Unvermittelt fielen die Pferde in den Galopp. Sofort suchte Arnold nach einer möglichen Gefahrenquelle, vor der sich die Tiere erschreckt haben konnten. Auch Thoralf drehte sich im Sattel um. Nur Leila nahm es hin, dass sie plötzlich schneller unterwegs waren, ohne nach einem Grund dafür zu forschen.
Vielleicht lag es an dieser Unbedarftheit, dass sie als erste erkannte, weshalb die Pferde so vorwärtsstürmten. Fast zeitgleich mit dem sanften Rauschen, das in ihre Ohren drang, schmeckte ihr Mund die Feuchtigkeit, mit der die Luft hier geschwängert war.
„Wasser“, rief sie den Gefährten zu und ließ sich von ihrem Pferd die Zügel aus der Hand ziehen, damit es ungehindert dem ersehnten Nass entgegenzueilen vermochte. Sie erreichte das Ufer knapp vor Arnold und Thoralf. Dort mussten die Drei ihre Rösser abrupt zum Stehen bringen, sonst wären sie kopfüber in den Fluss gestürzt.
Nachdem es ihnen endlich gelungen war, ihre Pferde die Uferböschung hinunter zu führen, knieten sie jetzt neben den Tieren im Wasser und tranken in tiefen Zügen. Arnold hatte seinen Durst zuerst gelöscht. Er band sein Pferd an Leilas Sattel fest, dann schälte er sich aus seiner Rüstung bis nur noch leinene Beinkleider seine Blöße bedeckten und watete in den Fluss.
Als die Wellen an seine Brust schlugen, tauchte er unter. Mit kräftigen Stößen schwamm er der Strömung entgegen, deren Widerstand er kaum spürte. So lange seine Luft anhielt, blieb er unter Wasser. Bei der Rückkehr zur Oberfläche klammerte er sich an zwei rundgewaschenen Steinen fest, die wie Inseln aus dem Fluss ragten. Dabei wurden seine Augen von etwas geblendet, das zwischen den Steinen zu stecken schien. Neugierig geworden, hangelte sich Arnold zu der Stelle, von der das Glitzern ausging. Eine verschlossene gläserne Amphore hatte sich dort festgekeilt.
Eigentlich hätte sie an den Felsen zerschellen müssen, aber scheinbar war sie dickwandig genug, um einen solchen Aufprall unbeschadet überstehen zu können. Arnold beschloss, sie mit zu seinen Gefährten zu nehmen. Er packte einen der Henkel und zog das Gefäß zwischen den Steinen hervor. Anschließend ließ er sich von der Strömung zurück zum Ufer treiben.
„Ob darin eine Botschaft verborgen ist?“, sinnierte Leila, als Arnold die Amphore vor seinen Freunden abgestellt hatte.
„Das werden wir gleich erfahren“, meinte Thoralf und holte mit seinem Streithammer zum Schlag aus.
Ehe die klobige Waffe die Amphore zertrümmern konnte, riss Arnold sie hoch.
„Bist du von Sinnen“, schrie er Thoralf zu. „Um hineinschauen zu können, müssen wir nur den Verschluss öffnen.“ Bevor er das tat, hielt er das Behältnis ins Sonnenlicht. Doch durch das dunkle Glas ließ sich nicht erkennen, dass sich etwas darinnen befand. Auch ein kräftiges Schütteln verriet nicht, ob im Inneren etwas steckte.
Mit einem derben Ruck zog Arnold den Pfropfen aus dem Gefäß. Als er es herumdrehte, hoffte er, dass ein zusammengerolltes Pergament zum Vorschein kommen würde. Was aber nicht geschah. Stattdessen schob sich vorsichtig ein Wuschelkopf durch die Öffnung, dem bald Hals und Schultern folgten. Und bevor die Drei sich richtig versahen, entstieg ein zwergenhafter Krieger der Amphore.
Arnold musterte das Kerlchen erstaunt. Thoralf ließ seinen Streithammer wieder bedrohlich hin und her pendeln. Und Leila sank auf die Knie, um den Neuankömmling genauer betrachten zu können.
Den Kleinen schien die Situation nicht zu ängstigen. Er stapfte am Ufer herum und rief mit erstaunlich lauter Stimme: „Drei stattliche Riesen!“ Dann griff er in die Tasche seines Gewandes und entnahm ihr eine handvoll blaues Pulver, das er vor sich in die Luft blies. Sobald Arnold, Thoralf und Leila das Pulver auf ihrer Haut verspürten, schwanden ihnen die Sinne.
Als sie wieder zu sich kamen, befanden sie sich in einem herrlichen Palast. Der Kleine stand hochaufgerichtet auf Arnolds rechter Hand. Ergeben sank er auf die Knie, als eine in prächtige Kleider gehüllte Edelfrau mit ausgebreiteten Armen auf sie zueilte. „Edle Königin“, säuselte er, „Ich bringe Euch neue Untertanen.“
Es dauerte eine gewisse Zeit, bis die Drei begriffen, dass die Worte des Kleinen nicht der Edelfrau galten, sondern einem kleinen Persönchen, das ebenfalls in den Raum geschlüpft war, und würdevoll die Huldigung entgegennahm.
