Dento wähnte sich noch im Traum. Das plötzliche Beben des Untergrunds, dessen Schwingungen von seinem Körper aufgenommen wurden, passte perfekt zu den Bildern, die ihm seine Phantasie gerade vorgaukelte. Es dauerte lange, bis er begriff, dass nicht seine Traumwelt in Schwingung geraten war, sondern der felsige Untergrund, auf dem er sich gebettet hatte, plötzlich lebendig geworden zu sein schien.
Er blinzelte vorsichtig mit den Augen, konnte aber nichts erkennen. Um Genaueres sehen zu können, blieb ihm nichts Anderes übrig, als die Pupillen zu weiten und gleichzeitig den Schlaf aus seinem Inneren zu verbannen. Nur in hellwachem Zustand bestand wohl die Möglichkeit, dem Ursprung des Bebens und Vibrierens auf die Spur zu kommen.
Als er die Augen endlich aufgerissen hatte, verdunkelte sich allerdings sein Sichtfeld. Ein Schatten schob sich über ihn, begrub ihn unter sich wie ein schwerer schwarzer Umhang. Ja, er spürte die Last dieses düsteren Teppichs fast körperlich. Kein Wunder, dass ihn deshalb die Angst übermannte.
Dabei hätte er gar keine Angst verspüren müssen. Ganz im Gegenteil. Eigentlich wäre Dankbarkeit für das angebracht gewesen, was ihn da im Schlaf überrascht hatte. Denn wie es der glückliche Umstand oder das gütige Schicksal gerade wollten, war Dento von dem gefunden worden, nach dem er suchte. Das konnte doch nur ein gutes Omen sein.
Die Weisen seines Dorfes hatten Dento losgeschickt, um in den Bergen Murai-Durai, das legendäre Doppelwesen, aufzuspüren. Dabei wusste niemand, ob es diesen Murai-Durai tatsächlich gab, oder ob es nur eine uralte Legende war, die von ihm berichtete. Eine Legende, in die ihre Verfasser die Sehnsucht nach einem gerechten, übermenschlichen Wesen eingewoben hatte, das Bedrängten zur Hilfe eilte, sobald sie darum baten. Offensichtlich entsprach die Geschichte der Wahrheit. Und so, wie Murai-Durai besungen wurde, präsentierte er sich auch in der Realität. Dento erkannte ihn sofort.
Ein hölzern daherkommender riesiger Körper, der nur so vor Kraft strotzte. Darauf hockte eine grazile Gestalt. Sie wirkte sehr zerbrechlich, aber gleichzeitig umhüllte sie eine Aura von uraltem Wissen und großer Weisheit. Die perfekte Symbiose. Kraft und Intelligenz vereint in einem Wesen, das sich in den Dienst des Guten gestellt hatte. Das bereit war, der Gerechtigkeit Bahn zu brechen.
Dento kroch hinter dem Felsen vor, hinter dem er sein Nachtlager aufgeschlagen hatte, und gab sich Murai-Durai zu erkennen. „Ich grüße dich, weiser Herrscher der Berge“, machte er seine Aufwartung.
„Wer bist du denn?“, knurrte das hölzerne Untergestell wenig charmant zurück.
Dento haspelte alles herunter, was ihm seine Dorfältesten eingebläut hatten. Er berichtet von den furchtbaren Angriffen, denen sein Dorf ausgesetzt war, von der misslichen Lage, die die Attacken mit sich brachten und natürlich vergaß er nicht, zu erwähnen, dass ihnen bei dem ganzen Dilemma keine Schuld zukam. Denn die Rolle der Bösen spielten die Anderen.
Nachdem das geklärt war, schmierte er Murai-Durai gehörig Honig um den Bart. Lobhudelte dem Riesen und wäre wohl sogar vor ihm auf die Knie gefallen, wenn der steinige Boden ihn nicht davon abgehalten hätte.
