Die beiden Wächter senkten ihre Dreizacke und für Faroma sah es so aus, als wäre das der Beginn eines Angriffs. Sie fasste nach ihrem Schwert. Auch Gwynthia schien mit einer Attacke zu rechnen, denn sie entblößte ihr gefährliches Gebiss und stieß ein warnendes Knurren aus. In ihrer Eisbärengestalt wirkte sie bedrohlicher als Faroma, die auf ihrem Rücken saß.
Ob sich die Wächter von einem Vorstoß abschrecken lassen würden, nur, weil die beiden Kriegerinnen in ihren unterschiedlichen Gestalten ihre Wehrhaftigkeit zeigten, stand in den Sternen. Dagegen war wohl klar, wie ein solcher Kampf ausgehen musste, bei dem alle Vorteile auf Seiten der Wächter zu liegen schienen, während die Chancen Faromas und Gwynthias lediglich darin lagen, so schnell wie möglich das Weite zu suchen, um den Gegnern zu entkommen.
Bevor das scheinbar Unvermeidliche seinen Lauf nehmen konnte, geschah etwas Unerwartetes. Die Wächter rissen ihre Dreizacke wieder hoch. Statt anzugreifen, salutierten sie den beiden Kriegerinnen zu. Ihre Lippen öffneten sich. „Euch gilt unser Dank für den großen Dienst, den ihr unserem Volk erwiesen habt!“ Gemeinsam mit den Worten entwichen ihren Mündern Luftblasen, die hinauf zur Wasseroberfläche stiegen. Doch sie beließen es nicht bei der Würdigung, sondern sie erzeugten auch eine Welle, die Faroma und Gwynthia erfasste und sie ihrem Ziel entgegentrieb.
Trotz der unerwarteten Hilfe dauerte es eine Weile, bis sie die offene See überquert hatten und am gegenüberliegenden Ufer an Land gingen. Gwynthia stieg mit tropfenden Fell aus dem Wasser und Faroma glitt von ihrem Rücken herunter. Obwohl Gwynthia in der Gestalt des Eisenbären auch über die Kräfte eines solchen verfügte, war ihr die Anstrengung anzusehen, die ihr die lange Schwimmstrecke abverlangt hatte. Anstatt sich gleich wieder in ihren menschlichen Körper zurück zu verwandeln, sank sie am Ufer zu Boden und fiel in einen tiefen Schlaf.
Faroma gönnte ihr die Ruhe. Sie machte sich allein auf den Weg zu ihren Pferden, die sie, gut verborgen, zwischen zwei Felsbrocken zu finden hoffte. Vor ihrem Aufbruch in das Ragusa-Reich hatte Gwynthia die Tiere in Trance versetzt und somit dafür gesorgt, dass sie während ihrer Abwesenheit nicht davonlaufen konnten. Der Felsbrocken, der die Rösser von der Seeseite vor neugierigen Blicken abschirmte, hatte eine markante Form, sodass er Faroma sofort in die Augen stach, als sie nach ihm Ausschau hielt.
Am liebsten hätte sie ihre Waffen neben der schlafenden Gwynthia liegen gelassen, um schnell zu den Pferden zu kommen. Doch dann gebot ihr eine Eingebung, voll gerüstet dorthin zu eilen, auch wenn der Weg dadurch beschwerlicher wurde. Mehrmals geriet sie ins Stolpern, weil sich ihr Schwert in dem umherliegenden Geröll verfing. Jedes Mal befreite sie die Klinge vor sich hin schimpfend aus den Spalten zwischen den Steinen. Ihr Fluchen beantwortete nur der Wind, dessen Pfeifen wie ein höhnisches Gelächter in ihren Ohren klang.
Bisher war es ihr gelungen, auf den Beinen zu bleiben. Doch als sich ihr Schwert in einer besonders tückischen Lücke festklemmte und ihr auch noch ein kindskopfgroßer Stein den Weg versperrte, geriet sie ins Straucheln und sackte auf die Knie. Sie stöhnte auf. Blut floss an ihren Beinen herab. Wütend schnappte sie sich den Stein und schleuderte ihn davon. Sie verfolgte seine Flugbahn mit den Augen und wünschte ihm einen harten, schmerzhaften Aufprall.
Er polterte jedoch nicht zwischen den anderen Brocken nieder, sondern wurde von einer plötzlich auftauchenden Hand aus der Luft gefischt. Wobei es eigentlich keine Hand war, die seinen Flug so abrupt beendete, eher schien es eine riesige Klaue zu sein, die ihn einfach wegfing, als wäre er ein mit Vogelfedern gefüllter Lederbalg.
Faromas Pupillen weiteten sich vor Entsetzen als sie erkannte, welche Kreatur sich des Steines bemächtigt hatte.
