Wenn ihnen die Zeit geblieben wäre, hätte Faroma ihre Zunge vielleicht nicht im Zaun halten können und ihr wäre eine kleine Gemeinheit über die Lippen gerutscht, dass eine von Gwynthias Beschwörungsformeln, mit der sie ihren Wechsel von der Eisbären- in die menschliche Gestalt bewerkstelligen wollte, versehentlich den Bann der Pferde aufgehoben hatte. Doch bevor sie dieser Versuchung erliegen konnte, begann in dem Stall ein fürchterlicher Spektakel. Selbst der Wolf zog sichtlich erschrocken den Schweif ein, als die Holzwände unter einem Stakkato von Trommelschlägen erbebten. Die Pferde schienen in ihrer Behausung verrückt zu spielen und zu versuchen, mit ihren Hufen die Bretter, die man um sie herum gezimmert hatte, zu zertrümmern.
Die beiden Kriegerinnen und der graue Räuber hasteten zu dem plötzlich zu sehr viel Leben erwachten Stall. Gwynthia war als erste dort. Sie riss das Tor auf, schlüpfte hinein und warf es hinter sich wieder zu. Sie allein verfügte über die Kräfte, hier wieder für Ruhe sorgen zu können. Sowohl Faroma als auch der Wolf würden sie nur behindern, wenn sie dem Irrtum verfielen, Gwynthia unbedingt unterstützen zu müssen. Um das von vornherein deutlich zu machen, legte sie von innen einen Riegel am Tor um, sodass die beiden anderen ausgesperrt blieben. Dann widmete sie sich der Bescherung, die sie, so ehrlich musste sie wenigstens sich selbst gegenüber sein, tatsächlich mit einer falsch gemurmelten Zauberformel heraufbeschworen hatte.
Das Ausmaß dieses Lapsus war weit schlimmer als erwartet. In den Ragusa-Rössern musste sich während ihrer erzwungenen Ruhephase ein Überschuss an Kräften angestaut haben, der sich jetzt seine Bahn brach.
„Nun beruhigt euch doch, ihr lieben Pferdchen“, versuchte Gwynthia erst einmal auf die sanfte Tour, die Dominanz zurückzugewinnen. Diese Worte hätte sie sich ersparen können bzw. wäre es genauso sinnvoll gewesen, sie an die Bretter der Stallung zu richten. Statt der Ermahnung Folge zu leisten, steigerten die Rösser ihren Erregungspegel gewaltig. Gwynthia konnte sich glücklich schätzen, dass die Handwerker des Wolfsrudels für jedes Tier eine separate Box gezimmert hatten und sie dadurch durch eine Bretterwand von ihnen getrennt war. Anderenfalls wären die Rösser längst über sie hinweggetrampelt.
„Nun denn!“ Ihr blieb nichts Anderes übrig, als die Zügel anzuziehen, obwohl die Pferde noch längst kein Zaumzeug trugen. „Wenn ihr glaubt, mit eurem Herumtoben etwas zu erreichen, muss ich euch enttäuschen. Ich werde euch bändigen. Und sobald ihr wieder lammfromm geworden seid, führe ich euch aus diesem Gefängnis heraus in die Freiheit. Dann könnt ihr eure ungestümen Kräfte in Faromas und meine Dienste stellen.“
Das Wiehern, mit dem die Tiere auf Gwynthias Worte zu antworten schienen, klang wie ein höhnisches Gelächter in den Ohren der Kriegerin. Davon durfte sie sich allerdings nicht irritieren lassen. Sie musste ihr Vorhaben fortsetzen. Schnell beschlich sie jedoch die beunruhigende Gewissheit, dass ihr reiterliches Können und ihr Pferdeverstand hier wenig auszurichten vermochten. Nur der Einsatz von Magie versprach, zu einer Lösung zu führen.
Der erste Spruch, der ihr über die Lippen huschte, ließ draußen ein fürchterliches Krachen ertönen. Sie schien ein Gewitter heraufbeschworen zu haben. Der Donnerhall reizte ihre Schützlinge zu noch mehr Wut. Der Schaden, den ihre trommelnden Hufe anrichteten, wurde immer größer. Irgendwann hielt die Bretterwand den Attacken nicht mehr stand. Sie barst auseinander und Gwynthia sah sich plötzlich den zuschnappenden Zähnen der Pferde ausgesetzt.