Zu guter Letzt erbat er Hilfe für sin Dorf, um im selben Atemzug sofort zu betonen, dass der Riese für seine Unterstützung leider mit keinem großen Lohn rechnen durfte. So sehr lastete die Armut auf den Dörflern. Listig fügte er jedoch schnell hinzu. „Aber alle Welt kennt und lobt ja deine Selbstlosigkeit. Dir geht es um die gerechte Sache, niemals um die Anerkennung.“
Hier war Murai-Durai wohl anderer Meinung. „Ich soll euch für umsonst aus der Patsche helfen?“, wollte das Untergestell wissen. Und seine Frage klang nicht so, als wäre er darüber erfreut.
„Natürlich nicht“, beeilte sich Dento, den Riesen zu beschwichtigen. „Nur können wir dir keine Reichtümer versprechen!“ Dann fiel ihm etwas ein, das er bisher noch gar nicht erwähnt hatte. „Uns war es auch wichtig, jemanden um Hilfe zu bitten, der sowohl über Weisheit als auch über körperliche Stärke verfügt. Du verkörperst diese Symbiose auf ideale Weise. Die Kraft des Unterbaus gepaart mit der Weisheit des oberen Teils!“
Jetzt öffnete der Greis, der weit oben hockte das erste Mal den Mund. Er kicherte eine Weile vor sich hin, bevor er etwas sagte. „Nun mein Freund. An dieser Stelle muss ich dich korrigieren. Die Kombination ist eine andere. Murai-Durai speist sich aus dem Verstand Murais“. Er klopfte dem Untergestell auf das hölzerne Haupt. „Und den Körperkräften Durais.“ Jetzt streckte er einen seiner spindeldürren Arme nach vor. „Das macht uns so mächtig.“
Diese Erklärung ließ Dento den Unterkiefer herunterklappen. Eine solch verkehrte Welt hätte er niemals erwartet. Augenblicklich bückte er sich, sammelte seine sieben Sachen ein und lief so schnell er vermocht davon. Seine Flucht wurde von dem Gekicher des Greises und dem dröhnenden Gelächter der Holzkreatur befeuert.
NÄCHSTE GESCHICHTE >>>
Er blinzelte vorsichtig mit den Augen, konnte aber nichts erkennen. Um Genaueres sehen zu können, blieb ihm nichts Anderes übrig, als die Pupillen zu weiten und gleichzeitig den Schlaf aus seinem Inneren zu verbannen. Nur in hellwachem Zustand bestand wohl die Möglichkeit, dem Ursprung des Bebens und Vibrierens auf die Spur zu kommen.
Als er die Augen endlich aufgerissen hatte, verdunkelte sich allerdings sein Sichtfeld. Ein Schatten schob sich über ihn, begrub ihn unter sich wie ein schwerer schwarzer Umhang. Ja, er spürte die Last dieses düsteren Teppichs fast körperlich. Kein Wunder, dass ihn deshalb die Angst übermannte.
Dabei hätte er gar keine Angst verspüren müssen. Ganz im Gegenteil. Eigentlich wäre Dankbarkeit für das angebracht gewesen, was ihn da im Schlaf überrascht hatte. Denn wie es der glückliche Umstand oder das gütige Schicksal gerade wollten, war Dento von dem gefunden worden, nach dem er suchte. Das konnte doch nur ein gutes Omen sein.
Die Weisen seines Dorfes hatten Dento losgeschickt, um in den Bergen Murai-Durai, das legendäre Doppelwesen, aufzuspüren. Dabei wusste niemand, ob es diesen Murai-Durai tatsächlich gab, oder ob es nur eine uralte Legende war, die von ihm berichtete. Eine Legende, in die ihre Verfasser die Sehnsucht nach einem gerechten, übermenschlichen Wesen eingewoben hatte, das Bedrängten zur Hilfe eilte, sobald sie darum baten. Offensichtlich entsprach die Geschichte der Wahrheit. Und so, wie Murai-Durai besungen wurde, präsentierte er sich auch in der Realität. Dento erkannte ihn sofort.