„Da staunst du?“, höhnte ihr eine ihr bekannt vorkommende Stimme entgegen. „Du dachtest wohl, dass mich die Fische längst verschlungen hätten, so wie du es mit deiner grässlichen Gefährtin geplant hattest. Dem ist aber nicht so, wie du siehst. Stattdessen wird dich jetzt dieses Schicksal ereilen!“
Ein zottliger Unhold stürzte auf sie zu. Er glich genau dem, der sie und Gwynthia vor nicht allzu langer Zeit in eine Holzhütte sperren wollte, um sie anschließend im See zu ersäufen. Das war ihm nicht gelungen, denn sie hatten den Spieß umgedreht und ihn in der Hütte eingekerkert und ihn anschließend seinen Untergebenen anvertraut, denen sie es überließen, mit ihren Peiniger zu verfahren, wie sie wollten. Offenbar war es der Kreatur gelungen, sich zu befreien und zudem an Größe zuzunehmen. Er musste mindestens drei Mal größer sein, als sie ihn in Erinnerung hatte.
Er schien Faromas Gedanken zu erahnen: „Wie du siehst, habe ich an Gestalt und Macht gewonnen. Der letzte Dienst, den mir mein verräterisches Sklavenpack erweisen durfte, war es, mir den Hunger zu stillen. Doch ich muss dir gestehen, dass mich ihr Geschmack angewidert hat, genauso wie ihr Verrat. Doch jetzt genug der Schwätzerei. Lass mich mein Werk vollenden!“
Mit einem gewaltigen Satz katapultierte er sich zu Faroma herüber. Viel hätte nicht gefehlt und sie wäre von seiner Körperfülle erdrückt wurden. Nur ein Sprung zur Seite bewahrte sie vor diesem Schicksal.
Sie standen sich gegenüber. Seine gefährlichen Klauen pendelten lauernd hin und her. Faroma folgte diesen Bewegungen mit dem Schwert in der Hand, bereit zuzuschlagen, sobald er sie zu packen drohte.
Eine wirkliche Chance, den Unhold ein zweites Mal besiegen zu können, rechnete sie sich nicht aus. Aber sie würde sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Fähigkeiten zur Wehr setzen und ihr Leben so teuer verkaufen, wie es nur möglich war.
Noch während sie sich gegeneinander belauerten, vernahm Faroma hinter sich das Poltern weggestoßener Geröllbrocken, das sich zügig näherte. Dann sah sie, wie sich ein riesiger Schatten über den ihren schob, der zwischen ihr und dem Unhold verharrte. Im gleichen Augenblick erklang das Gebrüll eines bis aufs Blut gereizten weißen Bären.
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Ob sich die Wächter von einem Vorstoß abschrecken lassen würden, nur, weil die beiden Kriegerinnen in ihren unterschiedlichen Gestalten ihre Wehrhaftigkeit zeigten, stand in den Sternen. Dagegen war wohl klar, wie ein solcher Kampf ausgehen musste, bei dem alle Vorteile auf Seiten der Wächter zu liegen schienen, während die Chancen Faromas und Gwynthias lediglich darin lagen, so schnell wie möglich das Weite zu suchen, um den Gegnern zu entkommen.
Bevor das scheinbar Unvermeidliche seinen Lauf nehmen konnte, geschah etwas Unerwartetes. Die Wächter rissen ihre Dreizacke wieder hoch. Statt anzugreifen, salutierten sie den beiden Kriegerinnen zu. Ihre Lippen öffneten sich. „Euch gilt unser Dank für den großen Dienst, den ihr unserem Volk erwiesen habt!“ Gemeinsam mit den Worten entwichen ihren Mündern Luftblasen, die hinauf zur Wasseroberfläche stiegen. Doch sie beließen es nicht bei der Würdigung, sondern sie erzeugten auch eine Welle, die Faroma und Gwynthia erfasste und sie ihrem Ziel entgegentrieb.
Trotz der unerwarteten Hilfe dauerte es eine Weile, bis sie die offene See überquert hatten und am gegenüberliegenden Ufer an Land gingen. Gwynthia stieg mit tropfenden Fell aus dem Wasser und Faroma glitt von ihrem Rücken herunter. Obwohl Gwynthia in der Gestalt des Eisenbären auch über die Kräfte eines solchen verfügte, war ihr die Anstrengung anzusehen, die ihr die lange Schwimmstrecke abverlangt hatte. Anstatt sich gleich wieder in ihren menschlichen Körper zurück zu verwandeln, sank sie am Ufer zu Boden und fiel in einen tiefen Schlaf.
