Takahontas* hatte diesen Traum schon oft durchlebt, wusste, welche Bilder gleich vor ihren inneren Augen ablaufen würden. Sie lief durch eine breite Schlucht, die links und rechts von Felswänden begrenzt wurde, wie sie sie vor dem Traum noch nie gesehen hatte. An den Wänden spiegelte sich das Sonnenlicht viele Hunderte Mal, als wären dort unzählige kleine Eisschollen eingelassen worden. Menschen kamen aus Höhlen hervor oder verschwanden darin, vor denen ebenfalls durchsichtige Eisschollen angebracht waren. Sie trugen seltsame Kleider. Am beängstigend empfand es Takahontas jedoch, wenn die Gebilde, die den Wigwams ihres Volkes ähnelten, neben ihr vorbeihuschten und dabei furchterregende Geräusche ausstießen. Niemand zog oder schob sie, trotzdem bewegten sie sich pfeilschnell vorwärts.
Takahontas wusste von den früheren Träumen her, dass sie gleich ein kreisrundes Fell aufspannen würde, um sich vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Danach fände ihr Traum sein Ende, was sie immer sehr erleichterte.
Doch darin irrte sie sich. Dieses Mal liefen die Bilder weiter. Sie sah, wie die Menschen, die sonst immer teilnahmslos an ihr vorüber hetzten, plötzlich in ihrem Lauf stockten. Alle wandten sich in dieselbe Richtung, starrten mit entsetzten oder fassungslosen Gesichtern nach oben. Ihre Hände zeigten auf etwas, das sich hoch über ihnen abzuspielen schien. Takahontas konnte nicht anders, als auch stehen zu bleiben. Sie drehte sich herum, folgte mit ihrem Blick den Gesten der aufgeregten Menge. Hinten in der Schlucht erkannte sie zwei nebeneinander stehende steinerne Nadeln, die alle anderen Felsen weit überragten. Auch sie funkelten im Sonnenlicht. Bald begriff Takahontas, was die Menschen so beunruhigte.
Ein riesiger glänzender Vogel strebte mit ausgestreckten Schwingen auf die Spitze der einen Felsnadel zu. Sein Anflug wurde von einem bösartigen Grollen untermalt, das in der Schlucht widerhallte. Takahontas vermutete, dass er auf dem Gipfel des Massivs landen würde, um von dort aus nach Beute spähen zu können. Doch er machte keine Anstalten, eine Rast einzulegen. Stattdessen stieß er mit seinem Schnabel gegen den Fels, drang in ihn ein, worauf die Menge in ein vielstimmiges Geschrei ausbrach. Ein Feuerball schoss aus dem Stein empor, kurz darauf wurde er von einer dichten Rauchwolke umhüllt. Takahontas wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, in der ein Teil der Menschen stumm vor sich hinstarrte, während der andere Teil laut diskutierte, als erneut ein Grollen aus der Höhe die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zog. Das eben Erlebte wiederholte sich bei der zweiten Felsnadel. Jetzt verdunkelte noch mehr Rauch die Sicht.
Gerne hätte Takahontas erfahren, was die Leute sich zuriefen, aber sie verstand ihre Sprache nicht. Bevor sie sich inmitten des Tumults, der um sie herum ausbrach, einen Reim auf das Geschehen machte konnte, wachte sie auf. Die Bilder, die eben noch in ihrem Kopf herumspukten, wurden von dem vertrauten Anblick ihrer Umgebung verdrängt. Sie befand sich im Wigwam, den sie zusammen mit ihren Eltern, den Großeltern und drei Geschwistern bewohnte. Von der Feuerstelle, die in der Mitte der Behausung in den Boden gegraben war, schlug ihr eine Hitze entgegen, die ihr plötzlich unerträglich erschien. Sie schälte sich aus ihren Decken und schlüpfte zum Wigwam hinaus. Draußen begann es hell zu werden. Ein Schneegestöber empfing sie, das schon die ganze Nacht angehalten haben musste, denn die Hütten im Dorf und die umliegenden Wälder waren von einer weißen Decken eingehüllt, die allem ein friedfertiges Antlitz verlieh, das im krassen Widerspruch zu ihrem Traum stand.