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Vielleicht lag es an dieser Unbedarftheit, dass sie als erste erkannte, weshalb die Pferde so vorwärtsstürmten. Fast zeitgleich mit dem sanften Rauschen, das in ihre Ohren drang, schmeckte ihr Mund die Feuchtigkeit, mit der die Luft hier geschwängert war.
„Wasser“, rief sie den Gefährten zu und ließ sich von ihrem Pferd die Zügel aus der Hand ziehen, damit es ungehindert dem ersehnten Nass entgegenzueilen vermochte. Sie erreichte das Ufer knapp vor Arnold und Thoralf. Dort mussten die Drei ihre Rösser abrupt zum Stehen bringen, sonst wären sie kopfüber in den Fluss gestürzt.
Nachdem es ihnen endlich gelungen war, ihre Pferde die Uferböschung hinunter zu führen, knieten sie jetzt neben den Tieren im Wasser und tranken in tiefen Zügen. Arnold hatte seinen Durst zuerst gelöscht. Er band sein Pferd an Leilas Sattel fest, dann schälte er sich aus seiner Rüstung bis nur noch leinene Beinkleider seine Blöße bedeckten und watete in den Fluss.
Als die Wellen an seine Brust schlugen, tauchte er unter. Mit kräftigen Stößen schwamm er der Strömung entgegen, deren Widerstand er kaum spürte. So lange seine Luft anhielt, blieb er unter Wasser. Bei der Rückkehr zur Oberfläche klammerte er sich an zwei rundgewaschenen Steinen fest, die wie Inseln aus dem Fluss ragten. Dabei wurden seine Augen von etwas geblendet, das zwischen den Steinen zu stecken schien. Neugierig geworden, hangelte sich Arnold zu der Stelle, von der das Glitzern ausging. Eine verschlossene gläserne Amphore hatte sich dort festgekeilt.
Eigentlich hätte sie an den Felsen zerschellen müssen, aber scheinbar war sie dickwandig genug, um einen solchen Aufprall unbeschadet überstehen zu können. Arnold beschloss, sie mit zu seinen Gefährten zu nehmen. Er packte einen der Henkel und zog das Gefäß zwischen den Steinen hervor. Anschließend ließ er sich von der Strömung zurück zum Ufer treiben.
„Ob darin eine Botschaft verborgen ist?“, sinnierte Leila, als Arnold die Amphore vor seinen Freunden abgestellt hatte.
„Das werden wir gleich erfahren“, meinte Thoralf und holte mit seinem Streithammer zum Schlag aus.
Ehe die klobige Waffe die Amphore zertrümmern konnte, riss Arnold sie hoch.
„Bist du von Sinnen“, schrie er Thoralf zu. „Um hineinschauen zu können, müssen wir nur den Verschluss öffnen.“ Bevor er das tat, hielt er das Behältnis ins Sonnenlicht. Doch durch das dunkle Glas ließ sich nicht erkennen, dass sich etwas darinnen befand. Auch ein kräftiges Schütteln verriet nicht, ob im Inneren etwas steckte.
Mit einem derben Ruck zog Arnold den Pfropfen aus dem Gefäß. Als er es herumdrehte, hoffte er, dass ein zusammengerolltes Pergament zum Vorschein kommen würde. Was aber nicht geschah. Stattdessen schob sich vorsichtig ein Wuschelkopf durch die Öffnung, dem bald Hals und Schultern folgten. Und bevor die Drei sich richtig versahen, entstieg ein zwergenhafter Krieger der Amphore.
Arnold musterte das Kerlchen erstaunt. Thoralf ließ seinen Streithammer wieder bedrohlich hin und her pendeln. Und Leila sank auf die Knie, um den Neuankömmling genauer betrachten zu können.
Den Kleinen schien die Situation nicht zu ängstigen. Er stapfte am Ufer herum und rief mit erstaunlich lauter Stimme: „Drei stattliche Riesen!“ Dann griff er in die Tasche seines Gewandes und entnahm ihr eine handvoll blaues Pulver, das er vor sich in die Luft blies. Sobald Arnold, Thoralf und Leila das Pulver auf ihrer Haut verspürten, schwanden ihnen die Sinne.
Als sie wieder zu sich kamen, befanden sie sich in einem herrlichen Palast. Der Kleine stand hochaufgerichtet auf Arnolds rechter Hand. Ergeben sank er auf die Knie, als eine in prächtige Kleider gehüllte Edelfrau mit ausgebreiteten Armen auf sie zueilte. „Edle Königin“, säuselte er, „Ich bringe Euch neue Untertanen.“
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