Dass der Bär nicht gekommen war, um seine Gegnerin von hinten zu zerfleischen, schien dem Unhold schnell zu dämmern, denn er verschaffte sich mit einem ähnlichen spektakulären Sprung, nur eben rückwärts, mit dem er Faroma gerade angegriffen hatte, einen Sicherheitsabstand zwischen sich und seine jetzt vermutlich zwei Kontrahentinnen.
Faroma atmete hörbar auf und wartete ab, was der zottlige Widerling als nächstes tuen würde. Gwynthia, in ihrer Eisbärengestalt, besaß diese Geduld nicht. Sie gab ihre stehende Position auf und stürmte sofort auf ihren kräftigen Bärenbeinen vorwärts. Das markerschütternde Gebrüll, das sie dabei ausstieß, fuhr selbst Faroma in die Knochen, obwohl sie gar nicht Ziel der Attacke war. Gleichzeitig riss sie der unbedingte Kampfeswille ihrer Gefährtin mit. Ebenfalls laut schreiend eilte sie ihr nach.
Zwei so entschlossen wirkenden Angreiferinnen traute der Unhold wohl allerhand zu, auch, dass sie ihn in einer Auseinandersetzung bezwingen könnten. Er schaute hinter sich. Dort lag freies Gelände. Für jemanden, der erwog, Fersengeld zu geben, musste das ein wunderbarer Anblick sein. Er drehte sich herum. Dann erschien ihm eine kampflose Flucht allerdings doch zu würdelos vorzukommen. Schnell klaubte er noch zwei Gesteinsbrocken auf und schleuderte sie Faroma und Gwynthia entgegen. Es war ein schlecht gezielter Wurf. Die beiden Geschosse überquerten in einer ungefährlichen Flugbahn ihre Ziele. Weit hinter den beiden Kriegerinnen polterten sie zwischen das am Boden liegende Geröll.
Davon bekam der Werfer jedoch schon nichts mehr mit. Im fast ähnlichen Tempo wie die Steine geflogen waren, flüchtete er in die entgegengesetzte Richtung. Faroma hatte keine Chance, ihn einzuholen. Und selbst Gwynthia schaffte es, trotz ihrer Eisbärenkondition, nicht, sich ihm zu nähern. Er jagte vor ihnen her, bis er plötzlich vor ihren Augen verschwand. Diesem abrupten Verschwinden folgte ein unüberhörbares Platschen.
Beides ließ die Gefährtinnen aber nicht innehalten. Sie setzten ihre Verfolgung fort, bis sie die Stelle erreicht hatten, an der der Unhold scheinbar vom Untergrund verschlungen worden war. Hier erschloss sich ihnen das Geschehen allerdings schnell. Sie standen an einer Steilküste. Schroff stürzten Felsen zum Meer hinab. Unten, wo die Wellen auf das steinige Ufer prallten, spritzte Gischt empor, die dort alles in einen kaum mit Blicken durchdringbaren Nebel hüllte. Trotzdem erhaschte Faromas Augen die Konturen einer Gestalt. Sie zeigte mit der Schwertspitze dorthin. „Er ist hinabgesprungen.“
Gwynthias Kehle entstieg ein ärgerliches Knurren, das sich alsbald in ein wütendes Fauchen wandelte. Sie hatte auch allen Grund dafür, denn der Unhold war nicht etwa auf den Felsen zerschellt, sondern im Wasser gelandet. Dort paddelte er Richtung offene See, von wo ihm aus ein Floß entgegenkam, auf dem sich eine spitzgiebelige Hütte erhob. Damit nicht genug, turnte auf dem Floß aufgeregt ein kleiner Hund hin und her und auf dem Dach der Hütte hockte ein Drachen. Offensichtlich war es dieser Lindwurm, der das seltsame Gefährt mit übernatürlichen Kräften vorwärtsbewegte.
Es dauerte nicht lange, bis Schwimmer und Floß aufeinandertrafen. Mit einer Behändigkeit, die ihm Faroma und Gwynthia gar nicht zugetraut hätten, wechselte der Unhold aus dem Wasser auf die Stämme dieser schwimmenden Insel.
