Faroma und Gwynthia umkreisten das über ihr weiteres Schicksal machtbesitzende Bauwerk. Jedes Tor, das die Architekten kunstvoll in das steinerne Ensemble integriert hatten, nahmen sie genauestens, von der Hoffnung getrieben, wenigstens einen kleinen Hinweis zu entdecken, der sie in ihrer Wahl des richtigen Portals bestärken konnte, in Augenschein.
Als sie nach ihrem Rundgang wieder aufeinandertrafen, zuckte Gwynthia resigniert mit den Schultern. „Mir ist nichts aufgefallen.“
Auch Faroma war unverrichteter Dinge zurückgekehrt. „Falls es tatsächlich ein Zeichen gibt, ist es so gut versteckt, dass es einem Sterblichen wohl nie gelingen wird, es zu deuten. Wir müssen unsere Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen. Es gibt keine andere Möglichkeit.“
„Jede von uns sollte das Portal durchschreiten, das sie für das richtige hält“, schlug Gwynthia vor. „Wenn es verschiedene sind, wird es uns in der Welt dahinter schon gelingen, wieder aufeinanderzutreffen.“
„Niemals!“, protestierte Faroma. „Eine weitere Trennung werde ich nicht zulassen. Eher schließe ich mich deiner Entscheidung an, auch wenn ich eine andere getroffen habe. Noch einmal begebe ich mich nicht auf die Suche nach dir, ohne zu wissen, ob ich dich wirklich jemals wiederfinden kann.“
„Nun denn“, stimmte Gwynthia dieser rigorosen Forderung zu, obwohl es ihr anzusehen war, dass sie sie keinesfalls für klug hielt. „Lass uns bis drei zählen und anschließend auf das Portal zeigen, das uns als das richtige erscheint. Sollten wir unterschiedliche Ziele ausgesucht haben und du immer noch der Meinung sein wirst, mir trotzdem folgen zu wollen, dann tue das. Eins. Zwei. Drei.“
Ihre rechten Arme schossen vor und wiesen auf die von ihnen favorisierten Portale bzw. auf ein und dasselbe. Faroma fiel Gwynthia um den Hals. „Das Schicksal ist uns hold!“, jubilierte sie „Es muss das richtige Tor sein! Beide können wir nicht irren!“
„Gleich werden wir wissen, ob es tatsächlich so ist“, dämpfte Gwynthia die Euphorie ihrer Gefährtin. Sie löste sich aus Faromas Umarmung und schritt beherzt auf die Stufen zu, die zu dem Portal hinaufführten. Faroma war dicht hinter ihr. Oben angekommen, fassten sie sich bei den Händen. „Eins. Zwei. Drei.“, zählte Gwynthia erneut, dann verließen sie gemeinsam, mit vorgebeugten Oberkörpern den Ragusa-Palast in Richtung einer ungewissen Zukunft.
Schon als ihre Gesichter mit den weit aufgerissenen Augen durch die Portalmembran stießen, wurde ihnen klar, dass sie sich für das falsche Tor entschieden hatten. Der Griff ihrer Hände lockerte sich bis sie sich voneinander lösten und stattdessen ihre Schwerter umklammerten, um sie aus den Scheiden zu ziehen. Bei dem, was sie erblickten, schien es ihnen geboten zu sein, es mit entblößten Klingen zu empfangen.
Sie mussten sich in derselben Gegend befinden, in der sie nach dem Auftauchen des Kometen auf die Holzhütte gestoßen waren. Und wieder schien es ihnen so, als würde diese oder zumindest eine ähnliche Hütte plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen. Dieses Mal stand sie jedoch nicht einfach da, sondern wurde herangeschleppt.
„Beeilt euch ihr Nichtnutze“, vernahmen Faroma und Gwynthia eine wütende Stimme. „Die beiden Weiber müssen gleich eintreffen. Die Behausung muss an Ort und Stelle stehen, bevor sie das Portal durchschritten haben. Ihre Neugier wird sie dann in das Innere treiben. Und wenn sie erst drin sind, sitzen sie in unserer Falle. Dann können wir das Häuschen zum See schleppen und es samt seinen Gästen versenken.“ Diese Sätze kamen aus dem Mund einer riesigen zottligen Kreatur, die hinter sechs anderen genauso aussehenden Kreaturen hermarschierte, die die besagte Hütte durch den Wald wuchteten. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, drosch der Befehlshaber mit einer langen Peitsche immer wieder auf die Träger ein.
