte?
Von vorn erklang ein leises Lachen. „Du solltest mir trauen. Noch bin ich nicht verrückt.“
Tatsächlich mündete der Gang, den sie durchquerten, in einen Hohlraum, den ihre Fackeln nur zu einem kleinen Teil erleuchten konnten. Zielstrebig drängte der Alte weiter.
„Dreizehn Schritte in die Höhle hinein, danach sieben nach links“, wies er sich selbst den Weg.
„Hier ist es!“, verkündete er schließlich. Sie blickten auf eine steinerne Platte herab, in die ein Kunstwerk eingraviert worden war. Es zeigte detailgetreue Abbildungen teilweise seltsamer Wesen.
„Darunter haben die Dämonen die Zeit eingepfercht, die sie uns seit Generationen raubten. Von jedem Umlauf des Gestirns beanspruchten sie die Spanne eines Stundenglases für sich. Wir holen das Verlorene zurück.“
Er berührte zuerst eine halbkugelförmige Darstellung, die ihn an den Helm einer Ritterrüstung erinnerte. Dann strichen seine Finger über das Gesicht einer Frau, das ebenfalls aus einem Helm herauszuschauen schien. Anschließend schwang die Platte zur Seite. In einer Flut von Bildern wirbelte die gefangengehaltene Zeit empor.
Sie erkannten ein hölzernes Pferd, das vor die Tore einer antiken Stadt gezerrt wurde. Sie sahen wie sich ein Meer teilte und ein Volk es durchschritt. Krieger in eisernen Rüstungen kämpften gegeneinander. Unter einer Guillotine verloren Menschen ihre Köpfe. Frauen und Männer, deren lange Haare mit Blumen und Girlanden geschmückt waren, sielten sich in schlammigen Pfützen. In einer Stadt wurde eine Mauer eingerissen.
Zum Schluss, als die Zeitenflut sie schon erfasst hatte, erhaschten sie noch einen Blick in die Höhle. Das Gewölbe wurde jetzt von eigenartigen Fackeln in ein gleißendes Licht getaucht. Vor der Platte, die sich nun wieder an ihrem ursprünglichen Platz befand, stand eine Menschenmenge. Viele von ihnen hantierten mit flachen Gebilden, die sie hin und her schwenkten, und aus denen beständig Blitze schossen. Eine junge Frau, von der nur der Rücken zu erkennen war, informierte die Gruppe über diesen Ort. „Hinter mir sehen Sie die Attraktion dieser Höhle. Es handelt sich um ein beeindruckendes Kunstwerk, dessen Alter unbekannt ist, und das den mysteriösen Namen ‚Zeitengrab’ trägt. Auch hier konnte die Wissenschaft noch nicht klären, was sich hinter diesem seltsamen Namen verbirgt …“
NÄCHSTE GESCHICHTE >>>
Das Haar des älteren der beiden Wanderer, der vornweg ging, fiel ihm bis auf die Schultern. Es war schlohweiß, und fast schien es, als drückte es wie eine schwere Last seinen Oberkörper nach vorn, denn er bewegte sich leicht gebückt vorwärts. Der ihm folgendem, weitaus jüngere Mann, dessen blonde Mähne ebenfalls bis zu den Schultern reichte, schritt dagegen behänd aus. Allerdings musste er sich immer wieder zügeln, um seinen Vordermann nicht aus dem Weg zu stoßen.
„Wir haben unser Ziel fast erreicht“, verkündete der Alte. „Laut der alten Karte führt dieser Gang direkt zu der Höhle, in der sich die ‚Gruft der Zeit’ befindet.“
Der Jüngere hätte den Worten gerne Glauben geschenkt, aber er wusste, dass der Alte das Pergament mit der Karte, von der er sprach, nur einmal zu Gesicht bekommen hatte, und damals war er in etwa so alt, wie er jetzt. Was war, wenn er sich irrte?
Von vorn erklang ein leises Lachen. „Du solltest mir trauen. Noch bin ich nicht verrückt.“
Tatsächlich mündete der Gang, den sie durchquerten, in einen Hohlraum, den ihre Fackeln nur zu einem kleinen Teil erleuchten konnten. Zielstrebig drängte der Alte weiter.
„Dreizehn Schritte in die Höhle hinein, danach sieben nach links“, wies er sich selbst den Weg.
„Hier ist es!“, verkündete er schließlich. Sie blickten auf eine steinerne Platte herab, in die ein Kunstwerk eingraviert worden war. Es zeigte detailgetreue Abbildungen teilweise seltsamer Wesen.
„Darunter haben die Dämonen die Zeit eingepfercht, die sie uns seit Generationen raubten. Von jedem Umlauf des Gestirns beanspruchten sie die Spanne eines Stundenglases für sich. Wir holen das Verlorene zurück.“
Er berührte zuerst eine halbkugelförmige Darstellung, die ihn an den Helm einer Ritterrüstung erinnerte. Dann strichen seine Finger über das Gesicht einer Frau, das ebenfalls aus einem Helm herauszuschauen schien. Anschließend schwang die Platte zur Seite. In einer Flut von Bildern wirbelte die gefangengehaltene Zeit empor.
Sie erkannten ein hölzernes Pferd, das vor die Tore einer antiken Stadt gezerrt wurde. Sie sahen wie sich ein Meer teilte und ein Volk es durchschritt. Krieger in eisernen Rüstungen kämpften gegeneinander. Unter einer Guillotine verloren Menschen ihre Köpfe. Frauen und Männer, deren lange Haare mit Blumen und Girlanden geschmückt waren, sielten sich in schlammigen Pfützen. In einer Stadt wurde eine Mauer eingerissen.
Zum Schluss, als die Zeitenflut sie schon erfasst hatte, erhaschten sie noch einen Blick in die Höhle. Das Gewölbe wurde jetzt von eigenartigen Fackeln in ein gleißendes Licht getaucht. Vor der Platte, die sich nun wieder an ihrem ursprünglichen Platz befand, stand eine Menschenmenge. Viele von ihnen hantierten mit flachen Gebilden, die sie hin und her schwenkten, und aus denen beständig Blitze schossen. Eine junge Frau, von der nur der Rücken zu erkennen war, informierte die Gruppe über diesen Ort. „Hinter mir sehen Sie die Attraktion dieser Höhle. Es handelt sich um ein beeindruckendes Kunstwerk, dessen Alter unbekannt ist, und das den mysteriösen Namen ‚Zeitengrab’ trägt. Auch hier konnte die Wissenschaft noch nicht klären, was sich hinter diesem seltsamen Namen verbirgt …“
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