Nachdem Ramdur geheilt, aber dennoch geschwächt, zu seiner Mutter zurückgekehrt war, half die Flussdämonin Faroma und Gwynthia beim Übersetzen an das andere Ufer. „Erhofft euch jedoch keine weiteren Dankbarkeiten von mir“, rief sie den beiden Kriegerinnen nach, als diese dem Strom bereits den Rücken zugekehrt hatten. Weder Faroma noch Gwynthia waren so naiv, anzunehmen, dass der blutrünstigen Herrscherin der reißenden Fluten das Leben ihres Sohnes mehr als ein Gefallen wert sein könnte. Sollten sie ein weiteres Mal in deren Machtbereich gelangen, würden sie sich etwas einfallen lassen müssen, um dieser Zone heil zu entkommen.
Je näher die Gefährtinnen der Ragusa-Burg kamen, desto redseliger wurde Gwynthia, trotz des gerade überstandenen Abenteuers. Sie schwärmte von der Architektur der Wehranlage. Zeigte sich überzeugt davon, dass es keinem feindlichen Heer jemals gelingen würde, die Festung einzunehmen. Genauso begeistert lobte sie die herrlichen Parkanlagen, die die Burg umgaben. Generationen von Gartenkünstlern hätten dort grüne Oasen geschaffen, deren Idylle kein anderer Ort übertreffen konnte.
Faroma lauschte den Beschreibungen zunehmend verwundert. So überschwänglich hatte sie Gwynthia während ihres gemeinsamen Weges noch nie erlebt. „Wann werden wir dieses Paradies denn endlich erreichen?“, fragte sie deshalb, als Gwynthia mit glänzenden Augen gerade ansetzte, die Raffinessen der Wasserspiele in Worte zu fassen.
„Sobald wir die Bergkette da vorn überquert haben, kannst du dich davon überzeugen, dass alles, was ich gerade zu schildern versuche, der Wahrheit entspricht“, gab ihr Gwynthia zur Antwort.
Faroma spähte zu den Wipfeln der sich vor ihnen im Wind wiegenden Bäume empor. Tatsächlich erhoben sich über deren Kronen die Gipfel eines zerklüfteten Gebirgszuges.
Obwohl die Felsen zum Greifen nahe schienen, war die Sonne ein gehöriges Stück weiter nach Westen gewandert, bevor die beiden Kriegerinnen aus dem Wald heraustraten. Was sie dort zu sehen bekamen, trieb sie gleich wieder zurück in den Schutz der mächtigen Stämme.
Vor den Bergriegeln hatte ein gewaltiges Heer Stellung bezogen. Unzählige Krieger rückten in Formation vor. Dabei sah es nicht danach aus, dass sich die vorderen Reihen aufzulösen gedachten, um auf schmalen Pässen hintereinander darüber hinwegzukommen. Faroma und Gwynthia erschien es, als wollte die Armee mit ihrer schieren Masse die Berge einfach beiseitedrängen. Etwas Ähnliches geschah auch. Allerdings wichen die Felsen nicht zurück, sondern wurden hinweggeschmolzen. Rotglühende Feuerzungen loderten an den Bergflanken empor. Wo sie sich in das Gestein fraßen, verwandelte sich der Granit in Lavaströme, die einfach davon flossen.
„Das muss ich mir aus der Nähe anschauen“, entschied Gwynthia beim Anblick der verschwindenden Bergkette. Noch ehe Faroma sie von der absurden Idee abbringen konnte, murmelte Gwynthia einige unverständliche Worte und nahm die Gestalt eines Fuchses an. „So kann ich mich zwischen den Kriegern hindurchschlängeln“, erläuterte sie ihren Plan.
„Du bist verrückt“, wandte Faroma ein. „Der erste Bogenschütze, dem du über den Weg läufst, wird sich deinen Schwanz als Trophäe an seine Rüstung hängen.“
Gwynthia schnaubte daraufhin verächtlich: „Der Baum, aus dem jemand irgendwann den Pfeil und den Bogen schnitzt, die mich einmal umbringen werden, ist noch lange nicht gewachsen.“ Nach diesen Worten verschwand sie und ließ Faroma allein zurück.

NÄCHSTES KAPITEL >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Faroma-Stories lesen?

Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.

Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.

Vielen Dank

Mehr Faroma-Abenteuer
gibt's im Archiv!