Gerne hätten Faroma und Gwynthia, der es nach mehreren Versuchen endlich gelungen war, aus dem Eisbärenkörper in ihre menschliche Gestalt zurückzukehren, weiterverfolgt, wie der Angriff der beiden Wächter auf das Floß des Unholds ausgehen würde. Doch sie wurden durch ein plötzlich ertönendes Geheul abgelenkt. Es klang, als ob ein Wolf dem Mond sein Leid klagte. Tatsächlich hatte sich das Firmament mittlerweile verfinstert und ein kräftig leuchtender Vollmond beschien das Geschehen.
„Die Pferde!“, riefen Faroma und Gwynthia fast gleichzeitig aus, als sich der Stimme des vierbeinigen Jägers lautes Wiehern anschloss. Sie wandten sich von der Szene auf dem Wasser ab und eilten landeinwärts, dorthin, wo die Reittiere stehen mussten. Dass die Rösser überhaupt zu hören waren, beunruhigte die beiden Kriegerinnen. Eigentlich hatte sie Gwynthia vor ihrem Überwechseln auf die Ragusa-Insel in Trance versetzt, so dass sie, in Bewegungslosigkeit erstarrt, unter Umständen bis ans Ende aller Zeiten an Ort und Stelle auf die Rückkehr ihrer Reiterinnen hätten warten müssen.
Gwynthia bezweifelte, dass irgendein fremder Magier in der Lage sein könnte, ihren über die Rösser verhängten Bann aufzuheben. Auch Faroma glaubte fest daran, dass ein solches Kunststück niemand zu verbringen vermochte. Dann wanderten ihre Gedanken aber in eine andere Richtung und plötzlich erschien ihr das Unmögliche doch möglich zu sein. „Dir müssen bei deinen vielen Versuchen, den Eisbärenkörper zu verlassen, versehentlich die Worte entschlüpft sein, die den Pferden ihre Vitalität zurückgegeben haben.“
„Das halte ich für unwahrscheinlich“, wies Gwynthia diese Vermutung brüsk zurück. „Ich bin eine Magierin und kein seniler Trottel, dem im Eifer des Gefechts die Kräfte seiner Magie durcheinandergeraten. Hier ist eine andere Macht am Wirken und wir werden bald in Erfahrung bringen, welcher Zauber sich der Pferde bemächtigt hat. Und ich verspreche dir, dass ich nicht gewillte bin, mir von einem hergelaufenen Scharlatan ins Handwerk pfuschen zu lassen. Wer immer es gewagt haben sollte, sich der Rösser zu bemächtigen, wird mir dafür Rede und Antwort stehen müssen. Und es wird ihm sehr, sehr leidtun, vor diesem Frevel nicht zurückgeschreckt zu sein!“
Faroma entnahm diesem Sermon, dass Gwynthia keineswegs damit einverstanden war, irgendwelche Schuld auf sich zu laden. Aus diesem Grund war es sinnlos, den Gedanken weiter zu verfolgen. Erst wenn sich ihnen die Ursache für das Erwachen der Pferde erschließen würde, könnte sie das Thema noch einmal ansprechen. Alles andere wäre vertane Zeit.
Auf ihrem Weg, der sich teilweise mit dem Fluchtweg des Unholds überschnitt, bemerkten sie jetzt, welch tiefe Fußabdrücke er im Boden hinterlassen hatte. Daraus schlussfolgerten sie, dass sie wohl von Glück reden konnten, dass es zu keinem Kampf gekommen war, schließlich ließ sich nie erahnen, mit welchen Tücken ein so schwergewichtiger Gegner bei einer Auseinandersetzung auftrumpfen konnte.
Zielstrebig eilten sie auf den Felsen zu, hinter dem die Pferde stehen mussten. Als sie dort angekommen waren, schauten sie sich jedoch erst irritiert um und dann zweifelnd in die Augen. Ursprünglich hatten sie diese Stelle für die Tiere ausgewählt, weil sie ihnen Schutz vor dem beständig wehenden Wind bot und sie auch vor neugierigen Blicken verborgen blieben. Anders unterschied sich dieser Ort nicht von jedem beliebigen Flecken in der Umgebung. Also zumindest damals, als ihre Wahl auf ihn fiel. Jetzt erhob sich hier ein hölzernes Gebäude, vor dem in zwei Feuerschalen Flammen loderten. Auch ein Wächter stand davor. Es handelte sich dabei wohl um den Wolf, dessen Geheul dem heraufziehenden Mond gegolten hatte.
