Gwynthia war es tatsächlich gelungen, in ihrer angenommenen Fuchsgestalt bis an die Spitze des Heeres vorzudringen. Dort konnte sie mit eigenen Augen ansehen, wie sich das Gestein verflüssigte und aus den Worten, die sich die Krieger zuwarfen, erfuhr sie auch ein Wenig von dem, was sich hier abspielte. Mit ihrem eigenen Wissen vermochte sie einen Großteil der Erkenntnislücke zu schließen, die die Erklärungen der Kämpfer offenließen.
„Da vorn scheinen zwei mächtige Magien aufeinander zutreffen“, erklärte sie jetzt Faroma, die auf dem Felsvorsprung geblieben war, und in der noch immer der Unmut darüber brodelte, dass Gwynthia sich so leichtsinnig in Gefahr begeben hatte. „Die Ragusa-Druiden haben aus dem Wasser des Sees, zum Schutz ihrer Festung, ein mächtiges Gebirge erschaffen, das die Zauberer der Angreifer jetzt mit ihren Feuerkräften zerschmelzen lassen. Bald wird es so weit sein, dass sich die beiden Heere gegenüberstehen, denn ich glaube nicht, dass sich die Ragusa in ihrer Festung verstecken werden.“
„Diese Schlacht geht uns nichts an“, meinte Faroma.
„Nun ja“, wandte Gwynthia ein. „Immerhin schulden wir den Ragusa einen kleinen Dank für die Pferde …“
„Die haben wir gestohlen“, fiel ihr Faroma ins Wort. „Wenn, dann sollten wir gegen die Ragusa fechten. Unterliegen sie ihren Feinden, kann uns niemand mehr bestrafen.“
Eine Weile beharrten beide auf ihren Meinungen, doch dann ließ sich Faroma davon überzeugen, auf der Seite der Ragusa in den Kampf einzugreifen. „Vielleicht kannst du ja deine tausend Ritter überreden, noch einmal mit uns in die Schlacht zu ziehen“, wollte sie abschließend von Gwynthia wissen.
„Vielleicht“, erhielt sie zur Antwort.
Die Magie, durch die die Felsen verflüssigt wurden, schien mit jedem geschmolzenen Gesteinsbrocken an Kraft zu gewinnen. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis von der Gebirgsbarriere nur noch ein Lavasee übrigbleiben würde. Als abzusehen war, dass die Angreifer ihr erstes Ziel bald erreicht hatten, drängte Gwynthia zum Aufbruch. Sie wollte
zurück zur Spitze des Heeres, um von dort irgendwie zu den Reihen der Ragusa zu gelangen.
Da die Kriegerhorde ein zusammengewürfelter Haufen von Söldnern aus aller Herren Länder war, erübrigte es sich, wieder in die Gestalt eines Tieres zu schlüpfen. Zwei hochgerüstete Kämpferinnen, die zur Front strebten, fielen in diesem Wirrwarr nicht auf.
Vorn angekommen raunte Gwynthia Faroma ihren Plan zu: „Ich werde uns mit einem Hitzeschild umhüllen, der es uns erlaubt, die Lava zu überwinden. Ist sie noch flüssig, müssen wir schwimmen. Ansonsten können wir vielleicht auch auf ihr entlanglaufen.“
Den wilden Gestalten, die am Rand der glühenden und brodelnden Masse darauf lauerten, endlich mit dem Kampf beginnen zu können, riefen sie zu, dass sie nicht länger mit dem Angriff warten wollten, weil ihnen das Recht zustand, als erste ihre Schwerter in die Leiber der Ragusa zu rammen. Unbeirrt, alle Warnungen in den Wind schlagend, tauchten sie in die roten Lavafluten. Kurz befiel Faroma die Vorahnung, dass der See nach dem bevorstehenden Gemetzel mit einem ganz anderen roten Saft gefüllt sein würde. Hinter ihr gellten die Todesschreie der Söldner, die dem Irrtum verfallen waren, das heiße Magna ebenfalls durchqueren zu können.

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