Marcos Herz wäre vor Freude fast aus der Brust gesprungen als er zwischen den Bäumen hervortrat und das wahrnahm, was sich seinen Augen darbot. Der feurig-orangene Sonnenball beschien eine filigran konstruierte Pagode, über deren Dach sich ein Drache in der Luft schlängelte. Ob das Fabeltier die Pagode mit seinem mächtigen Leib von der Bergspitze reißen wollte oder eher möglichen Feinden eine Warnung sein sollte, wusste Marco nicht zu sagen.
Vor Ergriffenheit hätte er beinah ein weiteres Detail dieses grandiosen Panoramas übersehen. Ein Felsen, der dem Pagodenberg vorgelagert war, erregte jetzt seine Aufmerksamkeit. Auf ihm harrte die Silhouette einer einzelnen Person. Der spitze Hut auf ihrem Kopf und das Schwert in der rechten Hand, in dessen Klinge sich der Sonnenuntergang spiegelte, verrieten Marco, dass dort ein Samurai ebenfalls zu dem Drachen und dem Bauwerk hinüberblickte.
Da der Drache den Krieger auch längst erspäht haben musste, erwartete Marco, dass gleich etwas geschehen würde. Vielleicht käme es zum Kampf zwischen den beiden? Vielleicht war der Samurai nur die Vorhut eines mächtigen Heeres, das sich die Eroberung des Pagodenberges auf die Fahnen geschrieben hatte, und bald in eine Schlacht gegen den Drachen ziehen würde?
Vor Marcos inneren Augen formten sich immer gewaltigere Szenarien, die märchenhafte Bilder hervorzauberten. Doch was tatsächlich geschah, vermochte ihm seine Fantasie nicht vorzugaukeln. Der Drache streckte seinen gewaltigen Leib und schoss in die Tiefe. Flammen umspielten seinen Nüstern und hüllten den Krieger in Rauchwolken als der Kopf des Untieres vor ihm über dem Abgrund tanzte. Für Momente verbargen die Schwaden die beiden vor Marcos Blicken.
Als die Sicht wieder klarer wurde, war der Samurai verschwunden. Vom Drachen verschlungen oder in die Schlucht gestürzt. In seinem Blutrausch gierte die Bestie nach weiterer Beute und es dauerte nur wenige Herzschläge bis sie Marco zwischen den Bäumen entdeckt hatte. Ein fauchender Flammenstoß, ein Sturmrauschen in der Luft, schon war der Drachen heran.
Marco schlug die Hände schützend vor sein Gesicht. Erst als eine Stimme zu ihm sprach, ließ er sie wieder sinken. Verwundert sah er den Samurai auf dem Rücken des Drachens sitzen. Zwei Arme streckten sich ihm entgegen. „Steig hinter mich und flieg mit uns ins Land der Märchen und Träume!“, forderte ihn der Krieger auf.
Kurz zögerte Marco, dann drehte er sich herum und ließ sich von einem Geräusch davonlocken, das wie das Klingeln eines Weckers klang.

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