Fremde Welt
Obwohl Faroma, Gwynthia und auch die Flammenkriegerin nach dem eben überstandenen Abenteuer noch immer innerlich in Aufruhr versetzt waren, versuchten sie jetzt, ihr ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dazu kehrten Faroma und Gwynthia zu ihren Plätzen am Feuer zurück, während die Flammenkriegerin wieder ihre Erzählerpose einnahm. Nach einigem Hin und Her räusperte sie sich, um mit ihrer Geschichte zu beginnen. Doch bevor ihr die ersten Worte über die Lippen kamen, schüttelte sie ihr Haupt.
„Nein. Das geht so nicht!“ Faroma und Gwynthia wussten nicht so recht, ob ihre neue Gefährtin mit sich selbst oder zu ihnen sprach, wurden aber schnell darüber aufgeklärt, dass die Worte ihnen galten. „Nachdem wir gerade diesen Albtraum gemeinsam überstanden haben, kann ich euch nicht einfach so eine Geschichte erzählen, als wäret ihr lediglich neugierige Zuhörer in einer geselligen Runde. Das, was uns jetzt verbindet, macht uns zu Schwestern. Deshalb will ich euch nicht mit bloßen Worten langweilen, sondern euch in meine Geschichte entführen, sodass sie auch zu eurer Geschichte wird!“
Die beiden Gefährtinnen warfen sich zweifelnde Blicke zu. Weder Faroma noch Gwynthia konnten sich einen Vers darauf machen, wie die Flammenkriegerin das meinte. Doch schon im nächsten Augenblick waren sie klüger. Von jetzt auf gleich befanden sie sich plötzlich in einer völlig anderen Umgebung. Keine Nacht. Kein Feuer. Keine an die Bäume gebundenen Pferde. Stattdessen überwölbte sie ein strahlend blauer Himmel, an dem sich eine Sommersonne zeigte, die nicht damit sparte, ihre wärmenden Strahlen herabzuschicken.
Faroma und Gwynthia spürten die Hitze der flimmernden Luft. Und auch der Wüstensand, über den sie auf edlen Rossen entlanggaloppierten, schien voller Hitze zu sein, die er nach oben abstrahlte. Wenn die beiden Kriegerinnen über die Köpfe ihrer Pferde hinweg nach vorn schauten, erblickten sie den Rücken einer Reiterin, die anmutig mit den Bewegungen ihres Rappen mitschwang. Dass sie der Flammenkriegerin folgten, war den beiden sofort klar.
Auch das Ziel ihres Rittes offenbarte sich ihnen. Am ihnen entgegenkommenden Horizont wölbte sich die Silhouette einer Stadt. Zweifellos strebte die Flammenkriegerin dorthin.
Faroma nahm die Zügel in die linke Hand. Mit der rechten beschattete sie ihre Augen, um besser in die Ferne spähen zu können. Aus der Stadtkontur kristallisierte sich eine Mauer heraus. Das Bollwerk wurde von mächtigen Zinnen gekrönt, über die die Dächer einiger Gebäude ragten. Ein solcher Anblick war der Kriegerin vertraut.
Die sich hoch über den Dächern gen Himmel reckenden blütenblattähnliche Gebilde sah sie jedoch zum ersten Mal. Sie machte Gwynthia auf die eigenartige Architektur aufmerksam. Die Gefährtin ließ die Zügel ihres Renners aus den Händen gleiten, und kehrte die Handflächen nach oben. Damit wollte sie wohl andeuten, dass sei ebenfalls ahnungslos darüber sei, was sich da ihren Blicken darbot
Von der Neugier getrieben, spornte Faroma ihr Pferd an, noch weiter auszuholen, damit sie zur Flammenkriegerin aufschließen konnte. Als sie endlich neben ihr ritt, gestikulierte sie mit den Händen. Die Flammenkriegerin schien zu verstehen, was sie beschäftigte. Sie öffnete den Mund und rief Faroma zu: „Wir sind gleich da. Lass dich überraschen!“ Dann drückte sie ihrem Rappen die Fersen in die Flanken und ließ Faroma hinter sich.
Je näher sie der Stadt kamen, desto belebter wurde der Weg. Irgendwann mussten sie ihre Pferde zügeln. Sie fielen in den Trab, anschließend in den Schritt. Das Fell der Tiere glänzte vor Schweiß, aber sie erweckten nicht den Eindruck, als wären sie schon am Ende ihrer Kräfte. Ihr Tänzeln verriet, dass sie noch voller Elan steckten und jederzeit wieder losgaloppieren konnten. Am Stadttor erkundigten sich die Wachen bei den drei Kriegerinnen nach ihrem Begehr. Die Flammenkriegerin gab Auskunft und erwirkte damit Einlass.
