Ein Junge in dunklem Talar kam durch die Tür. Amüsiert musterte er das Mädchen, das in Kopfhöhe durch den Raum schwebte. Erst sah es so aus, als würde es mit den Füßen in einem der Fächer des Schrankes feststecken, der die rechte Seite des Zimmers einnahm. Doch dann löste es sich davon und triftete auf die gegenüberliegende Wand zu.
„Na nun. Was ist denn hier passiert?“, wollte er wissen, als er um sie herumging und sich nach einem Buch bückte, das auf dem Boden lag.
„Frag nicht so dumm“, herrschte sie ihn an, „sondern hol mich hier herunter!“
„Interessiert es dich denn nicht, wie du in diese Lage gekommen bist?“
Anstatt zu antworten, schüttelte das Mädchen nur mit dem Kopf.
„Ich erzähle es dir trotzdem. Danach helfe ich dir vielleicht, wenn du mir vorher etwas versprichst.“ Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. „Also, deine missliche Lage hast du diesem Buch zu verdanken. Im Jahr 986 erhielt ein Schüler dieses Zauberinstituts den Auftrag, das Buch zu vervielfältigen. Dabei ist ihm ein Malheur widerfahren. Als er nämlich bis zur Seite 986 gekommen war, stieß er sein Tintenfass, das er auf dem Buch abgestellt hatte, um und so kam es, dass die Seiten 986 und 987 zusammenklebten. Das ist auch heute noch so, nur dass der Tintenfleck im Laufe der Jahrhunderte verblasst ist, weshalb man ihn nicht mehr erkennt. Damit begann das Elend. Denn wenn fortan jemand in der Halloween-Nacht diesen Raum betrat, in dem es spukt . . .“ Seine Worte wurden durch ein lautes Klatschen am Fenster unterbrochen, an das sich plötzlich von außen die Silhouette eines Gespenstes schmiegte. „. . . wenn derjenige also vor lauter Furcht nach dem Zauberbuch greift, um mit dem Spruch, der auf der letzten Zeile von Seite 985 beginnt und sich auf der darauffolgenden Seite fortsetzt, die Geister zu bannen, kommt er beim Umblättern nicht auf Seite 986, sondern auf Seite 988. Und der Spruch, der auf den ersten Zeilen dieser Seite zu lesen ist, bewirkt, dass er augenblicklich dein jetziges Schicksal erleidet.“
„Sehr unterhaltsam“, sagte das Mädchen. „Und auf welcher Seite steht, wie sich dieses alberne Versehen rückgängig machen lässt?“
Der Junge blätterte eine Weile durch das Buch. „Hier ist die Stelle. Sie befindet sich in der Mitte von Seite 1111.“
„Worauf wartest du?“, drängte das Mädchen. „Wende die Zauberformel endlich an!“
„Aber nur, wenn du mir schwörst, in Zukunft alle Arbeiten zu erledigen, die mir aufgetragen werden. Ansonsten werden dich gleich alle durch diesen Raum schweben sehen und du wirst zum Gespött der ganzen Schule.“
Das Mädchen zögerte mit seiner Zusage. Als sie jedoch hörte, dass die anderen Schüler bereits durch das Gebäude tobten, stimmte sie der Forderung zu.
Mit wichtigtuerischer Mine positionierte sich der Junge vor dem Mädchen. Aus seiner ausgestreckten Hand schossen Blitze, als er begann, den Gegenzauber zu zelebrieren. Bei den letzten Worten geriet er kurz ins Stocken, weil hier unter einem Tintenklecks einige Buchstaben nur schwer zu entziffern waren. Doch dann hatte er den Spruch vollendet und . . . schwebte im selben Moment neben dem Mädchen.

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