Faroma zwängte sich unter der Wurzel hervor und hielt den Druiden zurück, als er in das Versteck kriechen wollte. „Sie ist verschwunden.“
Mit einem traurigen Blick umfasste er ihre Schultern. „Du wirst sie suchen. Doch dabei kann ich dich nicht begleiten. Denn mein Volk braucht mich bei der Verteidigung unseres Landes.“ Bevor er davoneilte, nestelte er aus der Tasche seiner Kutte ein Häufchen Sand und ließ es in ihre Hand rieseln. „Wenn du Hilfe brauchst, dann wirf den Elfenstaub in die Höhe und vertraue dem, was danach geschehen wird.“ Mit diesen Worten machte er kehrt und verschwand vor Faromas Augen. Seine Gestalt zerfloss bis nur noch ein Windhauch davon kündete, dass er eben noch vor ihr gestanden hatte.
Keine drei Herzschläge später veränderte sich plötzlich die Umgebung. Der sommerliche Wald verlor seine Farben. Eine unsichtbare Hand tünchte ihn in ein lebloses Grau und die laue Luft erstarrte in frostiger Kälte. Schnee bedeckte den Boden. Faroma dachte daran, dass eine Stunde Fußmarsch entfernt Felsformationen in glühender Hitze zu Lavaströmen zerschmolzen, die alles Leben unter sich erstickten. Wollten die Magier der Ragusa mit diesem eisigen Umschwung die Feuer ihrer Feinde verlöschen? Nur kurz verweilte sie bei dieser Frage, dann fanden ihre Gedanken zurück zu Gwynthia, die schwerverletzt hier herumirren musste und ihrer Hilfe bedurfte.
Sie machte sich auf die Suche. Dabei erkannte sie hoffnungsvoll, wie der überraschend hereingebrochene Winter ihr nutzte, denn im Schnee zeichneten sich deutlich die Spuren der Waldbewohner ab. Hatte sie das dem Druiden zu verdanken? Als sie jedoch bis zum Sonnenuntergang keine Wolfsfährten entdecken konnte, verließ sie der Mut.
Wie sollte sie Gwynthia jemals finden? Da fiel ihr der Elfenstaub ein. Vielleicht vermochte sie damit, ihr Ziel zu erreichen? Sie krümelte ihn sich auf die Handfläche und blies ihn hoch in die Luft. Beim Herabrieseln formierten sich die feinen Körner zu einer Gestalt, die zum Leben erwachte, als die Kontur vollendet war.
„Ich stehe dir zu Diensten, Drachentochter“, verkündete ihr neuer Verbündeter. „Doch ich werde dir nur einmal helfen können. Erwäge also genau, wofür du mich um Hilfe bitten wirst.“
Nachdem ihr Staunen über das unerwartete Angebot abgeklungen war, lagen ihr die Worte des Wunsches schon auf der Zunge und sie hätte nur den Mund öffnen müssen, um sie auszusprechen. Doch dann sah sie, wie der Elf ihr einen aufgerichteten Daumen zeigte, womit er wohl erneut darauf hinweisen wollte, dass ihr nur eine zu gewährende Bitte zu stand, die sie sich deshalb gut überlegen sollte. Sie nickte und schwieg.
Schnell brach die Dämmerung herein und sie schlugen ein Nachtlager auf. Faroma hätte zwar gern auf den Schlaf verzichtet, aber ihr wurde bewusst, dass ein nächtliches Weitersuchen sinnlos wäre. Als ihr Feuer fast heruntergebrannt war, erklang in der Ferne ein mehrstimmiges Geheul. Ein Wolfrudel begann seine Jagd. Kurze Zeit später umzingelten leuchtend gelbe Augenpaare, in denen sich die Flammen widerspiegelten, ihren Rastplatz.
Der Kreis, den die hungrigen Tiere um sie zogen, verengte sich immer mehr. Als das Rudel seine Beute eingeschlossen hatte, traten zwei prächtige weiße Wölfe aus der Dunkelheit heraus in den Feuerschein und bedachten Faroma und den Elf mit abschätzenden Blicken. Eines der Leittiere erwies sich zweifellos als Gwynthia und Faroma packte das Entsetzen, dass ihre Gefährtin von den Pfeilen nicht getötet worden war, sondern dass sie ihr die Fähigkeit geraubt hatten, sich wieder in eine Kriegerin zu verwandeln.
Bevor der Kampf ausbrach, schrie Faroma dem Elf zu: „Gib mir Gwynthia zurück!“

NÄCHSTES KAPITEL >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Faroma-Stories lesen?

Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.

Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.

Vielen Dank

Mehr Faroma-Abenteuer
gibt's im Archiv!