Als seine Hände sie und ihr Pferd wieder freigegeben hatten, wollte Faroma dem grünen Riesen eine letzte Frage stellen. Doch noch bevor sie das erste Wort aussprechen konnte, musste sie erkennen, dass er verschwunden war. Zurückgelassen hatte er sie mit seinen vagen Andeutungen über ihre Vergangenheit und einer deutlichen Warnung für die Zukunft. Damit konnte sie sich jetzt jedoch nicht befassen. Sie musste weiter.
Bis zum Abend folgte sie im Dämmerlicht der Schlucht dem Pfad, der sich zwischen den mächtigen Felswänden des Bergmassivs entlang schlängelte. Als die immer tiefersinkende Sonne die Nacht ankündigte, führte der Weg einen Berg hinauf, wo er in einer Höhle verschwand, aus der ein grünlich-bläuliches Licht waberte. Faroma stieg aus dem Sattel, riss ihr Schwert aus der Scheide und zog ihr Pferd hinter sich her auf dieses Licht zu. Nach hundert Schritten kam sie zu einer vergitterten Felsnische. Hinter armdicken Gitterstreben war dort eine riesige Frauengestalt, in deren Gesicht zwei Augen hell glühten, mit Ketten an den Fels geschmiedet. Sie wurde von dem Licht umflutet, das bis zum Eingang der Höhle strahlte.
Zwei Krieger stachen mit langen Speeren durch das Gitter auf die Angekettete ein. Kaum hatten sie Faroma hinter sich bemerkt, richteten sie ihre Waffen gegen sie. Faroma schlug dem linken Angreifer mit ihrem Schwert den Speer aus der Hand. Den anderen streckte sie mit einem Dolch nieder, den sie mit einer fließenden Bewegung aus ihrem Gürtel zog und ihm entgegenschleuderte. Der entwaffnete Gegner sprang über die Leiche seines Gefährten hinweg und floh aus der Höhle.
„Ich danke dir, Aumma-Kriegerin, dass du mich von diesen Plagegeistern erlöst hast“, hörte Faroma eine Stimme sagen.
Sie trat an das Gitter. „Ich weiß nicht, warum man dich hier angekettet hat. Aber ich weiß, dass es unehrenhaft ist, eine Gefesselte zu demütigen.“ Dann fragte sie: „Du kennst die Aummas?“
„Nein“, erhielt sie zur Antwort. „Aber als mir vor mehr als zweitausend Jahren diese Fesseln angelegt wurden, prophezeite mir mein Bezwinger, dass eines Tages ein Mädchen vom Volke der Aumma kommen würde, um mich zu befreien. Seit dieser Zeit hat es nie ein Mädchen hierher verschlagen. Also könntest du diejenige sein, die mir endlich die Freiheit schenkt.“
„Um danach von dir getötet zu werden!“
„Oh, natürlich nicht. Danach stehe ich in deiner Schuld. Und diese Schuld wird erst von mir genommen werden, wenn ich dir geholfen habe, einen furchtbaren Fehler aus deine Vergangenheit rückgängig zu machen. Ob wir danach allerdings noch ein gemeinsames Ziel verfolgen, hat mir mein Bezwinger nicht verraten.“

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