Obwohl die Bestie in einem übermächtigen Körper steckte und über ebensolche Kräfte zu verfügen schien, hatte sie gegen die drei erfahrenen Kämpfer keine Chance. Faromas und Gwynthias Schwerter vereint mit den Fähigkeiten des Wolfsfürsten streckten das Untier nieder. Doch auch zu dritt mussten sie all ihr Können einsetzen, um diesen Kontrahenten zu bezwingen. Bei dem Tumult ging das wenige Mobiliar im einzigen Raum der Hütte zu Bruch.
Faroma und Gwynthia wollten nach dem mühsam errungenen Sieg den getöteten gehörnten Wolf in Augenschein nehmen, aber das gelang ihnen nicht, denn mit jedem Tropfen Blut, der aus den Wunden des Gegners floss, verblasste dessen Körper zusehends. Als der Fluss des roten Lebenssaftes zum Erliegen kam, war das Untier verschwunden.
Der Wolfsfürst nahm wieder seine menschliche Gestalt an. „Warum habt ihr solange gezögert, ihn mit euren Schwertern zu bekämpfen?“
„Du hast uns davor gewarnt, deinesgleichen zu töten“, erinnerte Gwynthia ihn an die Worte, die er ihnen bei ihrer letzten Begegnung mit auf den Weg gegeben hatte.
„Ich sprach von Wölfen, nicht von solchen Bestien, die in zusammengestückelte Körper schlüpfen, um ihr Unwesen treiben zu können“, klärte der Wolfsfürst sie daraufhin auf. „Aber ich bin trotzdem froh darüber, dass ihr gewillt seid, euch an meine Weisung zu halten. Doch nun nehmt das Kind und bringt es zu den Ragusa!“
„Wir setzen es nur unnötiger Gefahr aus, wenn wir es an dem feindlichen Heer vorbeischmuggeln müssen“, gab Faroma zu bedenken. „Wäre es nicht besser, du nimmst dich seiner an?“
„Es gibt kein feindliches Heer mehr“, sagte der Wolfsfürst und erntete dafür erstaunte Blicke. „In dem Moment, in dem die Bestie sich aufgelöst hat, ist auch der Gegner vor der Ragusa-Feste verschwunden. Es gab keine Schlacht. Es wurde nur ein einziger Kampf ausgefochten. Und zwar der unsere gegen das Untier.“
Hätte ein Anderer diese Geschichte zum Besten gegeben, wären die beiden Kriegerinnen vielleicht in Gelächter ausgebrochen. Aber da sie wussten, dass der Wolfsfürst keinen Scherz mit ihnen trieb, schenkten sie seinen Worten Glauben.
Bevor eine von ihnen eine Frage stellen konnte, fuhr er fort: „Geht zu den Ragusa! Dort werdet ihr mehr erfahren.“ Ohne Ankündigung wechselte er wieder in die Gestalt des weißen Wolfes und huschte aus der Tür hinaus.
Draußen vollzog sich ebenfalls ein Wechsel. Die Finsternis, von der der sonnige Morgen überraschend verdrängt worden war, verschwand genauso wie der Lärm, den die zwei sich zur Schlacht gegenüberstehende Heere verursacht hatten. Von den eben erlebten Geschehnissen blieb nur die Hütte, das Mädchen und dessen von der Bestie gemeuchelten Eltern.
Faroma wollte dem Kind die Hand vor die Augen halten, als sie es aus der Hütte führte, doch die Kleine ließ es nicht zu. Sie verabschiedete sich mit gesenktem Kopf von Vater und Mutter. Dann griff sie nach einem brennenden Holzscheit, der noch in der offenen Feuerstelle loderte und warf ihn, nachdem sie mit den beiden Kriegerinnen ins Freie getreten war, zurück in die Hütte.