Faroma riss ihr Schwert aus der Scheide, bereitete sich darauf vor, den Angriff des Tieres abzuwehren oder selbst anzugreifen, falls es die Situation erfordern sollte.
„Steck die Klinge weg!“, befahl ihr Gwynthia jedoch. „Denk daran, was wir dem Fürsten des Wolfsrudels versprochen haben.“
Verärgert folgte Faroma der Aufforderung. Ihr Ärger galt nicht Gwynthias Worten, sondern ihrer eigenen Vergesslichkeit, schließlich hatte auch sie dem Leitwolf hoch und heilig geschworen, niemals mehr in den Kampf gegen seine Artgenossen zu ziehen.
Der Wolf schien die Vereinbarung zu kennen. Er näherte sich den beiden Gefährtinnen und beschnupperte sie. Dann warf er den Kopf in den Nacken und heulte noch einmal Richtung Mond. Sein Atem stieg als weißer Nebel nach oben. Als er von der Dunkelheit verschluckt wurde, änderte sich die Tonlage des Wolfsgeheules. Plötzlich entstiegen der Kehle des Tieres menschliche Laute. „Ihr kommt spät!“, stellte er fest. „Mein König hat euer Eintreffen schon vor geraumer Zeit angekündigt. Seitdem harre ich hier. Noch viel früher als ich waren allerdings meine Gefährten zugegen. Auf Befehl unseres Fürsten zimmerten sie um eure edlen Rösser herum diesen Stall.“ Sein Kopf wies hinüber zu dem Bauwerk. „Obwohl sie von einem schützenden Bann umgeben waren, sollten sie nicht der Unbill der Witterung ausgesetzt sein.
Weder während der emsigen Arbeiten noch danach regten sie sich. Wie zwei aus Stein gemeißelte Statuen ertrugen sie alles stoisch, was geschah. Doch vorhin, bevor der Mond emporstieg, erwachten sie plötzlich zum Leben. Warum, kann ich nicht sagen. Deshalb hielt ich es für meine Pflicht, euch mit meinem Ruf darüber zu unterrichten. Gut, dass ihr wenigstens darauf so schnell reagiert habt. Ich hätte nicht gewusst, wie ich sie bändigen soll. Aber dieser Aufgabe könnt ihr euch ja jetzt selbst widmen.“
Bei dem Hinweis, dass die Pferde erst vor kurzem zu neuem Leben erwacht waren, verfinsterte sich Gwynthias Miene, während ein spitzbübisches Lächeln Faromas Lippen umspielte.
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„Die Pferde!“, riefen Faroma und Gwynthia fast gleichzeitig aus, als sich der Stimme des vierbeinigen Jägers lautes Wiehern anschloss. Sie wandten sich von der Szene auf dem Wasser ab und eilten landeinwärts, dorthin, wo die Reittiere stehen mussten. Dass die Rösser überhaupt zu hören waren, beunruhigte die beiden Kriegerinnen. Eigentlich hatte sie Gwynthia vor ihrem Überwechseln auf die Ragusa-Insel in Trance versetzt, so dass sie, in Bewegungslosigkeit erstarrt, unter Umständen bis ans Ende aller Zeiten an Ort und Stelle auf die Rückkehr ihrer Reiterinnen hätten warten müssen.
Gwynthia bezweifelte, dass irgendein fremder Magier in der Lage sein könnte, ihren über die Rösser verhängten Bann aufzuheben. Auch Faroma glaubte fest daran, dass ein solches Kunststück niemand zu verbringen vermochte. Dann wanderten ihre Gedanken aber in eine andere Richtung und plötzlich erschien ihr das Unmögliche doch möglich zu sein. „Dir müssen bei deinen vielen Versuchen, den Eisbärenkörper zu verlassen, versehentlich die Worte entschlüpft sein, die den Pferden ihre Vitalität zurückgegeben haben.“
„Das halte ich für unwahrscheinlich“, wies Gwynthia diese Vermutung brüsk zurück. „Ich bin eine Magierin und kein seniler Trottel, dem im Eifer des Gefechts die Kräfte seiner Magie durcheinandergeraten. Hier ist eine andere Macht am Wirken und wir werden bald in Erfahrung bringen, welcher Zauber sich der Pferde bemächtigt hat. Und ich verspreche dir, dass ich nicht gewillte bin, mir von einem hergelaufenen Scharlatan ins Handwerk pfuschen zu lassen. Wer immer es gewagt haben sollte, sich der Rösser zu bemächtigen, wird mir dafür Rede und Antwort stehen müssen. Und es wird ihm sehr, sehr leidtun, vor diesem Frevel nicht zurückgeschreckt zu sein!“
Faroma entnahm diesem Sermon, dass Gwynthia keineswegs damit einverstanden war, irgendwelche Schuld auf sich zu laden. Aus diesem Grund war es sinnlos, den Gedanken weiter zu verfolgen. Erst wenn sich ihnen die Ursache für das Erwachen der Pferde erschließen würde, könnte sie das Thema noch einmal ansprechen. Alles andere wäre vertane Zeit.