Faroma gönnte ihr die Ruhe. Sie machte sich allein auf den Weg zu ihren Pferden, die sie, gut verborgen, zwischen zwei Felsbrocken zu finden hoffte. Vor ihrem Aufbruch in das Ragusa-Reich hatte Gwynthia die Tiere in Trance versetzt und somit dafür gesorgt, dass sie während ihrer Abwesenheit nicht davonlaufen konnten. Der Felsbrocken, der die Rösser von der Seeseite vor neugierigen Blicken abschirmte, hatte eine markante Form, sodass er Faroma sofort in die Augen stach, als sie nach ihm Ausschau hielt.
Am liebsten hätte sie ihre Waffen neben der schlafenden Gwynthia liegen gelassen, um schnell zu den Pferden zu kommen. Doch dann gebot ihr eine Eingebung, voll gerüstet dorthin zu eilen, auch wenn der Weg dadurch beschwerlicher wurde. Mehrmals geriet sie ins Stolpern, weil sich ihr Schwert in dem umherliegenden Geröll verfing. Jedes Mal befreite sie die Klinge vor sich hin schimpfend aus den Spalten zwischen den Steinen. Ihr Fluchen beantwortete nur der Wind, dessen Pfeifen wie ein höhnisches Gelächter in ihren Ohren klang.
Bisher war es ihr gelungen, auf den Beinen zu bleiben. Doch als sich ihr Schwert in einer besonders tückischen Lücke festklemmte und ihr auch noch ein kindskopfgroßer Stein den Weg versperrte, geriet sie ins Straucheln und sackte auf die Knie. Sie stöhnte auf. Blut floss an ihren Beinen herab. Wütend schnappte sie sich den Stein und schleuderte ihn davon. Sie verfolgte seine Flugbahn mit den Augen und wünschte ihm einen harten, schmerzhaften Aufprall.
Er polterte jedoch nicht zwischen den anderen Brocken nieder, sondern wurde von einer plötzlich auftauchenden Hand aus der Luft gefischt. Wobei es eigentlich keine Hand war, die seinen Flug so abrupt beendete, eher schien es eine riesige Klaue zu sein, die ihn einfach wegfing, als wäre er ein mit Vogelfedern gefüllter Lederbalg.
Faromas Pupillen weiteten sich vor Entsetzen als sie erkannte, welche Kreatur sich des Steines bemächtigt hatte.
„Da staunst du?“, höhnte ihr eine ihr bekannt vorkommende Stimme entgegen. „Du dachtest wohl, dass mich die Fische längst verschlungen hätten, so wie du es mit deiner grässlichen Gefährtin geplant hattest. Dem ist aber nicht so, wie du siehst. Stattdessen wird dich jetzt dieses Schicksal ereilen!“
Ein zottliger Unhold stürzte auf sie zu. Er glich genau dem, der sie und Gwynthia vor nicht allzu langer Zeit in eine Holzhütte sperren wollte, um sie anschließend im See zu ersäufen. Das war ihm nicht gelungen, denn sie hatten den Spieß umgedreht und ihn in der Hütte eingekerkert und ihn anschließend seinen Untergebenen anvertraut, denen sie es überließen, mit ihren Peiniger zu verfahren, wie sie wollten. Offenbar war es der Kreatur gelungen, sich zu befreien und zudem an Größe zuzunehmen. Er musste mindestens drei Mal größer sein, als sie ihn in Erinnerung hatte.
Er schien Faromas Gedanken zu erahnen: „Wie du siehst, habe ich an Gestalt und Macht gewonnen. Der letzte Dienst, den mir mein verräterisches Sklavenpack erweisen durfte, war es, mir den Hunger zu stillen. Doch ich muss dir gestehen, dass mich ihr Geschmack angewidert hat, genauso wie ihr Verrat. Doch jetzt genug der Schwätzerei. Lass mich mein Werk vollenden!“
Mit einem gewaltigen Satz katapultierte er sich zu Faroma herüber. Viel hätte nicht gefehlt und sie wäre von seiner Körperfülle erdrückt wurden. Nur ein Sprung zur Seite bewahrte sie vor diesem Schicksal.
Sie standen sich gegenüber. Seine gefährlichen Klauen pendelten lauernd hin und her. Faroma folgte diesen Bewegungen mit dem Schwert in der Hand, bereit zuzuschlagen, sobald er sie zu packen drohte.
Eine wirkliche Chance, den Unhold ein zweites Mal besiegen zu können, rechnete sie sich nicht aus. Aber sie würde sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Fähigkeiten zur Wehr setzen und ihr Leben so teuer verkaufen, wie es nur möglich war.
Noch während sie sich gegeneinander belauerten, vernahm Faroma hinter sich das Poltern weggestoßener Geröllbrocken, das sich zügig näherte. Dann sah sie, wie sich ein riesiger Schatten über den ihren schob, der zwischen ihr und dem Unhold verharrte. Im gleichen Augenblick erklang das Gebrüll eines bis aufs Blut gereizten weißen Bären.
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