Bevor Faroma ihr Pferd vom Ufer weglenkte, warf sie einen letzten Blick auf den Wasserfall. Zwischen den vor ihm aufragenden zwei Felsen wölbten sich zwei flache Inseln aus dem Wasser empor. Für jeden zufällig Vorbeikommenden sah es so aus, als würden die Wellen dort zwei steinerne Gebilde umspülen. Doch sie wusste es besser, sie wusste, was dort in den Fluten ruhte.
Faroma drückte ihre Hacken in die Flanken des Pferdes und galoppierte davon. Jetzt fiel ihr wieder auf, wie still es in diesem Wald war. Kein Vogelgezwitscher. Keine zwischen den Stämmen hindurchhuschenden Tiere. Außer den mächtigen Bäumen schien es hier nichts Lebendiges zu geben.
Als sie einen halsbrecherischen Pfad entlang ritt, der rechterhand von einer Steilwand begrenzt wurde und dessen Ränder linkerhand ins Bodenlose stürzten, begann ihr Pferd aufgeregt mit den Ohren zu spielen. Zwei Lidschläge später erkannte auch Faroma, was ihr treues Reittier so unruhig werden ließ. Aus der Schlucht wuchs plötzlich ein seltsames Gebilde empor. Ein grünbewachsenes muskelbepacktes Wesen, auf dessen Stirn sich eine Spirale wand und dessen Kopf mit einem hölzernen Geweih bewehrt war, reckte sich neben ihr in die Höhe. Ihr Pferd galoppierte davon. Zum Glück mündete der Pfad nach wenigen Schritten in einem weitläufigen Plateau. Hier brachte sie das Tier zum Stehen.
Das Wesen schien sie mit der Spirale, die wohl sein Augen ersetzte, zu mustern. Mit gurgelnder Stimme, die dem Donner eines nahenden Gewitters glich, forderte es Faroma zum Halt auf. „Ich habe mit dir zu reden, Aumma-Kriegerin.“
Wer reden will, tut das vielleicht in friedlicher Absicht, machte sich Faroma Hoffnung. Im Stillen hatte sie sich schon, samt ihres Pferdes, von der Faust des Unholdes zermalmt gesehen.
„Du hast den Drachen getötet und damit dieses Land von einer Heimsuchung befreit. Aber du hast damit auch eine schwere Schuld auf dich geladen“, orakelte das Wesen. „Es hätte eine andere Möglichkeit gegeben, den Fluch zu beenden. Warum hast du dich nicht dafür entschieden?“
„Der Drachen hat unser Land gestohlen. Nur durch seinen Tod können wir es uns zurückholen. Ich habe nichts falsch gemacht!“, erwiderte Faroma trotzig.
„Weißt du wer der Drachen war?“
„Ja. Unsere Legenden berichten davon.“
„Eure Legenden sind nur die halbe Wahrheit“, wies das Wesen sie zurecht. „Von der Drachenfrau hast du die andere Hälfte erfahren. Weil sie dir diese Hälfte aber zu spät offenbart hat, werde ich dich weiterziehen lassen. Du sollst die Möglichkeit bekommen, deinen Fehler wieder gut zu machen. Nutze sie! Denn wenn wir uns wiedersehen, wird dein Leben davon abhängen, ob du das Richtige getan hast. Und nun folge dem Pfad in der Schlucht!“ Er umschloss Reiterin und Pferd mit seinen riesigen Pranken und setzte sie tief unten zu seinen Füßen ab.
NÄCHSTES KAPITEL >>>
Faroma drückte ihre Hacken in die Flanken des Pferdes und galoppierte davon. Jetzt fiel ihr wieder auf, wie still es in diesem Wald war. Kein Vogelgezwitscher. Keine zwischen den Stämmen hindurchhuschenden Tiere. Außer den mächtigen Bäumen schien es hier nichts Lebendiges zu geben.
Als sie einen halsbrecherischen Pfad entlang ritt, der rechterhand von einer Steilwand begrenzt wurde und dessen Ränder linkerhand ins Bodenlose stürzten, begann ihr Pferd aufgeregt mit den Ohren zu spielen. Zwei Lidschläge später erkannte auch Faroma, was ihr treues Reittier so unruhig werden ließ. Aus der Schlucht wuchs plötzlich ein seltsames Gebilde empor. Ein grünbewachsenes muskelbepacktes Wesen, auf dessen Stirn sich eine Spirale wand und dessen Kopf mit einem hölzernen Geweih bewehrt war, reckte sich neben ihr in die Höhe. Ihr Pferd galoppierte davon. Zum Glück mündete der Pfad nach wenigen Schritten in einem weitläufigen Plateau. Hier brachte sie das Tier zum Stehen.
Das Wesen schien sie mit der Spirale, die wohl sein Augen ersetzte, zu mustern. Mit gurgelnder Stimme, die dem Donner eines nahenden Gewitters glich, forderte es Faroma zum Halt auf. „Ich habe mit dir zu reden, Aumma-Kriegerin.“
Wer reden will, tut das vielleicht in friedlicher Absicht, machte sich Faroma Hoffnung. Im Stillen hatte sie sich schon, samt ihres Pferdes, von der Faust des Unholdes zermalmt gesehen.
„Du hast den Drachen getötet und damit dieses Land von einer Heimsuchung befreit. Aber du hast damit auch eine schwere Schuld auf dich geladen“, orakelte das Wesen. „Es hätte eine andere Möglichkeit gegeben, den Fluch zu beenden. Warum hast du dich nicht dafür entschieden?“
„Der Drachen hat unser Land gestohlen. Nur durch seinen Tod können wir es uns zurückholen. Ich habe nichts falsch gemacht!“, erwiderte Faroma trotzig.
„Weißt du wer der Drachen war?“
„Ja. Unsere Legenden berichten davon.“
„Eure Legenden sind nur die halbe Wahrheit“, wies das Wesen sie zurecht. „Von der Drachenfrau hast du die andere Hälfte erfahren. Weil sie dir diese Hälfte aber zu spät offenbart hat, werde ich dich weiterziehen lassen. Du sollst die Möglichkeit bekommen, deinen Fehler wieder gut zu machen. Nutze sie! Denn wenn wir uns wiedersehen, wird dein Leben davon abhängen, ob du das Richtige getan hast. Und nun folge dem Pfad in der Schlucht!“ Er umschloss Reiterin und Pferd mit seinen riesigen Pranken und setzte sie tief unten zu seinen Füßen ab.
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