Gwynthia stieß Faroma leicht an und flüsterte ihr zu: „Wahrscheinlich haben wir Glück im Unglück und sind etwas verfrüht hier angekommen. So können wir wenigstens zusehen, wie unser Sarg gebracht wird. Schade, dass die armen Kerle nicht ahnen können, dass wir nicht im Traum daran denken, uns ersäufen zu lassen.“
Faroma nickte und steuerte einen anderen Gedanken bei: „Damit hat uns der Ragusa-Fürst immerhin einen kleinen Vorteil verschafft.“
„Danke Ragusa-Fürst!“, rief Gwynthia beinah etwas zu laut in den Wald hinein, wobei ihre Stimme vor Sarkasmus nur so triefte. „Bestimmt zeigt dir deine Glaskugel, was hier geschieht und ich verspreche dir, dass es dir beim Zuschauen nicht langweilig werden wird. Hoffentlich bist du mit dem Schauspiel zufrieden und überlässt uns dann unsere Pferde, auf dass wir verschwinden können.“
Faroma grinste sie an: „Ich glaube, wir schulden ihm wirklich ehrlichen Dank.“ Ganz ernst konnte auch das nicht gemeint sein.
Als die Hütte fast zu ihren Füßen auf den Waldboden fallengelassen wurde, jauchzten die beiden Kriegerinnen auf und stürzten sich mit funkelnden Klingen auf die Kreaturen. Die Träger gingen bei dem überraschenden Angriff sofort in die Hocke. Das wirkte so ängstlich und devot, dass Faroma und Gwynthia an ihnen vorbeieilten und ihre ganze Aufmerksamkeit dem Befehlshaber widmeten, der sich ihnen, die Peitsche in der einen und eine schwere Keule in der anderen Hand, zum Kampf stellte. „Feiges Pack!“, brüllte er seinen Untergebenen zu. „Wenn ich mit den beiden Hänflingen fertig bin, stecke ich euch gemeinsam mit ihnen in die Hütte und verfüttere euch alle an die Fische!“
Er schwang seine Keule gegen Faroma, die vorgesprungen war, während Gwynthia sich zurückhielt. Faroma duckt sich unter dem Schlag weg und stach dem Unhold im selben Moment das Schwert in den Oberarm. Aufschreiend musste er die Keule fallen lassen. Faroma wich zurück.
Jetzt mischte sich Gwynthia in den Kampf ein. Ihr Angriff galt der rechten Seite. Die Peitschenschnur schlängelte sich ihr zischend wie eine Schlange entgegen. Sie ließ sie sich um ihr Schwert wickeln, dann trennte sie die Schnur mit einem Ruck vom Peitschenstiel. Plötzlich war der Unhold nur noch mit einem lächerlichen Stecken bewaffnet. Gwynthias setzte ihm die Schwertspitze an den Hals und er war klug genug, seine Niederlage zu akzeptieren. Sie dirigierte ihn zur Hütte. Dort herrschte sie ihn an: „Hinein mit dir!“
Als die Tür hinter ihm zuschlug, wandte sie sich an die immer noch ängstlich am Boden kauernden Träger. „Macht mit ihm, was ihr wollt!“
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Als sie nach ihrem Rundgang wieder aufeinandertrafen, zuckte Gwynthia resigniert mit den Schultern. „Mir ist nichts aufgefallen.“
Auch Faroma war unverrichteter Dinge zurückgekehrt. „Falls es tatsächlich ein Zeichen gibt, ist es so gut versteckt, dass es einem Sterblichen wohl nie gelingen wird, es zu deuten. Wir müssen unsere Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen. Es gibt keine andere Möglichkeit.“
„Jede von uns sollte das Portal durchschreiten, das sie für das richtige hält“, schlug Gwynthia vor. „Wenn es verschiedene sind, wird es uns in der Welt dahinter schon gelingen, wieder aufeinanderzutreffen.“
„Niemals!“, protestierte Faroma. „Eine weitere Trennung werde ich nicht zulassen. Eher schließe ich mich deiner Entscheidung an, auch wenn ich eine andere getroffen habe. Noch einmal begebe ich mich nicht auf die Suche nach dir, ohne zu wissen, ob ich dich wirklich jemals wiederfinden kann.“
„Nun denn“, stimmte Gwynthia dieser rigorosen Forderung zu, obwohl es ihr anzusehen war, dass sie sie keinesfalls für klug hielt. „Lass uns bis drei zählen und anschließend auf das Portal zeigen, das uns als das richtige erscheint. Sollten wir unterschiedliche Ziele ausgesucht haben und du immer noch der Meinung sein wirst, mir trotzdem folgen zu wollen, dann tue das. Eins. Zwei. Drei.“
Ihre rechten Arme schossen vor und wiesen auf die von ihnen favorisierten Portale bzw. auf ein und dasselbe. Faroma fiel Gwynthia um den Hals. „Das Schicksal ist uns hold!“, jubilierte sie „Es muss das richtige Tor sein! Beide können wir nicht irren!“
„Gleich werden wir wissen, ob es tatsächlich so ist“, dämpfte Gwynthia die Euphorie ihrer Gefährtin. Sie löste sich aus Faromas Umarmung und schritt beherzt auf die Stufen zu, die zu dem Portal hinaufführten. Faroma war dicht hinter ihr. Oben angekommen, fassten sie sich bei den Händen. „Eins. Zwei. Drei.“, zählte Gwynthia erneut, dann verließen sie gemeinsam, mit vorgebeugten Oberkörpern den Ragusa-Palast in Richtung einer ungewissen Zukunft.
