Thingold zuckte einige Male kräftig mit den Schultern bis der Schild wieder in der richtigen Position auf seinem Rücken ruhte. Er hasste es, wenn der mächtige Holzschild ihn beim Laufen störte. Genauso wie er es hasste, lange Strecken auf Land unterwegs sein zu müssen. Selbst wenn er dabei auf einem prächtigen Ross saß, was jetzt nicht einmal der Fall war, verwünschte er stets inbrünstig das feste starre Gelände.
Ein Wikinger gehörte auf das Meer. Dorthin, wo es weder Stillstand noch Barrieren gab. Klippen konnte man umschiffen, Riffen ausweichen, aber man musste niemals über sie hinwegkraxeln, um an sein Ziel zu gelangen. Dieser letzte Gedanke überfiel ihn, als er das bizarre Bergmassiv betrachtete, das sich wie eine Festungsmauer vor ihm auftürmte, als wollte es verhindern, dass er jemals den dahinterliegenden Ozean erreichte. Seinen Augen konnte es zwar den Blick auf das Meer verwehren, doch in seine Ohren glaubte er bereits, das Rauschen der Wellen zu vernehmen, und auf seiner Zunge lag schon der salzige Geschmack der See.
Mit einem beherzten Griff umklammerte er den Stiel seiner fast mannshohen Streitaxt und schickte sich an, seinen Weg fortzusetzen. Aber ein Donnergrollen, das in den Bergen rumorte, ließ ihn innehalten. Plötzlich schoben sich Gewitterwolken vor die Gipfel, verbargen sie hinter sich. Ein weiterer Donnerschlag brachte den Boden zum Beben. Eigentlich hätte ihm ein Blitz vorausgehen müssen, doch hier kündigte er das Kommen von etwas Unheimlichen an. Eine riesige Gestalt entstieg den Wolken und schob sie beiseite wie einen lästigen Vorhang. Die wieder sichtbaren Gipfel reichten dem Ungetüm gerade bis zur Brust. Auf dem Körper eines Recken thronte ein gehörntes Haupt. Das Gesicht wurde vom Visier eines kunstvoll geschmiedeten Helms verborgen.
Thingold presste sich die Axt gegen die Brust. Im Kampf mit menschlichen Gegnern verwandelte sich diese Waffe in seinen Händen stets in ein verderbenbringendes Werkzeug. Egal ob sie ihm zu Fuß, hoch zu Ross oder auf einem Drachenboot angriffen, wer sich in die Reichweite seines Lieblings wagte, war verloren. Für einen Dämonen besaß sie jedoch die Gefährlichkeit eines Zahnstochers, mit dem er sich die Fleischreste nach einem üppigen Mahl aus den Zähnen pulen konnte.
„Sei es drum“, schnaubte Thingold. „Einen Schlag werde ich ihm schon versetzen können, bevor er mich wie ein lästiges Ungeziefer zerquetscht.“ Entschlossen bewegte er sich auf den Berg, nein auf zwei Berge, zu.
Den Unhold schien sein aberwitziges Ansinnen zu belustigen. Er brach in ein schallendes Gelächter aus, das für Thingold wie das Poltern einer herabstürzenden Steinlawine klang. Um den Wikinger noch etwas mehr zu reizen, eilte er ihm einige Schritte entgegen. Bei jedem Aufsetzen seiner schlachtfeldgroßen Füße, schwankten die Bergspitzen bedenklich hin und her.
Entweder von Felsen erschlagen oder von den Sohlen des Dämonen platt wie eine Flunder gedrückt, so stellte sich Thingold in diesem Moment sein Ende vor. Aber bevor er diese Welt verlassen musste, sollte seine Axt noch einmal das Fleisch eines Feindes kosten.
Er beschleunigte seinen Angriff. Als der Fuß des Dämonen Thingold nur knapp verfehlte und er nach dem Orkan, den der Schritt auslöste, wieder fest auf den Beinen stand, hieb er zu. Doch der Schlag erzielte wohl noch weniger Wirkung als der Zahnstocher, der ihn eben in den Sinn gekommen war. Der Fuß zuckte nicht einmal. Jetzt galt es, das Unausweichliche tapfer zu ertragen und dem Tod furchtlos ins Auge zu schauen.
Ergeben senkte Thingold sein Haupt. Die Faust des Dämonen fuhr herab. Thingold spürte das Vibrieren der Luft über ihn, erahnte die Kraft, die ihn gleich zerschmettern würde. Doch anstatt ihn zu zermalmen, senkte sich eine geöffnete Hand vorsichtig vor ihm nieder. Der Dämon redete auf ihn ein. Er schien sich um ein Flüstern zu bemühen. Für Thingold klang es dennoch wie das Fauchen eines Sturmes auf hoher See.
