Samira machte sich in voller Montur auf den Weg. Ihr Körper wurde von einem Kampfanzug geschützt, der mit Hightec gespickt war wie die Kommandozentrale des Raumkreuzers, der sie zu diesem Planeten gebracht hatte. Zusätzlich schirmte er sie hermetisch von der Außenwelt ab.
Dazu führte sie die Standardwaffen ihrer Eliteeinheit mit. Und sie fühlte sich hoch motiviert. Dank des unerbittlichen Drills, den ihre Gruppe unter den wachsamen Augen ihres Kommandanten täglich absolvieren musste, befand sich auch ihre Kondition auf dem Höchststand.
Das Alles summierte sich zur idealen Voraussetzung, um die ihr übertragene Aufgabe zu erfüllen. Ihr und den anderen Mitgliedern ihres Kommandotrupps oblag es, das Gelände zu erkunden, das die Generalität als Aufmarschgebiet für die Invasionstruppen ausgewählt hatte. Wenn sie ihr Okay gaben, würden hier in Kürze 200 000 Mann samt schwerem Gerät Stellung beziehen. Einer Eroberung des Planeten stand dann nichts mehr im Wege. Denn niemand zog ernsthaft in Erwägung, dass es den einheimischen Bewohnern gelingen könnte, einer solchen Militärmaschinerie standzuhalten.
Sie bewegte sich durch ebenes Gelände. Der sandige Boden schien fruchtbar zu sein, denn er war von einem Teppich grasartiger Halme bedeckt. Dazwischen wucherten größere Pflanzen, die sie an die Kakteen in den Halbwüstengebieten ihres Heimatplaneten erinnerten. Sollten die Topografie und die Vegetation in dem Gebiet, das sie zu erkunden hatte, so bleiben, war es optimal als Operationsbasis geeignet.
Beim weiteren Vordringen erreichte sie einen Wald. Hier hatten sich tropenartige Gewächse angesiedelt. Durch ihre Außenmikrofone drangen Geräusche, die darauf schließen ließen, dass dieses Gebiet von – ja von was – bewohnt wurde. Zu sehen bekam sie diese Geschöpfe nämlich nicht. Wenig später öffnete sich der Wald und sie stand vor einer grünen Fläche, die mit Tausenden bunten Tupfern gesprenkelt war.
Sofort fühlte sie sich wie auf einer Sommerwiese, zwischen deren Gräsern unzählige Wildblumen blühten. Plötzlich erhaschte sie einen Blick auf ein Objekt, das sich ihr näherte.
Blitzschnell hatte sie ihre Laserpistole im Anschlag. Dann erkannte sie jedoch, dass es sich um einen Schmetterling handelte, wie sie ihn von zu Hause kannte, nur dass dieser etwas größer war als die heimischen Exemplare. Sie ließ die Waffe sinken. Der Schmetterling schien ziellos durch die Luft zu torkeln, verringerte dabei aber den Abstand zu ihr ständig. Als er dicht vor dem Visier ihres Helmes angekommen war, klappte er seine Flügel zusammen und landete auf ihrer Hand.
Eigentlich hätte sie ihn längst eliminieren müssen. Doch seine friedvolle Ausstrahlung hielt sie davon ab, das zu tun. Plötzlich überwältigte sie das Verlangen, den Schmetterling auf ihrer Haut zu spüren. Wider alle Vernunft steckte sie die Pistole ins Halfter und streifte sich den Handschuh ab. Der Schmetterling flatterte kurz hoch, dann kehrte er zu der jetzt entblößten Hand zurück. Gleich würde sie das angenehme Kitzeln seiner sechs Beine auf ihrer Haut fühlen.
Als er sie jedoch berührte, traf sie ein furchtbarer Schlag, der sie von den Füßen riss. Noch bevor ihr Körper auf dem Boden aufschlug, durchfuhr sie der tröstende Gedanke, wenigstens an einem schönen Ort zu sterben, dann setzte ihr Herzschlag aus.
In der Bunkeranlage, die sich 500 Meter unter Samira befand, brandete Applaus auf. Die dortige Besatzung verfolgte an 100 Bildschirmen wie die Angehörigen des feindlichen Erkundungstrupps fast zeitgleich neutralisiert wurden. Alle waren Opfer von Illusionen geworden, die sie in eine mentale Falle gelockt hatten. Und die Abwehrsysteme des Planeten verfügten über die Kapazitäten, Millionen solcher Illusionen zu erzeugen und sie gegen jeden Feind einzusetzen.

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