*) Takahontas lebte als Angehörige des Stammes der Massapequa vor der Kolonialisierung Nordamerikas im Gebiet der heutigen Metropole New York City.
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Takahontas wusste von den früheren Träumen her, dass sie gleich ein kreisrundes Fell aufspannen würde, um sich vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Danach fände ihr Traum sein Ende, was sie immer sehr erleichterte.
Doch darin irrte sie sich. Dieses Mal liefen die Bilder weiter. Sie sah, wie die Menschen, die sonst immer teilnahmslos an ihr vorüber hetzten, plötzlich in ihrem Lauf stockten. Alle wandten sich in dieselbe Richtung, starrten mit entsetzten oder fassungslosen Gesichtern nach oben. Ihre Hände zeigten auf etwas, das sich hoch über ihnen abzuspielen schien. Takahontas konnte nicht anders, als auch stehen zu bleiben. Sie drehte sich herum, folgte mit ihrem Blick den Gesten der aufgeregten Menge. Hinten in der Schlucht erkannte sie zwei nebeneinander stehende steinerne Nadeln, die alle anderen Felsen weit überragten. Auch sie funkelten im Sonnenlicht. Bald begriff Takahontas, was die Menschen so beunruhigte.
Ein riesiger glänzender Vogel strebte mit ausgestreckten Schwingen auf die Spitze der einen Felsnadel zu. Sein Anflug wurde von einem bösartigen Grollen untermalt, das in der Schlucht widerhallte. Takahontas vermutete, dass er auf dem Gipfel des Massivs landen würde, um von dort aus nach Beute spähen zu können. Doch er machte keine Anstalten, eine Rast einzulegen. Stattdessen stieß er mit seinem Schnabel gegen den Fels, drang in ihn ein, worauf die Menge in ein vielstimmiges Geschrei ausbrach. Ein Feuerball schoss aus dem Stein empor, kurz darauf wurde er von einer dichten Rauchwolke umhüllt. Takahontas wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, in der ein Teil der Menschen stumm vor sich hinstarrte, während der andere Teil laut diskutierte, als erneut ein Grollen aus der Höhe die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zog. Das eben Erlebte wiederholte sich bei der zweiten Felsnadel. Jetzt verdunkelte noch mehr Rauch die Sicht.
Gerne hätte Takahontas erfahren, was die Leute sich zuriefen, aber sie verstand ihre Sprache nicht. Bevor sie sich inmitten des Tumults, der um sie herum ausbrach, einen Reim auf das Geschehen machte konnte, wachte sie auf. Die Bilder, die eben noch in ihrem Kopf herumspukten, wurden von dem vertrauten Anblick ihrer Umgebung verdrängt. Sie befand sich im Wigwam, den sie zusammen mit ihren Eltern, den Großeltern und drei Geschwistern bewohnte. Von der Feuerstelle, die in der Mitte der Behausung in den Boden gegraben war, schlug ihr eine Hitze entgegen, die ihr plötzlich unerträglich erschien. Sie schälte sich aus ihren Decken und schlüpfte zum Wigwam hinaus. Draußen begann es hell zu werden. Ein Schneegestöber empfing sie, das schon die ganze Nacht angehalten haben musste, denn die Hütten im Dorf und die umliegenden Wälder waren von einer weißen Decken eingehüllt, die allem ein friedfertiges Antlitz verlieh, das im krassen Widerspruch zu ihrem Traum stand.
*) Takahontas lebte als Angehörige des Stammes der Massapequa vor der Kolonialisierung Nordamerikas im Gebiet der heutigen Metropole New York City.
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