Als Rador seinen Kopf aus dem Zelt steckte, waberten noch die Morgennebel durch das Tal. Sie schienen zwischen den Hängen der umliegenden Berge festgeklemmt zu sein. Trotzdem kroch er ins Freie und ließ sich von der Kälte die Müdigkeit aus den Gliedern reißen. In der Feuerstelle glomm noch einer der starken Äste, die er am Abend nachgelegt hatte. Er schichtete Zweige darauf, aus denen bald kleine Flammen züngelten, die er mit weiteren Ästen zu einem Feuer heranfütterte, auf dem er sein Frühstück zubereiten konnte.
Ein leichter Wind strich durch das Tal. Er spielte mit dem Rauch und ärgerte Rador damit gehörig, denn egal wohin er sich setzte, stets drückte ihm der Wind den Qualm ins Gesicht bis seine Augen tränten. Schließlich verzog er sich ins Zelt, um dort ungestört zu frühstücken. Nachdem er den letzten Bissen mit einem Schluck Wasser heruntergespült hatte, schnappte er sich das Geschirr und schlenderte zu dem in einiger Entfernung fließenden Bach. Dort wusch er zuerst das Geschirr ab, dann entschloss er sich, ein Bad zu nehmen. Das kalte Nass erfrischte ihn nicht nur, es vertrieb auch seinen Ärger.
Als er zu seinem Rastplatz zurückkehrte, staunte er, wie es hier jetzt aussah. Am Feuer hockte eine Gestalt mit dem Rücken zu ihm. Und im Zelt musste mindestens eine weitere auf der Suche nach etwas sein. Immer wieder wurde die Plane von einem Kopf, anschließend von einem Hinterteil, ausgebeult.
Rador räusperte sich vernehmlich, was den Kerl am Feuer sofort herumfahren und zu seiner Streitaxt greifen ließ, die neben ihm auf dem Boden lag. Als er jedoch erkannte, von wem das Geräusch verursacht worden war, fiel die Waffe schnell wieder aus seinen Händen. Er stieß einen Fluch aus, von dem sein Kumpan aus dem Zelt gelockt wurde, in das er aber schnell wieder verschwand, als sein Blick Rador erhaschte.
Rador trat näher. „Schade, dass ich schon mit dem Frühstück fertig bin, sonst hätte ich euch gerne eingeladen. Oder wolltet ihr mich einladen?“
Vom Feuer her kam keine Antwort, doch aus dem Zelt quäkte eine Stimme: „Für eine Einladung fehlt uns die Zeit. Aber ich wollte dir etwas im Zelt zurücklassen, damit du weißt, dass wir hier waren.“
„Nette Geste“, meinte Rador. „Bring es doch mit heraus, damit ich es mir anschauen kann!“
„Tja … hm … äh“, stotterte der Kerl, als er aus dem Eingang schlüpfte. „Ich wollte dir meinen Bogen dalassen. Hier treibt sich allerhand Gesindel herum, da ist es besser, wenn man eine Waffe dabeihat.“
„Und von mir solltest du die Axt bekommen“, fügte der am Feuer hinzu.
Rador schaute auf die beiden ungebetenen Gäste herab, die jetzt nebeneinander vor ihm standen. Er überragte sie mit seiner mehrfachen Manneslänge wie eine Eiche zwei an ihren Wurzeln wuchernde Pilze. „Lasst mich mal eure Geschenke bestaunen. Ihr könnt in der Zwischenzeit mein Zelt abbauen!“, beschied er ihnen. Sie machten sich an die Arbeit.
Als sie die mächtigen Planen zu einem für Rador handlichen Bündel verschnürt hatten, warf er ihnen ihre Waffen vor die Füße und sich das Zelt über die Schultern. „Eure Geschenke gefallen mit nicht!“, murrte er. „Aber ihr könnt mich mit etwas Anderem erfreuen. Tragt doch das Zelt vor mir her. In meinem Alter wird es immer mühsamer, eine solche Last schleppen zu müssen.“ • Danach ließ er das schwere Gepäck von seinen Schultern gleiten und die beiden machten sich schniefend und keuchend daran, ihm seinen Wunsch zu erfüllen.

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