Augenblicklich schossen Flammen in die Höhe. Sie verzehrten die Behausung in Sekundenschnelle. Dunkle Rauchwolken stiegen empor. Als das Feuer fast heruntergebrannt war, riss sich das Mädchen von Faromas Hand los und sprang in die Glut, in der es sich, ohne Schmerzensschreie auszustoßen, auflöste. Das Feuer fiel in sich zusammen und erlosch. Es hinterließ nichts. Kein Aschehaufen, keine Glut, nicht einmal eine schwache Rauchsäule blieben zurück. In der Luft lag auch kein Brandgeruch.
Faroma schaute ungläubig zu Gwynthia. „Die Ragusa werden uns einiges erklären müssen!“
Es war fast Abend als sie in der Ragusa-Burg ankamen. Vor den Toren der Feste erinnerte nichts mehr an die Belagerung. Das feindliche Heer musste sich, samt seinen Hinterlassenschaften, scheinbar in Luft aufgelöst haben. Auch die Ragusa-Krieger hatten sich mittlerweile zerstreut. Nur in der Stadt, die sich unterhalb der Burg erstreckte, marschierten noch vereinzelte Truppenteile durch die Straßen.
Von den Bewohnern wurden die beiden Kriegerinnen kaum beachtet. Zu sehr hatte die sich wohl an den Anblick von Bewaffneten gewöhnt. Umso überraschter waren Faroma und Gwynthia, als sie einen Kuttenträger auf sich zueilen sahen. Für Gwynthia war er ein Fremder, doch Faroma erkannte in ihm bald den Druiden, den sie vor einigen Tagen dazu überreden konnte, ihr zu ihrem Versteck zu folgen, in dem Gwynthia, von Pfeilen gespickt, dahinsiechte.
„Du scheinst deine Gefährtin wiedergefunden zu haben“, stellte der Kuttenträger fest, als er Gwynthia gemustert hatte. „Hoffentlich vermochte meine kleine Gabe dir dabei helfen?“
Faroma sank vor ihm auf die Knie. „Ohne dich wäre sie für immer verloren gewesen. Dafür gebührt dir mein ewiger Dank.“
„Und der meine auch“, schloss sich Gwynthia Faromas Ehrerbietung an. Aus den Berichten der Gefährtin, die diese ihr von der Zeit ihres Verschwindens gegeben hatte, erahnte sie wohl, um wen es sich bei dem Druiden handelte.
„Es ist meine Berufung, Leidenden zu helfen“, sagte der Mann. „Doch jetzt erspart euch weitere Dankesworte. Unser König schickt mich. Er will euch sehen. Und es scheint mir, dass er und wir, das ganze Volk der Ragusa, euch beiden ebenfalls zu Dank verpflichtet sind.“
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Faroma und Gwynthia wollten nach dem mühsam errungenen Sieg den getöteten gehörnten Wolf in Augenschein nehmen, aber das gelang ihnen nicht, denn mit jedem Tropfen Blut, der aus den Wunden des Gegners floss, verblasste dessen Körper zusehends. Als der Fluss des roten Lebenssaftes zum Erliegen kam, war das Untier verschwunden.
Der Wolfsfürst nahm wieder seine menschliche Gestalt an. „Warum habt ihr solange gezögert, ihn mit euren Schwertern zu bekämpfen?“
„Du hast uns davor gewarnt, deinesgleichen zu töten“, erinnerte Gwynthia ihn an die Worte, die er ihnen bei ihrer letzten Begegnung mit auf den Weg gegeben hatte.
„Ich sprach von Wölfen, nicht von solchen Bestien, die in zusammengestückelte Körper schlüpfen, um ihr Unwesen treiben zu können“, klärte der Wolfsfürst sie daraufhin auf. „Aber ich bin trotzdem froh darüber, dass ihr gewillt seid, euch an meine Weisung zu halten. Doch nun nehmt das Kind und bringt es zu den Ragusa!“
„Wir setzen es nur unnötiger Gefahr aus, wenn wir es an dem feindlichen Heer vorbeischmuggeln müssen“, gab Faroma zu bedenken. „Wäre es nicht besser, du nimmst dich seiner an?“
„Es gibt kein feindliches Heer mehr“, sagte der Wolfsfürst und erntete dafür erstaunte Blicke. „In dem Moment, in dem die Bestie sich aufgelöst hat, ist auch der Gegner vor der Ragusa-Feste verschwunden. Es gab keine Schlacht. Es wurde nur ein einziger Kampf ausgefochten. Und zwar der unsere gegen das Untier.“
Hätte ein Anderer diese Geschichte zum Besten gegeben, wären die beiden Kriegerinnen vielleicht in Gelächter ausgebrochen. Aber da sie wussten, dass der Wolfsfürst keinen Scherz mit ihnen trieb, schenkten sie seinen Worten Glauben.
