Faroma sprang auf ihren leblos auf den Wellen treibenden Gegner. Vor einer Stunde hatte der Drachen noch im Todeskampf das Wasser des Sees aufgepeitscht. Doch jetzt schien seine Seele zu ihrem letzten Flug in die Unendlichkeit aufgebrochen zu sein.
Die Kriegerin riss ihren Speer aus der Brust des Drachens, reckte ihn hoch und wollte einen Triumphschrei ausstoßen. Da erblickte sie auf einem der beiden Felsen, die wie stumme Wächter aus dem See ragten, eine Gestalt. Statt ihr Siegesritual fortzusetzen, ging sie in Kampfstellung. Als sie jedoch erkannte, dass eine Frau auf dem Felsen stand, hielt Faroma mitten im Angriff inne.
Seit ihr von dem Schamanen, bei dem sie als Waisenmädchen aufwuchs, die Legende ihres Volkes erzählt worden war, wusste sie, dass der Drachen nicht nur ihren Stamm aus seinem Siedlungsland vertrieben hatte, sondern auch alle anderen lebenden Wesen. Woher kam da plötzlich die Frau?
Und als Faroma von den Anführern ihres Volkes losgeschickt wurde, um den Drachen zu töten, damit ihr Volk wieder in sein altes Gebiet zurückkehren konnte, erwähnte niemand diese Frau. War sie vielleicht nur ihrer Fantasie entsprungen?
„Bevor du mich mit deinem Speer durchbohrst, Mädchen“, unterbrach die Frau Faromas Überlegungen, „solltest du dir anhören, was ich dir zu sagen habe.“
„Sprich!“, forderte Faroma sie auf, froh darüber, keinem Hirngespinst aufgesessen zu sein.
„Du bist Faroma von den Aummas. Und du bist hergeschickt worden, um den Drachen zu töten, was er dich auch tun ließ.
Vermutlich bist du als Waisenkind aufgewachsen und zur Kriegerin erzogen worden. Und du wirst den Teil der Drachenlegende kennen, der in eurem Volk erzählt wird. Den anderen Teil hörst du jetzt von mir:
Die Aummas und der Drachen lebten viele Jahre friedlich miteinander. Erst als der Drachen sich in ein Aumma-Mädchen verliebte und sie ihm ein Kind gebar, kam es zum Krieg. Nach furchtbaren Kämpfen schlossen dein Volk, der Drachen und ich einen Pakt: Wir übergaben ihnen unsere Tochter und sie verließen dafür ihr Land.
Du bist dieses Kind!“
„Du lügst!“, schrie Faroma und schleuderte den Speer nach der Frau.
„Es ist die Wahrheit“, keuchte die Frau, die vom Speer durchbohrt auf die Knie sank. „Nur wer Drachenblut in seinen Adern hat, kann einen Drachen töten.“
Danach nahm sie die Gestalt eines Drachen an und stürzte sterbend vom Felsen.

NÄCHSTES KAPITEL >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Faroma-Stories lesen?

Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.

Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.

Vielen Dank

Mehr Faroma-Abenteuer
gibt's im Archiv!