Auf ihrem Weg, der sich teilweise mit dem Fluchtweg des Unholds überschnitt, bemerkten sie jetzt, welch tiefe Fußabdrücke er im Boden hinterlassen hatte. Daraus schlussfolgerten sie, dass sie wohl von Glück reden konnten, dass es zu keinem Kampf gekommen war, schließlich ließ sich nie erahnen, mit welchen Tücken ein so schwergewichtiger Gegner bei einer Auseinandersetzung auftrumpfen konnte.
Zielstrebig eilten sie auf den Felsen zu, hinter dem die Pferde stehen mussten. Als sie dort angekommen waren, schauten sie sich jedoch erst irritiert um und dann zweifelnd in die Augen. Ursprünglich hatten sie diese Stelle für die Tiere ausgewählt, weil sie ihnen Schutz vor dem beständig wehenden Wind bot und sie auch vor neugierigen Blicken verborgen blieben. Anders unterschied sich dieser Ort nicht von jedem beliebigen Flecken in der Umgebung. Also zumindest damals, als ihre Wahl auf ihn fiel. Jetzt erhob sich hier ein hölzernes Gebäude, vor dem in zwei Feuerschalen Flammen loderten. Auch ein Wächter stand davor. Es handelte sich dabei wohl um den Wolf, dessen Geheul dem heraufziehenden Mond gegolten hatte.
Faroma riss ihr Schwert aus der Scheide, bereitete sich darauf vor, den Angriff des Tieres abzuwehren oder selbst anzugreifen, falls es die Situation erfordern sollte.
„Steck die Klinge weg!“, befahl ihr Gwynthia jedoch. „Denk daran, was wir dem Fürsten des Wolfsrudels versprochen haben.“
Verärgert folgte Faroma der Aufforderung. Ihr Ärger galt nicht Gwynthias Worten, sondern ihrer eigenen Vergesslichkeit, schließlich hatte auch sie dem Leitwolf hoch und heilig geschworen, niemals mehr in den Kampf gegen seine Artgenossen zu ziehen.
Der Wolf schien die Vereinbarung zu kennen. Er näherte sich den beiden Gefährtinnen und beschnupperte sie. Dann warf er den Kopf in den Nacken und heulte noch einmal Richtung Mond. Sein Atem stieg als weißer Nebel nach oben. Als er von der Dunkelheit verschluckt wurde, änderte sich die Tonlage des Wolfsgeheules. Plötzlich entstiegen der Kehle des Tieres menschliche Laute. „Ihr kommt spät!“, stellte er fest. „Mein König hat euer Eintreffen schon vor geraumer Zeit angekündigt. Seitdem harre ich hier. Noch viel früher als ich waren allerdings meine Gefährten zugegen. Auf Befehl unseres Fürsten zimmerten sie um eure edlen Rösser herum diesen Stall.“ Sein Kopf wies hinüber zu dem Bauwerk. „Obwohl sie von einem schützenden Bann umgeben waren, sollten sie nicht der Unbill der Witterung ausgesetzt sein.
Weder während der emsigen Arbeiten noch danach regten sie sich. Wie zwei aus Stein gemeißelte Statuen ertrugen sie alles stoisch, was geschah. Doch vorhin, bevor der Mond emporstieg, erwachten sie plötzlich zum Leben. Warum, kann ich nicht sagen. Deshalb hielt ich es für meine Pflicht, euch mit meinem Ruf darüber zu unterrichten. Gut, dass ihr wenigstens darauf so schnell reagiert habt. Ich hätte nicht gewusst, wie ich sie bändigen soll. Aber dieser Aufgabe könnt ihr euch ja jetzt selbst widmen.“
Bei dem Hinweis, dass die Pferde erst vor kurzem zu neuem Leben erwacht waren, verfinsterte sich Gwynthias Miene, während ein spitzbübisches Lächeln Faromas Lippen umspielte.
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