Nachdem Faroma und Gwynthia ihre Angreifer mit Hilfe des von Gwynthia herbeigerufenen Heeres aufgerieben hatten, war der Weg zur Ragusa-Burg frei. Gerne hätten sie den vor dem mächtigen Gemäuer liegenden See nach dem erschöpfenden Kampf in einem Boot überquert, doch auf dem Gewässer zeigte sich keine Kähne. Offenbar war der Schlachtenlärm nicht bis ans andere Ufer gedrungen. Oder die Burgbesatzung wollte hinter den schützenden Mauern abwarten, was sich nach der Auseinandersetzung hier drüben tun würde.
Um an ihr Ziel zu gelangen, blieb den beiden Kriegerinnen also nichts Anderes übrig, als den See zu umrunden. Sie entschieden sich für den Weg am rechten Ufer entlang, da sie dort nur durch einen Hochwald mussten, während auf der anderen Seite ein zerklüftetes Felsmassiv aufragte.
Obwohl die Burg scheinbar zum Greifen nahelag, hatten sie noch nicht die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als die Dunkelheit hereinbrach. Sie beschlossen, sich ein Lager zu suchen. Zwischen den Bäumen entdeckten sie eine mannstiefe Kuhle, die genug Platz zum Schlafen für sie beide bot. Auf dem Grund der Bodensenke konnten sie auch ein kleines Feuer entfachen, dessen Flammen dort unten nicht gleich jeden anlocken würde, der sich um diese Zeit im Wald herumtrieb.
Schnell hatten sie genügend trockene Äste eingesammelt, mit denen sich die Wärmequelle bis zum Morgen befeuern ließ. Als sie endlich zur Ruhe gekommen waren, mussten sie nur noch ausknobeln, wer welche Wache übernahm. Das Los bestimmte Gwynthia dazu, die erste Nachthälfte die Augen offen und das Feuer am Lodern zu halten. Faroma wickelte sich in ihren Mantel und rutschte so dicht an die Flammen heran wie es die Hitze zuließ.
Da sich der Schlaf nach dem aufregenden Tag nicht sofort einstellen wollte, plauderten die beiden noch ein wenig. Ihre Unterhaltung streifte viele Themen. Wichtiges und Belangloses wechselten sich ab. Als das Gespräch nach einer Weile ins Stocken geriet, hielt Gwynthia die Zeit dafür gekommen, Faroma endlich darüber aufzuklären, wieso sie über die Macht verfügte, eine gut gewappnete Kämpferschar aus dem Nichts herbeizurufen.
Sorgsam legte sie sich die Worte zurecht, mit denen sie sich zu offenbaren gedachte. Doch in dem Moment, in dem sie anhub zu sprechen, vernahm sie von der anderen Seite des Feuers tiefe, langgezogene Atemzüge. Faroma war eingeschlafen.
Gwynthia bemühte sich, ein Gähnen zu unterdrücken. Sie streifte den Mantel, den sie um die Schultern gelegt hatte ab und griff nach ihrem Schwert. Leise erklomm sie den Rand der Senke. Um die Müdigkeit abzuschütteln, beschloss sie, den Wald in der Nähe des Lagers zu erkunden.
Sie befürchtete nicht, dass ihnen Verfolger auf der Spur waren, denn wenn es so wäre, hätten sie wahrscheinlich längst einen Angriff unternommen. Aber vielleicht gab es im Wald Bewohner, vor denen sie sich in Acht nehmen mussten?
Bevor sie einmal um ihren Rastplatz herumgeschlichen war, bemerkte sie, nur wenige Schritte von ihrem Standort entfernt, einen schwachen Schein zwischen den Baumstämmen. Erst hielt sie das trübe Leuchten für eine Sinnestäuschung, doch als sie kurz weg- und dann wieder hinschaute und das Licht immer noch glomm, wusste sie, dass ihr ihre Augen keinen Streich spielten.
Jetzt verflog jegliche Müdigkeit. In ihr erwachte die Kriegerin. Lautlos überwand sie die Strecke bis zur Quelle des Lichts, verbarg sich dort hinter einem Baum. Einen Steinwurf von ihr entfernt kniete ein bärtiger Kämpe auf einer kleinen Lichtung. Er stützte sich auf ein mächtiges Schwert. Auf seinem Rücken trug er einen Köcher voller Pfeile. Neben ihm lag ein Bogen im Laub. Das alles setzte Gwynthia nicht in Erstaunen.