Geistesgegenwärtig murmelte sie eine weitere magische Beschwörung. Augenblicklich kehrte sich das Innere der Tiere zum Äußeren. Sie nahmen die Gestalten der Furien an, die bisher in ihnen getobt hatten und gingen geifernd und zähnefletschend auf Gwynthia los.
Die Kriegerin sprudelte einen weiteren Spruch heraus. Der betraf sie selber. Sie wurde zu einer noch furchterregenderen Kreatur als die beiden Angreifer. Die Verwünschungen, die sie denen entgegenspie, ließ diese innehalten. Offensichtlich hatten sie jetzt ihre Meisterin gefunden. Die Wut darüber, die Grenzen der eigenen Macht aufgezeigt bekommen zu haben, wandelte sich aber in einen sinnlosen Zerstörungswahn. Immer darauf achtend, Gwynthia kein Haar zu krümmen, zertrümmerten sie den Stall. Dicke Bretter, selbst Balken knickten wie Halme im Sturm zusammen und wirbelten von dannen.
Das herabstürzende Dach, das jedes lebende Wesen unter sich begraben hätte, richtete keinen Schaden an und wurde ebenso in den Lüften zerstreut wie die Wände.
Gwynthias Gedanken galten während des Infernos Faroma und dem Wolf. Die Hölle, die hier drinnen ausgebrochen war, musste auch draußen nach Opfern gieren. Es galt, einen Schlussstrich zu ziehen, bevor der Irrsinn sich zu einem nicht mehr gutzumachenden Schaden ausweitete. Noch einen Fehlgriff durfte sie sich nicht erlauben. Ihre nächste Formel musste die Richtige sein!
Sie krächzte die fünf Wörter aus ihrer Furienkehle heraus. Der Satz war bei dem Lärm kaum zu hören und es hätte sie nicht verwundert, wenn er ohne Wirkung verhallt wäre. Doch die Magie bedurfte zum Glück keines lauten Klangs, schon im richtig Rhythmus gedacht, entfaltete sie ihre Kräfte.
Mitten im infernalischsten Getöse brach augenblicklich eine Stille herein. Um Gwynthia herum ragten plötzlich nicht mehr die wenig verbliebenen Reste des Stalls in die Höhe. Sie stand nun wieder an dem Ort, den sie seiner geschützten Lage wegen vor langer Zeit für die Rösser als Stellplatz auserkoren hatte. Hinter ihr erklang das friedliche Schnauben der Pferde, die sich willig vorwärts führen ließen. Faroma kam ihr entgegengeeilt. Sie machte auf Gwynthia den Eindruck als wäre sie von dem gerade überstandenen Tohuwabohu völlig verschont geblieben.
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Die beiden Kriegerinnen und der graue Räuber hasteten zu dem plötzlich zu sehr viel Leben erwachten Stall. Gwynthia war als erste dort. Sie riss das Tor auf, schlüpfte hinein und warf es hinter sich wieder zu. Sie allein verfügte über die Kräfte, hier wieder für Ruhe sorgen zu können. Sowohl Faroma als auch der Wolf würden sie nur behindern, wenn sie dem Irrtum verfielen, Gwynthia unbedingt unterstützen zu müssen. Um das von vornherein deutlich zu machen, legte sie von innen einen Riegel am Tor um, sodass die beiden anderen ausgesperrt blieben. Dann widmete sie sich der Bescherung, die sie, so ehrlich musste sie wenigstens sich selbst gegenüber sein, tatsächlich mit einer falsch gemurmelten Zauberformel heraufbeschworen hatte.
Das Ausmaß dieses Lapsus war weit schlimmer als erwartet. In den Ragusa-Rössern musste sich während ihrer erzwungenen Ruhephase ein Überschuss an Kräften angestaut haben, der sich jetzt seine Bahn brach.
„Nun beruhigt euch doch, ihr lieben Pferdchen“, versuchte Gwynthia erst einmal auf die sanfte Tour, die Dominanz zurückzugewinnen. Diese Worte hätte sie sich ersparen können bzw. wäre es genauso sinnvoll gewesen, sie an die Bretter der Stallung zu richten. Statt der Ermahnung Folge zu leisten, steigerten die Rösser ihren Erregungspegel gewaltig. Gwynthia konnte sich glücklich schätzen, dass die Handwerker des Wolfsrudels für jedes Tier eine separate Box gezimmert hatten und sie dadurch durch eine Bretterwand von ihnen getrennt war. Anderenfalls wären die Rösser längst über sie hinweggetrampelt.