Ein hölzern daherkommender riesiger Körper, der nur so vor Kraft strotzte. Darauf hockte eine grazile Gestalt. Sie wirkte sehr zerbrechlich, aber gleichzeitig umhüllte sie eine Aura von uraltem Wissen und großer Weisheit. Die perfekte Symbiose. Kraft und Intelligenz vereint in einem Wesen, das sich in den Dienst des Guten gestellt hatte. Das bereit war, der Gerechtigkeit Bahn zu brechen.
Dento kroch hinter dem Felsen vor, hinter dem er sein Nachtlager aufgeschlagen hatte, und gab sich Murai-Durai zu erkennen. „Ich grüße dich, weiser Herrscher der Berge“, machte er seine Aufwartung.
„Wer bist du denn?“, knurrte das hölzerne Untergestell wenig charmant zurück.
Dento haspelte alles herunter, was ihm seine Dorfältesten eingebläut hatten. Er berichtet von den furchtbaren Angriffen, denen sein Dorf ausgesetzt war, von der misslichen Lage, die die Attacken mit sich brachten und natürlich vergaß er nicht, zu erwähnen, dass ihnen bei dem ganzen Dilemma keine Schuld zukam. Denn die Rolle der Bösen spielten die Anderen.
Nachdem das geklärt war, schmierte er Murai-Durai gehörig Honig um den Bart. Lobhudelte dem Riesen und wäre wohl sogar vor ihm auf die Knie gefallen, wenn der steinige Boden ihn nicht davon abgehalten hätte.
Zu guter Letzt erbat er Hilfe für sin Dorf, um im selben Atemzug sofort zu betonen, dass der Riese für seine Unterstützung leider mit keinem großen Lohn rechnen durfte. So sehr lastete die Armut auf den Dörflern. Listig fügte er jedoch schnell hinzu. „Aber alle Welt kennt und lobt ja deine Selbstlosigkeit. Dir geht es um die gerechte Sache, niemals um die Anerkennung.“
Hier war Murai-Durai wohl anderer Meinung. „Ich soll euch für umsonst aus der Patsche helfen?“, wollte das Untergestell wissen. Und seine Frage klang nicht so, als wäre er darüber erfreut.
„Natürlich nicht“, beeilte sich Dento, den Riesen zu beschwichtigen. „Nur können wir dir keine Reichtümer versprechen!“ Dann fiel ihm etwas ein, das er bisher noch gar nicht erwähnt hatte. „Uns war es auch wichtig, jemanden um Hilfe zu bitten, der sowohl über Weisheit als auch über körperliche Stärke verfügt. Du verkörperst diese Symbiose auf ideale Weise. Die Kraft des Unterbaus gepaart mit der Weisheit des oberen Teils!“
Jetzt öffnete der Greis, der weit oben hockte das erste Mal den Mund. Er kicherte eine Weile vor sich hin, bevor er etwas sagte. „Nun mein Freund. An dieser Stelle muss ich dich korrigieren. Die Kombination ist eine andere. Murai-Durai speist sich aus dem Verstand Murais“. Er klopfte dem Untergestell auf das hölzerne Haupt. „Und den Körperkräften Durais.“ Jetzt streckte er einen seiner spindeldürren Arme nach vor. „Das macht uns so mächtig.“
Diese Erklärung ließ Dento den Unterkiefer herunterklappen. Eine solch verkehrte Welt hätte er niemals erwartet. Augenblicklich bückte er sich, sammelte seine sieben Sachen ein und lief so schnell er vermocht davon. Seine Flucht wurde von dem Gekicher des Greises und dem dröhnenden Gelächter der Holzkreatur befeuert.
NÄCHSTE GESCHICHTE >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Fantasy-Stories lesen?
Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.
Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.
Vielen Dank!
Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.
Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.
Vielen Dank!
