Deltron befand sich nur noch wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Zwar wusste er nicht, ob die ihn umgebende Flüssigkeit überhaupt Wasser war, aber der Einfachheit halber nannte er sie so.
Es wurde Zeit, dass er in Erfahrung brachte, wie es über ihm aussah. Behutsam ließ er eine kleine Kamera aufsteigen und schaltete sie ein. Das Display, das in seinen Kopfschutz integriert war, zeigte ihm erst einmal dasselbe Bild, das seine Augen auch durch das Visier des Helmes erfassten. Eine graue Brühe, die gelegentlich von Lichtstrahlen erhellt wurde, schwappte auf und ab. Etwas Lebendiges war nicht zu erkennen. Weder tier- noch pflanzenähnliche Geschöpfe schienen in dieser Flüssigkeit existieren zu können.
Deshalb überraschten ihn die ersten Aufnahmen, die die Kamera außerhalb des „Wassers“ einfing. Am Ufer wimmelte es von Kreaturen. Details konnte er zwar nicht ausmachen, aber einige unförmige Körper, die sich am Strand im Sand aalten, erinnerten ihn an Walrosse oder Seelöwen.
Er steuerte die Kamera näher an sie heran. Als sich das kleine Gerät endlich stabilisiert hatte und die Bilder an Schärfe gewannen, machte sein Herz einen Freudensprung. Er schien auf eine Kolonie gleichartiger Geschöpfe gestoßen zu sein. Zwischen ausgewachsenen Exemplaren tummelten sich auch deren Nachwuchs in allen Größen und Entwicklungsstadien.
Deltrons Auftrag lautete, ein Geschöpf dieses Planeten zum Raumschiff zu bringen, ob tot oder lebendig war erst einmal zweitrangig. Falls es ihm gelingen sollte, sich eines der kleinen Biester zu schnappen, wäre jedoch die letztere Option sogar möglich. Jetzt beschleunigte er seine Schritte, immer darauf bedacht, keine Wellen zu schlagen. Als er fast nur noch eine Handbreite „Wasser“ über sich hatte, legt er eine Pause ein. Er justierte die Kamera, um eine Beute ausfindig zu machen.
Die Tiere schienen die herannahende Gefahr noch nicht bemerkt zu haben. Arglos ruhten sie weiterhin im Sand. Deltron wählte ein dicht am „Wasser“ schlafendes kleines Exemplar als Ziel aus. Um so lange wie möglich unentdeckt zu bleiben, bückte er sich auf alle Viere und schob sich vorwärts. Als sein Helm schon aus dem „Wasser“ tauchte und er den Strand durch das Visier erkennen konnte, sprang er auf.
Das Jungtier reagierte nicht, aber zwei ausgewachsene Exemplare, wahrscheinlich die Eltern, mussten spüren, was er vorhatte. Sie warfen sich einen Blick zu und eines stieß einen Schrei aus, der selbst Deltrons Helm durchdrang und wie ein Klagelaut in seinen Ohren vibrierte. Dann stupste es das Jungtier mit der Nase an und trieb es vor sich her.
Das andere schien abzuschätzen, wo Deltron aus dem „Wasser“ kommen würde. Als es die Stelle erahnt hatte, schaute es kurz den beiden Flüchtenden nach, anschließend stürzte es sich dem Angreifer entgegen. Deltron griff nach seiner Waffe.
Doch er musste sie nicht einsetzen, denn das Elterntier erreichte ihn nicht. Kaum, dass es mit dem „Wasser“ in Berührung gekommen war, brodelte die Flüssigkeit auf. Deltron schien es, als würde ein Schwarm Piranhas sein Opfer verschlingen. Bald begriff er aber, dass das „Wasser“ den lebenden Organismus zersetzte und es dabei zu dieser heftigen Reaktion kam. Wahrscheinlich hatte das Geschöpf gewusst, was passieren würde und sich nur geopfert, um seiner Familie einen Zeitvorsprung bei der Flucht zu verschaffen.
Mittlerweile war die ganze Herde in Bewegung. Die Tiere rasten zu einem Höhleneingang, der sich in einer nahen Felsformation befand. Als letztes verschwanden Deltrons Zielobjekt und sein Elternteil in dem dunklen Schlund. Anschließend rasselte ein Eisengitter herunter und versperrte diesen Zugang für den Eindringling.

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