„Steig auf meine Hand“, forderte er Thingold auf. „Ich sehe am Meeresstrand ein Drachenboot warten, dem noch ein tapferer Recke fehlt. Wenn wir uns mit unserer Bergtour beeilen, könnten wir bei dem Boot sein, bevor es in See sticht.“
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Ein Wikinger gehörte auf das Meer. Dorthin, wo es weder Stillstand noch Barrieren gab. Klippen konnte man umschiffen, Riffen ausweichen, aber man musste niemals über sie hinwegkraxeln, um an sein Ziel zu gelangen. Dieser letzte Gedanke überfiel ihn, als er das bizarre Bergmassiv betrachtete, das sich wie eine Festungsmauer vor ihm auftürmte, als wollte es verhindern, dass er jemals den dahinterliegenden Ozean erreichte. Seinen Augen konnte es zwar den Blick auf das Meer verwehren, doch in seine Ohren glaubte er bereits, das Rauschen der Wellen zu vernehmen, und auf seiner Zunge lag schon der salzige Geschmack der See.
Mit einem beherzten Griff umklammerte er den Stiel seiner fast mannshohen Streitaxt und schickte sich an, seinen Weg fortzusetzen. Aber ein Donnergrollen, das in den Bergen rumorte, ließ ihn innehalten. Plötzlich schoben sich Gewitterwolken vor die Gipfel, verbargen sie hinter sich. Ein weiterer Donnerschlag brachte den Boden zum Beben. Eigentlich hätte ihm ein Blitz vorausgehen müssen, doch hier kündigte er das Kommen von etwas Unheimlichen an. Eine riesige Gestalt entstieg den Wolken und schob sie beiseite wie einen lästigen Vorhang. Die wieder sichtbaren Gipfel reichten dem Ungetüm gerade bis zur Brust. Auf dem Körper eines Recken thronte ein gehörntes Haupt. Das Gesicht wurde vom Visier eines kunstvoll geschmiedeten Helms verborgen.
Thingold presste sich die Axt gegen die Brust. Im Kampf mit menschlichen Gegnern verwandelte sich diese Waffe in seinen Händen stets in ein verderbenbringendes Werkzeug. Egal ob sie ihm zu Fuß, hoch zu Ross oder auf einem Drachenboot angriffen, wer sich in die Reichweite seines Lieblings wagte, war verloren. Für einen Dämonen besaß sie jedoch die Gefährlichkeit eines Zahnstochers, mit dem er sich die Fleischreste nach einem üppigen Mahl aus den Zähnen pulen konnte.
„Sei es drum“, schnaubte Thingold. „Einen Schlag werde ich ihm schon versetzen können, bevor er mich wie ein lästiges Ungeziefer zerquetscht.“ Entschlossen bewegte er sich auf den Berg, nein auf zwei Berge, zu.
Den Unhold schien sein aberwitziges Ansinnen zu belustigen. Er brach in ein schallendes Gelächter aus, das für Thingold wie das Poltern einer herabstürzenden Steinlawine klang. Um den Wikinger noch etwas mehr zu reizen, eilte er ihm einige Schritte entgegen. Bei jedem Aufsetzen seiner schlachtfeldgroßen Füße, schwankten die Bergspitzen bedenklich hin und her.
Entweder von Felsen erschlagen oder von den Sohlen des Dämonen platt wie eine Flunder gedrückt, so stellte sich Thingold in diesem Moment sein Ende vor. Aber bevor er diese Welt verlassen musste, sollte seine Axt noch einmal das Fleisch eines Feindes kosten.
Er beschleunigte seinen Angriff. Als der Fuß des Dämonen Thingold nur knapp verfehlte und er nach dem Orkan, den der Schritt auslöste, wieder fest auf den Beinen stand, hieb er zu. Doch der Schlag erzielte wohl noch weniger Wirkung als der Zahnstocher, der ihn eben in den Sinn gekommen war. Der Fuß zuckte nicht einmal. Jetzt galt es, das Unausweichliche tapfer zu ertragen und dem Tod furchtlos ins Auge zu schauen.
Ergeben senkte Thingold sein Haupt. Die Faust des Dämonen fuhr herab. Thingold spürte das Vibrieren der Luft über ihn, erahnte die Kraft, die ihn gleich zerschmettern würde. Doch anstatt ihn zu zermalmen, senkte sich eine geöffnete Hand vorsichtig vor ihm nieder. Der Dämon redete auf ihn ein. Er schien sich um ein Flüstern zu bemühen. Für Thingold klang es dennoch wie das Fauchen eines Sturmes auf hoher See.
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