Schon als ihre Gesichter mit den weit aufgerissenen Augen durch die Portalmembran stießen, wurde ihnen klar, dass sie sich für das falsche Tor entschieden hatten. Der Griff ihrer Hände lockerte sich bis sie sich voneinander lösten und stattdessen ihre Schwerter umklammerten, um sie aus den Scheiden zu ziehen. Bei dem, was sie erblickten, schien es ihnen geboten zu sein, es mit entblößten Klingen zu empfangen.
Sie mussten sich in derselben Gegend befinden, in der sie nach dem Auftauchen des Kometen auf die Holzhütte gestoßen waren. Und wieder schien es ihnen so, als würde diese oder zumindest eine ähnliche Hütte plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen. Dieses Mal stand sie jedoch nicht einfach da, sondern wurde herangeschleppt.
„Beeilt euch ihr Nichtnutze“, vernahmen Faroma und Gwynthia eine wütende Stimme. „Die beiden Weiber müssen gleich eintreffen. Die Behausung muss an Ort und Stelle stehen, bevor sie das Portal durchschritten haben. Ihre Neugier wird sie dann in das Innere treiben. Und wenn sie erst drin sind, sitzen sie in unserer Falle. Dann können wir das Häuschen zum See schleppen und es samt seinen Gästen versenken.“ Diese Sätze kamen aus dem Mund einer riesigen zottligen Kreatur, die hinter sechs anderen genauso aussehenden Kreaturen hermarschierte, die die besagte Hütte durch den Wald wuchteten. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, drosch der Befehlshaber mit einer langen Peitsche immer wieder auf die Träger ein.
Gwynthia stieß Faroma leicht an und flüsterte ihr zu: „Wahrscheinlich haben wir Glück im Unglück und sind etwas verfrüht hier angekommen. So können wir wenigstens zusehen, wie unser Sarg gebracht wird. Schade, dass die armen Kerle nicht ahnen können, dass wir nicht im Traum daran denken, uns ersäufen zu lassen.“
Faroma nickte und steuerte einen anderen Gedanken bei: „Damit hat uns der Ragusa-Fürst immerhin einen kleinen Vorteil verschafft.“
„Danke Ragusa-Fürst!“, rief Gwynthia beinah etwas zu laut in den Wald hinein, wobei ihre Stimme vor Sarkasmus nur so triefte. „Bestimmt zeigt dir deine Glaskugel, was hier geschieht und ich verspreche dir, dass es dir beim Zuschauen nicht langweilig werden wird. Hoffentlich bist du mit dem Schauspiel zufrieden und überlässt uns dann unsere Pferde, auf dass wir verschwinden können.“
Faroma grinste sie an: „Ich glaube, wir schulden ihm wirklich ehrlichen Dank.“ Ganz ernst konnte auch das nicht gemeint sein.
Als die Hütte fast zu ihren Füßen auf den Waldboden fallengelassen wurde, jauchzten die beiden Kriegerinnen auf und stürzten sich mit funkelnden Klingen auf die Kreaturen. Die Träger gingen bei dem überraschenden Angriff sofort in die Hocke. Das wirkte so ängstlich und devot, dass Faroma und Gwynthia an ihnen vorbeieilten und ihre ganze Aufmerksamkeit dem Befehlshaber widmeten, der sich ihnen, die Peitsche in der einen und eine schwere Keule in der anderen Hand, zum Kampf stellte. „Feiges Pack!“, brüllte er seinen Untergebenen zu. „Wenn ich mit den beiden Hänflingen fertig bin, stecke ich euch gemeinsam mit ihnen in die Hütte und verfüttere euch alle an die Fische!“
Er schwang seine Keule gegen Faroma, die vorgesprungen war, während Gwynthia sich zurückhielt. Faroma duckt sich unter dem Schlag weg und stach dem Unhold im selben Moment das Schwert in den Oberarm. Aufschreiend musste er die Keule fallen lassen. Faroma wich zurück.
Jetzt mischte sich Gwynthia in den Kampf ein. Ihr Angriff galt der rechten Seite. Die Peitschenschnur schlängelte sich ihr zischend wie eine Schlange entgegen. Sie ließ sie sich um ihr Schwert wickeln, dann trennte sie die Schnur mit einem Ruck vom Peitschenstiel. Plötzlich war der Unhold nur noch mit einem lächerlichen Stecken bewaffnet. Gwynthias setzte ihm die Schwertspitze an den Hals und er war klug genug, seine Niederlage zu akzeptieren. Sie dirigierte ihn zur Hütte. Dort herrschte sie ihn an: „Hinein mit dir!“
Als die Tür hinter ihm zuschlug, wandte sie sich an die immer noch ängstlich am Boden kauernden Träger. „Macht mit ihm, was ihr wollt!“
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