„Nun denn!“ Ihr blieb nichts Anderes übrig, als die Zügel anzuziehen, obwohl die Pferde noch längst kein Zaumzeug trugen. „Wenn ihr glaubt, mit eurem Herumtoben etwas zu erreichen, muss ich euch enttäuschen. Ich werde euch bändigen. Und sobald ihr wieder lammfromm geworden seid, führe ich euch aus diesem Gefängnis heraus in die Freiheit. Dann könnt ihr eure ungestümen Kräfte in Faromas und meine Dienste stellen.“
Das Wiehern, mit dem die Tiere auf Gwynthias Worte zu antworten schienen, klang wie ein höhnisches Gelächter in den Ohren der Kriegerin. Davon durfte sie sich allerdings nicht irritieren lassen. Sie musste ihr Vorhaben fortsetzen. Schnell beschlich sie jedoch die beunruhigende Gewissheit, dass ihr reiterliches Können und ihr Pferdeverstand hier wenig auszurichten vermochten. Nur der Einsatz von Magie versprach, zu einer Lösung zu führen.
Der erste Spruch, der ihr über die Lippen huschte, ließ draußen ein fürchterliches Krachen ertönen. Sie schien ein Gewitter heraufbeschworen zu haben. Der Donnerhall reizte ihre Schützlinge zu noch mehr Wut. Der Schaden, den ihre trommelnden Hufe anrichteten, wurde immer größer. Irgendwann hielt die Bretterwand den Attacken nicht mehr stand. Sie barst auseinander und Gwynthia sah sich plötzlich den zuschnappenden Zähnen der Pferde ausgesetzt.
Geistesgegenwärtig murmelte sie eine weitere magische Beschwörung. Augenblicklich kehrte sich das Innere der Tiere zum Äußeren. Sie nahmen die Gestalten der Furien an, die bisher in ihnen getobt hatten und gingen geifernd und zähnefletschend auf Gwynthia los.
Die Kriegerin sprudelte einen weiteren Spruch heraus. Der betraf sie selber. Sie wurde zu einer noch furchterregenderen Kreatur als die beiden Angreifer. Die Verwünschungen, die sie denen entgegenspie, ließ diese innehalten. Offensichtlich hatten sie jetzt ihre Meisterin gefunden. Die Wut darüber, die Grenzen der eigenen Macht aufgezeigt bekommen zu haben, wandelte sich aber in einen sinnlosen Zerstörungswahn. Immer darauf achtend, Gwynthia kein Haar zu krümmen, zertrümmerten sie den Stall. Dicke Bretter, selbst Balken knickten wie Halme im Sturm zusammen und wirbelten von dannen.
Das herabstürzende Dach, das jedes lebende Wesen unter sich begraben hätte, richtete keinen Schaden an und wurde ebenso in den Lüften zerstreut wie die Wände.
Gwynthias Gedanken galten während des Infernos Faroma und dem Wolf. Die Hölle, die hier drinnen ausgebrochen war, musste auch draußen nach Opfern gieren. Es galt, einen Schlussstrich zu ziehen, bevor der Irrsinn sich zu einem nicht mehr gutzumachenden Schaden ausweitete. Noch einen Fehlgriff durfte sie sich nicht erlauben. Ihre nächste Formel musste die Richtige sein!
Sie krächzte die fünf Wörter aus ihrer Furienkehle heraus. Der Satz war bei dem Lärm kaum zu hören und es hätte sie nicht verwundert, wenn er ohne Wirkung verhallt wäre. Doch die Magie bedurfte zum Glück keines lauten Klangs, schon im richtig Rhythmus gedacht, entfaltete sie ihre Kräfte.
Mitten im infernalischsten Getöse brach augenblicklich eine Stille herein. Um Gwynthia herum ragten plötzlich nicht mehr die wenig verbliebenen Reste des Stalls in die Höhe. Sie stand nun wieder an dem Ort, den sie seiner geschützten Lage wegen vor langer Zeit für die Rösser als Stellplatz auserkoren hatte. Hinter ihr erklang das friedliche Schnauben der Pferde, die sich willig vorwärts führen ließen. Faroma kam ihr entgegengeeilt. Sie machte auf Gwynthia den Eindruck als wäre sie von dem gerade überstandenen Tohuwabohu völlig verschont geblieben.
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