Er musste wohl ahnen, dass er vom Ufer aus beobachtet wurde. Deshalb trat er an den Rand der Plattform und drohte mit einer Faust hinüber zum Ufer. „Freut euch nicht zu früh!“, rief er zudem den beiden Kriegerinnen zu. „Unser Strauß ist noch lange nicht ausgefochten. Wenn ihr mir das nächste Mal über den Weg lauft, werde ich noch größer und mächtiger sein und mein Zorn wird sich durch nichts mehr bändigen lassen. Dann hat euer Stündlein geschlagen. Die Schmach, die ihr mir angetan habt, soll tausendfach auf euch zurückfallen!“
Faroma und Gwynthia schenkten dem Geseire nur wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen behielten sie den Drachen im Auge, von dem sie annahmen, dass er jederzeit in die Lüfte steigen konnte, um ihnen den Garaus zu machen. Es dauerte auch nicht lange, bis er begann, sich wild zu gebärden. Sein Schweif peitschte über das Hüttendach und riss Schindeln herunter. Seine Flügel spreizten sich, als wolle er jeden Moment losfliegen. Dem Nüstern entstiegen Rauchschwaden, denen kurz darauf Flammen folgten. Doch wie durch einen Bann magisch festgenagelt, stieg er nicht in die Lüfte.
In eine ähnliche Ekstase verfiel der Hund. Außer Rand und Band geraten, tobte er plötzlich auf dem Floß herum. Er knurrte und kläffte Richtung Wasser. Seine Lefzen fuhren nach oben und entblößten ein Gebiss, das eher dem eines Haifisches glich als eines Hundes. Soviel erkannten selbst Faroma und Gwynthia von ihrem entfernten Standort.
Allerdings vermochten sie sich keinen Vers darauf zu machen, was die beiden Kreaturen zu ihren Anfällen getrieben hatte. Auch der Unhold musste angesichts der wütenden Reaktionen anfangs vor einem Rätsel stehen, schien dann aber bald zu begreifen, dass Gefahr in Anmarsch war. Er griff nach einer langen Stange, mit der er im Wasser stakte, um das Gefährt schneller voranzutreiben.
Offenbar wurde das Floß angegriffen. Faroma und Gwynthia suchten in dessen Heckwelle nach den Verfolgern. Sie entdeckten zwei Dreizacke, die wie die Rückenflossen von gefürchteten Meeresräubern das Wasser durchfurchten. Das konnte nur bedeuten, dass die beiden Wächter der Ragusa-Insel in den Kampf eingegriffen hatten.
Gwynthia stieß magische Sprüche aus, um in ihre menschliche Gestalt zurückkehren zu können. Bevor sie wieder vollständig Gwynthia die Kriegerin geworden war, hatten die beiden Wächter das Floß eingeholt …
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Faroma atmete hörbar auf und wartete ab, was der zottlige Widerling als nächstes tuen würde. Gwynthia, in ihrer Eisbärengestalt, besaß diese Geduld nicht. Sie gab ihre stehende Position auf und stürmte sofort auf ihren kräftigen Bärenbeinen vorwärts. Das markerschütternde Gebrüll, das sie dabei ausstieß, fuhr selbst Faroma in die Knochen, obwohl sie gar nicht Ziel der Attacke war. Gleichzeitig riss sie der unbedingte Kampfeswille ihrer Gefährtin mit. Ebenfalls laut schreiend eilte sie ihr nach.
Zwei so entschlossen wirkenden Angreiferinnen traute der Unhold wohl allerhand zu, auch, dass sie ihn in einer Auseinandersetzung bezwingen könnten. Er schaute hinter sich. Dort lag freies Gelände. Für jemanden, der erwog, Fersengeld zu geben, musste das ein wunderbarer Anblick sein. Er drehte sich herum. Dann erschien ihm eine kampflose Flucht allerdings doch zu würdelos vorzukommen. Schnell klaubte er noch zwei Gesteinsbrocken auf und schleuderte sie Faroma und Gwynthia entgegen. Es war ein schlecht gezielter Wurf. Die beiden Geschosse überquerten in einer ungefährlichen Flugbahn ihre Ziele. Weit hinter den beiden Kriegerinnen polterten sie zwischen das am Boden liegende Geröll.
Davon bekam der Werfer jedoch schon nichts mehr mit. Im fast ähnlichen Tempo wie die Steine geflogen waren, flüchtete er in die entgegengesetzte Richtung. Faroma hatte keine Chance, ihn einzuholen. Und selbst Gwynthia schaffte es, trotz ihrer Eisbärenkondition, nicht, sich ihm zu nähern. Er jagte vor ihnen her, bis er plötzlich vor ihren Augen verschwand. Diesem abrupten Verschwinden folgte ein unüberhörbares Platschen.