Bevor eine von ihnen eine Frage stellen konnte, fuhr er fort: „Geht zu den Ragusa! Dort werdet ihr mehr erfahren.“ Ohne Ankündigung wechselte er wieder in die Gestalt des weißen Wolfes und huschte aus der Tür hinaus.
Draußen vollzog sich ebenfalls ein Wechsel. Die Finsternis, von der der sonnige Morgen überraschend verdrängt worden war, verschwand genauso wie der Lärm, den die zwei sich zur Schlacht gegenüberstehende Heere verursacht hatten. Von den eben erlebten Geschehnissen blieb nur die Hütte, das Mädchen und dessen von der Bestie gemeuchelten Eltern.
Faroma wollte dem Kind die Hand vor die Augen halten, als sie es aus der Hütte führte, doch die Kleine ließ es nicht zu. Sie verabschiedete sich mit gesenktem Kopf von Vater und Mutter. Dann griff sie nach einem brennenden Holzscheit, der noch in der offenen Feuerstelle loderte und warf ihn, nachdem sie mit den beiden Kriegerinnen ins Freie getreten war, zurück in die Hütte.
Augenblicklich schossen Flammen in die Höhe. Sie verzehrten die Behausung in Sekundenschnelle. Dunkle Rauchwolken stiegen empor. Als das Feuer fast heruntergebrannt war, riss sich das Mädchen von Faromas Hand los und sprang in die Glut, in der es sich, ohne Schmerzensschreie auszustoßen, auflöste. Das Feuer fiel in sich zusammen und erlosch. Es hinterließ nichts. Kein Aschehaufen, keine Glut, nicht einmal eine schwache Rauchsäule blieben zurück. In der Luft lag auch kein Brandgeruch.
Faroma schaute ungläubig zu Gwynthia. „Die Ragusa werden uns einiges erklären müssen!“
Es war fast Abend als sie in der Ragusa-Burg ankamen. Vor den Toren der Feste erinnerte nichts mehr an die Belagerung. Das feindliche Heer musste sich, samt seinen Hinterlassenschaften, scheinbar in Luft aufgelöst haben. Auch die Ragusa-Krieger hatten sich mittlerweile zerstreut. Nur in der Stadt, die sich unterhalb der Burg erstreckte, marschierten noch vereinzelte Truppenteile durch die Straßen.
Von den Bewohnern wurden die beiden Kriegerinnen kaum beachtet. Zu sehr hatte die sich wohl an den Anblick von Bewaffneten gewöhnt. Umso überraschter waren Faroma und Gwynthia, als sie einen Kuttenträger auf sich zueilen sahen. Für Gwynthia war er ein Fremder, doch Faroma erkannte in ihm bald den Druiden, den sie vor einigen Tagen dazu überreden konnte, ihr zu ihrem Versteck zu folgen, in dem Gwynthia, von Pfeilen gespickt, dahinsiechte.
„Du scheinst deine Gefährtin wiedergefunden zu haben“, stellte der Kuttenträger fest, als er Gwynthia gemustert hatte. „Hoffentlich vermochte meine kleine Gabe dir dabei helfen?“
Faroma sank vor ihm auf die Knie. „Ohne dich wäre sie für immer verloren gewesen. Dafür gebührt dir mein ewiger Dank.“
„Und der meine auch“, schloss sich Gwynthia Faromas Ehrerbietung an. Aus den Berichten der Gefährtin, die diese ihr von der Zeit ihres Verschwindens gegeben hatte, erahnte sie wohl, um wen es sich bei dem Druiden handelte.
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