Der Ritter lehnte sein Schwert an den Pfeiler, der einst die mächtige Dachkonstruktion gestützt hatte. Daneben fand auch sein Schild einen Platz. Er zog sich den Helm vom Kopf und legte ihn vor den Waffen nieder. Eine ergraute Mähne wallte ihn über die Schulter. Danach fingerte er den roten Umhang von der Rüstung.
Mit dem wollenen Tuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn, anschließend strich er sich mehrmals über die Augen. Es schien, als erwartete er, etwas Anderes zu erblicken, sobald er den vermeintlichen Schleier vor ihnen weggewischt hatte. Doch das Bild blieb bestehen. Er stand mitten in den verfallenen Mauern einer alten Festung. An den Steinen rankte Efeu empor. Das Dach war heruntergebrochen. Einzelne Balken vermoderten in der feuchten Waldluft. Nur das Meer brennender Kerzen, die den Eindruck erweckten, als wären sie gerade aufgesteckt und entzündet worden, widersetzte sich dem traurigen Zustand der Vergänglichkeit, der die Ruine umhüllte. Er musste die Kerzen nicht zählen, wusste genau, wie viel kleine Flammen im leichten Wind züngelten. Denn vor einem Menschalter hatte er sie selbst angebracht. Für jeden seiner hingemetzelten Kameraden ein Licht.
Damals waren sie in diese Wildnis eingedrungen, um sie urbar zu machen. Niemand von ihnen wurde von Zweifeln gequält, ob sie das Richtige taten, ob es klug war, Schneisen in die Wälder zu schlagen, damit sie auf ihnen ihre Siedlung erreichen konnten.
Unzählige uralte Baumriesen fielen ihren Äxten zum Opfer. Sie mussten Platz für ihre Burg schaffen, benötigten das Holz als Baumaterial. Das Wild, das in diesem abgeschiedenen Paradies lebte, jagten sie erbarmungslos. Die Arbeit war schwer und sie brauchten kräftige Mahlzeiten, um sie verrichten zu können. Zuerst lehnten sich Insekten, Fledermäuse und Vögel, die in den gerodeten Eichen, Buchen und anderen Bäumen ihren Unterschlupf hatten, gegen die Eindringlinge auf.
In Schwärmen fielen sie über sie her. Doch die Usurpatoren verteidigten sich erfolgreich. Wie Windmühlenflügel ließen sie ihre Schwerter und Knüppel kreisen und wehrten die Angriffe ab, bis dieser Gegner fast vollständig aufgerieben war. Ihre eigenen Verluste hielten sich in Grenzen.
In der zweiten Angriffswelle brandeten Bären, Wölfe, Wildschweine, Luchse heran. Und es kostete mehr Opfer, ehe sie in die Flucht geschlagen werden konnten. Mittlerweile hatte der Schlachtenlärm auch die Geister und Dämonen des Waldes geweckt. Eigentlich kümmerten sie sich nicht um die Zwistigkeiten der Sterblichen, doch da mit dem schwindenden Baumbestand auch ihre Refugien bedroht wurden, rüsteten auch sie zum Kampf. Ihrer Magie hielten die Frevler nicht stand. Einer nach dem anderen sank danieder. Zum Schluss focht nur noch der einsame Ritter, wohl wissend, dass seine Stunden ebenfalls längst gezählt waren. Doch dieses Schicksal blieb ihm erspart. Ihm wurde das Leben geschenkt, um Kunde davon zu abzulegen, welches Ende seine Gefährten gefunden hatten
Die Erinnerungen verblassten. Jetzt musste er das erledigen, weshalb er noch einmal hierhergekommen war. Er pfiff nach seinem Pferd, das willig herangetrabt kam. Aus dem Bündel, das er hinter dem Sattel festgeschnallt hatte, nestelte er einen länglichen Gegenstand hervor, den er an den Helm lehnte. Dann streifte er dem Pferd das Zaumzeug vom Kopf und zerrte den Sattel von seinem Rücken. Mit einem leichten Klaps auf die Kruppe trieb er es davon. Er wandte sich dem Gegenstand, einer Kerze, zu, die er an einer der bereits brennenden entzündete. Anschließend ergriff er sein Schwert und stürzte sich hinein.
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Mit dem wollenen Tuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn, anschließend strich er sich mehrmals über die Augen. Es schien, als erwartete er, etwas Anderes zu erblicken, sobald er den vermeintlichen Schleier vor ihnen weggewischt hatte. Doch das Bild blieb bestehen. Er stand mitten in den verfallenen Mauern einer alten Festung. An den Steinen rankte Efeu empor. Das Dach war heruntergebrochen. Einzelne Balken vermoderten in der feuchten Waldluft. Nur das Meer brennender Kerzen, die den Eindruck erweckten, als wären sie gerade aufgesteckt und entzündet worden, widersetzte sich dem traurigen Zustand der Vergänglichkeit, der die Ruine umhüllte. Er musste die Kerzen nicht zählen, wusste genau, wie viel kleine Flammen im leichten Wind züngelten. Denn vor einem Menschalter hatte er sie selbst angebracht. Für jeden seiner hingemetzelten Kameraden ein Licht.
Damals waren sie in diese Wildnis eingedrungen, um sie urbar zu machen. Niemand von ihnen wurde von Zweifeln gequält, ob sie das Richtige taten, ob es klug war, Schneisen in die Wälder zu schlagen, damit sie auf ihnen ihre Siedlung erreichen konnten.
Unzählige uralte Baumriesen fielen ihren Äxten zum Opfer. Sie mussten Platz für ihre Burg schaffen, benötigten das Holz als Baumaterial. Das Wild, das in diesem abgeschiedenen Paradies lebte, jagten sie erbarmungslos. Die Arbeit war schwer und sie brauchten kräftige Mahlzeiten, um sie verrichten zu können. Zuerst lehnten sich Insekten, Fledermäuse und Vögel, die in den gerodeten Eichen, Buchen und anderen Bäumen ihren Unterschlupf hatten, gegen die Eindringlinge auf.
In Schwärmen fielen sie über sie her. Doch die Usurpatoren verteidigten sich erfolgreich. Wie Windmühlenflügel ließen sie ihre Schwerter und Knüppel kreisen und wehrten die Angriffe ab, bis dieser Gegner fast vollständig aufgerieben war. Ihre eigenen Verluste hielten sich in Grenzen.
In der zweiten Angriffswelle brandeten Bären, Wölfe, Wildschweine, Luchse heran. Und es kostete mehr Opfer, ehe sie in die Flucht geschlagen werden konnten. Mittlerweile hatte der Schlachtenlärm auch die Geister und Dämonen des Waldes geweckt. Eigentlich kümmerten sie sich nicht um die Zwistigkeiten der Sterblichen, doch da mit dem schwindenden Baumbestand auch ihre Refugien bedroht wurden, rüsteten auch sie zum Kampf. Ihrer Magie hielten die Frevler nicht stand. Einer nach dem anderen sank danieder. Zum Schluss focht nur noch der einsame Ritter, wohl wissend, dass seine Stunden ebenfalls längst gezählt waren. Doch dieses Schicksal blieb ihm erspart. Ihm wurde das Leben geschenkt, um Kunde davon zu abzulegen, welches Ende seine Gefährten gefunden hatten
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