„Bevor wir den Palast aufsuchen“, erklärte sie daraufhin Faroma und Gwynthia, „will ich euch zeigen, was euch so neugierig gemacht hat. Und ich kann euch versichern, dass euch die Künste der hiesigen Bauhandwerker in Erstaunen versetzen werden. Auch mir erging es so, als ich die Stadt das erste Mal betreten habe.“
Sie ritten durch enge Gassen, die so dicht von hohen Gebäuden gesäumt wurden, dass es ihnen vorkam, als schlängelten sie sich durch Gebirgsschluchten. Hier wie dort erhielten die Sonnenstrahlen nur Eintritt, wenn die Sonne im Zenit stand. Ansonsten herrschte tagsüber eine schummrige Dämmerung. Feuchtigkeit und Moder schwängerten die Luft. Ihre Nasenflügel bebten. Auch die Pferde schnaubten verstört.
Immer wieder bog die Flammenkriegerin von einer Gasse in die andere. Bald argwöhnten Faroma und Gwynthia, dass ihre Gefährtin sich und sie in die Irre geführt hatte und selber nicht mehr wusste, welcher der rechte Weg wäre. Doch da unterschätzten sie ihre neue Gefährtin. Trotz der Haken, die sie schlug, verlor sie ihr Ziel nie aus den Augen.
Als es dann tatsächlich fast so aussah, als wären sie in einer Sackgasse gelandet, öffnete sich nach dem nächsten Abzweig plötzlich der Weg zu einem großen Platz, der von Sonnenstrahlen überflutete wurde. Die Drei mussten die Augen zusammenkneifen, um sich vor der unerwarteten Helligkeit zu schützen. Es dauerte eine Weile bis sie sich an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Dann rissen, zumindest Faroma und Gwynthia nicht nur die Augen, sondern auch die Münder auf, denn sie erblickten ein überwältigendes Panorama.
Nicht nur die Gasse, auf der sie unterwegs waren, sondern auch unzählige andere mündeten auf dem Platz ein. Dort erhoben sich gewaltige Pyramiden, deren Spitzen von sich entfaltenden Blütenblättern gekrönt wurden. Wenigstens hatten Faroma und Gwynthia den Eindruck, dass es sich dabei um solche handeln musste. Erst als ihnen die Flammenkriegerin erklärte, dass die komplette Pracht aus Stein gemeißelt war, erkannten sie ihren Irrtum.
Doch dann folgte schon das nächste Wunder. Zwischen zwei der gewaltigen Bauwerke thronte eine ebenso riesige Gestalt. Die Statue zeigte einen weiblichen Körper, auf dessen Schultern ein Krötenkopf saß. Mit der rechten Hand stützte sie sich auf einen Speer, dessen Spitze sich durch einen Fisch bohrte.
„Das ist die Göttin der Stadt“, klärte die Flammenkriegerin Faroma und Gwynthia auf. „Bevor wir unser Abenteuer beginnen, müssen wir von ihr erbeten, dass sie uns ihre Gnade gewährt.“
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„Nein. Das geht so nicht!“ Faroma und Gwynthia wussten nicht so recht, ob ihre neue Gefährtin mit sich selbst oder zu ihnen sprach, wurden aber schnell darüber aufgeklärt, dass die Worte ihnen galten. „Nachdem wir gerade diesen Albtraum gemeinsam überstanden haben, kann ich euch nicht einfach so eine Geschichte erzählen, als wäret ihr lediglich neugierige Zuhörer in einer geselligen Runde. Das, was uns jetzt verbindet, macht uns zu Schwestern. Deshalb will ich euch nicht mit bloßen Worten langweilen, sondern euch in meine Geschichte entführen, sodass sie auch zu eurer Geschichte wird!“
Die beiden Gefährtinnen warfen sich zweifelnde Blicke zu. Weder Faroma noch Gwynthia konnten sich einen Vers darauf machen, wie die Flammenkriegerin das meinte. Doch schon im nächsten Augenblick waren sie klüger. Von jetzt auf gleich befanden sie sich plötzlich in einer völlig anderen Umgebung. Keine Nacht. Kein Feuer. Keine an die Bäume gebundenen Pferde. Stattdessen überwölbte sie ein strahlend blauer Himmel, an dem sich eine Sommersonne zeigte, die nicht damit sparte, ihre wärmenden Strahlen herabzuschicken.
Faroma und Gwynthia spürten die Hitze der flimmernden Luft. Und auch der Wüstensand, über den sie auf edlen Rossen entlanggaloppierten, schien voller Hitze zu sein, die er nach oben abstrahlte. Wenn die beiden Kriegerinnen über die Köpfe ihrer Pferde hinweg nach vorn schauten, erblickten sie den Rücken einer Reiterin, die anmutig mit den Bewegungen ihres Rappen mitschwang. Dass sie der Flammenkriegerin folgten, war den beiden sofort klar.
Auch das Ziel ihres Rittes offenbarte sich ihnen. Am ihnen entgegenkommenden Horizont wölbte sich die Silhouette einer Stadt. Zweifellos strebte die Flammenkriegerin dorthin.