Doch dass das Leuchten, dem sie gefolgt war, nicht von einem Feuer kam, sondern dem Körper des Fremden entsprang, ließ ihr die Kinnlade herabsinken. Ihre Überraschung wurde noch größer, als er ihr plötzlich zurief: „Du musst dich nicht vor mir verstecken, Gwynthia. Komm hinter dem Baum hervor und setzt dich zu mir!“
Widerstandslos folgte sie seiner Aufforderung. „Wir haben uns sehr lange nicht gesehen“, fuhr er fort. „Ich war sehr erstaunt, als du heute von mir verlangt hast, meine Schuld dir gegenüber zu begleichen. Ich hoffe, dass du mit meiner Hilfe dein Problem lösen konntest?“
Bevor Gwynthia darauf etwas erwidern konnte, zerriss ein Schrei die Nacht, der ihr das Blut in den Adern erstarren ließ.
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Um an ihr Ziel zu gelangen, blieb den beiden Kriegerinnen also nichts Anderes übrig, als den See zu umrunden. Sie entschieden sich für den Weg am rechten Ufer entlang, da sie dort nur durch einen Hochwald mussten, während auf der anderen Seite ein zerklüftetes Felsmassiv aufragte.
Obwohl die Burg scheinbar zum Greifen nahelag, hatten sie noch nicht die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als die Dunkelheit hereinbrach. Sie beschlossen, sich ein Lager zu suchen. Zwischen den Bäumen entdeckten sie eine mannstiefe Kuhle, die genug Platz zum Schlafen für sie beide bot. Auf dem Grund der Bodensenke konnten sie auch ein kleines Feuer entfachen, dessen Flammen dort unten nicht gleich jeden anlocken würde, der sich um diese Zeit im Wald herumtrieb.
Schnell hatten sie genügend trockene Äste eingesammelt, mit denen sich die Wärmequelle bis zum Morgen befeuern ließ. Als sie endlich zur Ruhe gekommen waren, mussten sie nur noch ausknobeln, wer welche Wache übernahm. Das Los bestimmte Gwynthia dazu, die erste Nachthälfte die Augen offen und das Feuer am Lodern zu halten. Faroma wickelte sich in ihren Mantel und rutschte so dicht an die Flammen heran wie es die Hitze zuließ.
Da sich der Schlaf nach dem aufregenden Tag nicht sofort einstellen wollte, plauderten die beiden noch ein wenig. Ihre Unterhaltung streifte viele Themen. Wichtiges und Belangloses wechselten sich ab. Als das Gespräch nach einer Weile ins Stocken geriet, hielt Gwynthia die Zeit dafür gekommen, Faroma endlich darüber aufzuklären, wieso sie über die Macht verfügte, eine gut gewappnete Kämpferschar aus dem Nichts herbeizurufen.
Sorgsam legte sie sich die Worte zurecht, mit denen sie sich zu offenbaren gedachte. Doch in dem Moment, in dem sie anhub zu sprechen, vernahm sie von der anderen Seite des Feuers tiefe, langgezogene Atemzüge. Faroma war eingeschlafen.
Gwynthia bemühte sich, ein Gähnen zu unterdrücken. Sie streifte den Mantel, den sie um die Schultern gelegt hatte ab und griff nach ihrem Schwert. Leise erklomm sie den Rand der Senke. Um die Müdigkeit abzuschütteln, beschloss sie, den Wald in der Nähe des Lagers zu erkunden.
Sie befürchtete nicht, dass ihnen Verfolger auf der Spur waren, denn wenn es so wäre, hätten sie wahrscheinlich längst einen Angriff unternommen. Aber vielleicht gab es im Wald Bewohner, vor denen sie sich in Acht nehmen mussten?
Bevor sie einmal um ihren Rastplatz herumgeschlichen war, bemerkte sie, nur wenige Schritte von ihrem Standort entfernt, einen schwachen Schein zwischen den Baumstämmen. Erst hielt sie das trübe Leuchten für eine Sinnestäuschung, doch als sie kurz weg- und dann wieder hinschaute und das Licht immer noch glomm, wusste sie, dass ihr ihre Augen keinen Streich spielten.
Jetzt verflog jegliche Müdigkeit. In ihr erwachte die Kriegerin. Lautlos überwand sie die Strecke bis zur Quelle des Lichts, verbarg sich dort hinter einem Baum. Einen Steinwurf von ihr entfernt kniete ein bärtiger Kämpe auf einer kleinen Lichtung. Er stützte sich auf ein mächtiges Schwert. Auf seinem Rücken trug er einen Köcher voller Pfeile. Neben ihm lag ein Bogen im Laub. Das alles setzte Gwynthia nicht in Erstaunen.
Doch dass das Leuchten, dem sie gefolgt war, nicht von einem Feuer kam, sondern dem Körper des Fremden entsprang, ließ ihr die Kinnlade herabsinken. Ihre Überraschung wurde noch größer, als er ihr plötzlich zurief: „Du musst dich nicht vor mir verstecken, Gwynthia. Komm hinter dem Baum hervor und setzt dich zu mir!“
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Bevor Gwynthia darauf etwas erwidern konnte, zerriss ein Schrei die Nacht, der ihr das Blut in den Adern erstarren ließ.
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