Beides ließ die Gefährtinnen aber nicht innehalten. Sie setzten ihre Verfolgung fort, bis sie die Stelle erreicht hatten, an der der Unhold scheinbar vom Untergrund verschlungen worden war. Hier erschloss sich ihnen das Geschehen allerdings schnell. Sie standen an einer Steilküste. Schroff stürzten Felsen zum Meer hinab. Unten, wo die Wellen auf das steinige Ufer prallten, spritzte Gischt empor, die dort alles in einen kaum mit Blicken durchdringbaren Nebel hüllte. Trotzdem erhaschte Faromas Augen die Konturen einer Gestalt. Sie zeigte mit der Schwertspitze dorthin. „Er ist hinabgesprungen.“
Gwynthias Kehle entstieg ein ärgerliches Knurren, das sich alsbald in ein wütendes Fauchen wandelte. Sie hatte auch allen Grund dafür, denn der Unhold war nicht etwa auf den Felsen zerschellt, sondern im Wasser gelandet. Dort paddelte er Richtung offene See, von wo ihm aus ein Floß entgegenkam, auf dem sich eine spitzgiebelige Hütte erhob. Damit nicht genug, turnte auf dem Floß aufgeregt ein kleiner Hund hin und her und auf dem Dach der Hütte hockte ein Drachen. Offensichtlich war es dieser Lindwurm, der das seltsame Gefährt mit übernatürlichen Kräften vorwärtsbewegte.
Es dauerte nicht lange, bis Schwimmer und Floß aufeinandertrafen. Mit einer Behändigkeit, die ihm Faroma und Gwynthia gar nicht zugetraut hätten, wechselte der Unhold aus dem Wasser auf die Stämme dieser schwimmenden Insel.
Er musste wohl ahnen, dass er vom Ufer aus beobachtet wurde. Deshalb trat er an den Rand der Plattform und drohte mit einer Faust hinüber zum Ufer. „Freut euch nicht zu früh!“, rief er zudem den beiden Kriegerinnen zu. „Unser Strauß ist noch lange nicht ausgefochten. Wenn ihr mir das nächste Mal über den Weg lauft, werde ich noch größer und mächtiger sein und mein Zorn wird sich durch nichts mehr bändigen lassen. Dann hat euer Stündlein geschlagen. Die Schmach, die ihr mir angetan habt, soll tausendfach auf euch zurückfallen!“
Faroma und Gwynthia schenkten dem Geseire nur wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen behielten sie den Drachen im Auge, von dem sie annahmen, dass er jederzeit in die Lüfte steigen konnte, um ihnen den Garaus zu machen. Es dauerte auch nicht lange, bis er begann, sich wild zu gebärden. Sein Schweif peitschte über das Hüttendach und riss Schindeln herunter. Seine Flügel spreizten sich, als wolle er jeden Moment losfliegen. Dem Nüstern entstiegen Rauchschwaden, denen kurz darauf Flammen folgten. Doch wie durch einen Bann magisch festgenagelt, stieg er nicht in die Lüfte.
In eine ähnliche Ekstase verfiel der Hund. Außer Rand und Band geraten, tobte er plötzlich auf dem Floß herum. Er knurrte und kläffte Richtung Wasser. Seine Lefzen fuhren nach oben und entblößten ein Gebiss, das eher dem eines Haifisches glich als eines Hundes. Soviel erkannten selbst Faroma und Gwynthia von ihrem entfernten Standort.
Allerdings vermochten sie sich keinen Vers darauf zu machen, was die beiden Kreaturen zu ihren Anfällen getrieben hatte. Auch der Unhold musste angesichts der wütenden Reaktionen anfangs vor einem Rätsel stehen, schien dann aber bald zu begreifen, dass Gefahr in Anmarsch war. Er griff nach einer langen Stange, mit der er im Wasser stakte, um das Gefährt schneller voranzutreiben.
Offenbar wurde das Floß angegriffen. Faroma und Gwynthia suchten in dessen Heckwelle nach den Verfolgern. Sie entdeckten zwei Dreizacke, die wie die Rückenflossen von gefürchteten Meeresräubern das Wasser durchfurchten. Das konnte nur bedeuten, dass die beiden Wächter der Ragusa-Insel in den Kampf eingegriffen hatten.
Gwynthia stieß magische Sprüche aus, um in ihre menschliche Gestalt zurückkehren zu können. Bevor sie wieder vollständig Gwynthia die Kriegerin geworden war, hatten die beiden Wächter das Floß eingeholt …
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