Faroma nahm die Zügel in die linke Hand. Mit der rechten beschattete sie ihre Augen, um besser in die Ferne spähen zu können. Aus der Stadtkontur kristallisierte sich eine Mauer heraus. Das Bollwerk wurde von mächtigen Zinnen gekrönt, über die die Dächer einiger Gebäude ragten. Ein solcher Anblick war der Kriegerin vertraut.
Die sich hoch über den Dächern gen Himmel reckenden blütenblattähnliche Gebilde sah sie jedoch zum ersten Mal. Sie machte Gwynthia auf die eigenartige Architektur aufmerksam. Die Gefährtin ließ die Zügel ihres Renners aus den Händen gleiten, und kehrte die Handflächen nach oben. Damit wollte sie wohl andeuten, dass sei ebenfalls ahnungslos darüber sei, was sich da ihren Blicken darbot
Von der Neugier getrieben, spornte Faroma ihr Pferd an, noch weiter auszuholen, damit sie zur Flammenkriegerin aufschließen konnte. Als sie endlich neben ihr ritt, gestikulierte sie mit den Händen. Die Flammenkriegerin schien zu verstehen, was sie beschäftigte. Sie öffnete den Mund und rief Faroma zu: „Wir sind gleich da. Lass dich überraschen!“ Dann drückte sie ihrem Rappen die Fersen in die Flanken und ließ Faroma hinter sich.
Je näher sie der Stadt kamen, desto belebter wurde der Weg. Irgendwann mussten sie ihre Pferde zügeln. Sie fielen in den Trab, anschließend in den Schritt. Das Fell der Tiere glänzte vor Schweiß, aber sie erweckten nicht den Eindruck, als wären sie schon am Ende ihrer Kräfte. Ihr Tänzeln verriet, dass sie noch voller Elan steckten und jederzeit wieder losgaloppieren konnten. Am Stadttor erkundigten sich die Wachen bei den drei Kriegerinnen nach ihrem Begehr. Die Flammenkriegerin gab Auskunft und erwirkte damit Einlass.
„Bevor wir den Palast aufsuchen“, erklärte sie daraufhin Faroma und Gwynthia, „will ich euch zeigen, was euch so neugierig gemacht hat. Und ich kann euch versichern, dass euch die Künste der hiesigen Bauhandwerker in Erstaunen versetzen werden. Auch mir erging es so, als ich die Stadt das erste Mal betreten habe.“
Sie ritten durch enge Gassen, die so dicht von hohen Gebäuden gesäumt wurden, dass es ihnen vorkam, als schlängelten sie sich durch Gebirgsschluchten. Hier wie dort erhielten die Sonnenstrahlen nur Eintritt, wenn die Sonne im Zenit stand. Ansonsten herrschte tagsüber eine schummrige Dämmerung. Feuchtigkeit und Moder schwängerten die Luft. Ihre Nasenflügel bebten. Auch die Pferde schnaubten verstört.
Immer wieder bog die Flammenkriegerin von einer Gasse in die andere. Bald argwöhnten Faroma und Gwynthia, dass ihre Gefährtin sich und sie in die Irre geführt hatte und selber nicht mehr wusste, welcher der rechte Weg wäre. Doch da unterschätzten sie ihre neue Gefährtin. Trotz der Haken, die sie schlug, verlor sie ihr Ziel nie aus den Augen.
Als es dann tatsächlich fast so aussah, als wären sie in einer Sackgasse gelandet, öffnete sich nach dem nächsten Abzweig plötzlich der Weg zu einem großen Platz, der von Sonnenstrahlen überflutete wurde. Die Drei mussten die Augen zusammenkneifen, um sich vor der unerwarteten Helligkeit zu schützen. Es dauerte eine Weile bis sie sich an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Dann rissen, zumindest Faroma und Gwynthia nicht nur die Augen, sondern auch die Münder auf, denn sie erblickten ein überwältigendes Panorama.
Nicht nur die Gasse, auf der sie unterwegs waren, sondern auch unzählige andere mündeten auf dem Platz ein. Dort erhoben sich gewaltige Pyramiden, deren Spitzen von sich entfaltenden Blütenblättern gekrönt wurden. Wenigstens hatten Faroma und Gwynthia den Eindruck, dass es sich dabei um solche handeln musste. Erst als ihnen die Flammenkriegerin erklärte, dass die komplette Pracht aus Stein gemeißelt war, erkannten sie ihren Irrtum.
Doch dann folgte schon das nächste Wunder. Zwischen zwei der gewaltigen Bauwerke thronte eine ebenso riesige Gestalt. Die Statue zeigte einen weiblichen Körper, auf dessen Schultern ein Krötenkopf saß. Mit der rechten Hand stützte sie sich auf einen Speer, dessen Spitze sich durch einen Fisch bohrte.
„Das ist die Göttin der Stadt“, klärte die Flammenkriegerin Faroma und Gwynthia auf. „Bevor wir unser Abenteuer beginnen, müssen wir von ihr erbeten, dass sie uns ihre Gnade gewährt.“
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