Rätsel
Kaum, dass das Häusermeer die Flammenkriegerin verschluckt hatte und der Drache Faroma und Gwynthia mit mächtigen Flügelschlägen davontrug, erreichte er auch schon sein Ziel. Dort, wo vor nicht allzu langer Zeit der riesige Rabe neben ihrem Lagerfeuer gelandet war, setzte nun auch der Lindwurm auf. Es bedurfte keiner vielen Worte, um die beiden Gefährtinnen vom seinem Rücken herunterzubitten.
„Wir sind angekommen. Meine Mission ist beendet.“ Mehr sagte er nicht. Dann wartete er, bis Faroma und Gwynthia vor ihm standen und erhob sich grußlos in die Lüfte. Ob er ihr „Danke für deine Hilfe!“ noch vernahm, blieb das Geheimnis des Schuppentiers.
Das Lagerfeuer war noch nicht erloschen. Kleine Flammen züngelten aus der Glut empor und einige Scheite Holz hätten gereicht, es wieder voll zu entfachen. Doch da am östlichen Horizont ein Silberstreifen bereits das Nahen des Morgens verkündete und die beiden Gefährtinnen ohnehin innerlich zu aufgewühlt waren, um in den Schlaf zu finden, löschten sie das Feuer und bereiteten sich auf den Aufbruch vor.
Ihren Pferden taten sie damit einen Gefallen. Denn ihr plötzliches Verschwinden sowie die Rückkehr auf einem Drachen hatte die Tiere in ziemliche Unruhe versetzt. Sie scharrten mit den Hufen und schnaubten ihre Aufregung aus den Nüstern. Faroma und Gwynthia konnten froh sein, dass die Rösser während ihres Ausfluges mit der Flammenkriegerin nicht davongelaufen waren. Als ihre Reiterinnen ihnen jetzt die Sättel auflegten und sie aufzäumten, ließen sie das willig mit sich geschehen.
„Wird die Flammenkriegerin Glück mit ihrer Mission haben?“, sinnierte Faroma.
„Ich denke schon.“ Gwynthia zog den Sattelgurt fest. „Sie klang recht zuversichtlich. Es ist nur schade, dass wir jetzt nie erfahren werden, was sie zu den Fürsten getrieben hat.“
Das bedauerte auch Faroma. „Selbst, wenn es uns noch einmal in diese Stadt verschlagen sollte, werden wir das wohl kaum erfahren.“ Dann begann sie zu zweifeln: „Obwohl ich mir gar nicht sicher bin, dass es sich dabei um einen realen Ort handelt, eher schien es mir so, als hätte sie uns lediglich in eine interessante Geschichte entführt.“
„Dass jemand über die Fähigkeiten verfügt, seine Zuhörer nicht nur mit Worten zu begeistern, sondern sie kurzerhand einfach zum Teil seiner Erlebnisse werden lässt, ist eine seltene Gabe“, wunderte sich auch Gwynthia. „Weder habe ich jemals davon gehört, noch bin ich einer solch außergewöhnlichen Person schon einmal begegnet.“
„Dieser Gedanke kam mir auch schon.“ Faroma schürzte die Lippen. „Vielleicht hat das Ganze gar nicht stattgefunden? Vielleicht hatten wir nur denselben Traum?“
„Sei nicht albern!“, schnaubte Gwynthia, wie es sonst nur ihr Pferd zu tun pflegte. „Die Flammenkriegerin, die Stadt mit ihren Blütenpyramiden und der Göttin mit dem Krötenkopf, die Drachen, das alles haben wir wirklich erlebt und nicht nur geträumt!“ Noch einmal tat sie ihren Unmut kund. „Doch jetzt lass uns aufbrechen! Unterwegs wird uns genügend Zeit bleiben, uns die Köpfe über die vergangene Nacht zu zerbrechen.“ Sie wartete Faromas Erwiderung nicht ab, sondern schwang sich auf den Rücken ihres Pferdes.
Faroma schaute kurz zu ihr auf. Dann tätschelte sie ihrem Ross den Hals und saß im selben Moment ebenfalls im Sattel. Sie drückte ihre Fersen in die Flanken des Pferdes und schon stobte sie im Galopp davon.
Gwynthias Tier brauchte keine Ermunterung, um ebenfalls anzugaloppieren. Sobald seine Reiterin ihm die Zügel ließ, flog es wie ein Sturmwind dahin.
In den Pferden musste während des langen Stillstehens die Lust zum unbändigen Davonstürmen erwacht sein. Mit weit ausgreifenden Sprüngen jagten sie über den grasigen Untergrund. Jedes Mal, wenn Faroma und Gwynthia dachten, es ginge nicht schneller, wurden sie eines Besseren belehrt. Die Tiere steigerten sich immer mehr, holten die letzten Kräfte aus sich heraus, so dass sie eine gewaltige Strecke hinter sich gebracht hatten, als sie endlich mit vom Schweiß weißgeflockten Fell in den Trab fielen.
Die beiden Reiterinnen wurden bei dem berauschenden Galopp von der gleichen Begeisterung gepackt wie die Pferde. Je schneller es vorwärts ging, desto freier fühlten sich ihre Seelen an. Fragen und Probleme schienen einfach zurückgeblieben zu sein. Dafür war jetzt einfach kein Platz in den Köpfen. Erst als die Pferde sich erschöpft, aber dennoch zufrieden vor sich hin prustend, nur noch im Schritte bewegten, kehrten Faromas und Gwynthias Gedanken zu ihrem Gespräch zurück.
Bevor Gwynthia jedoch Anstalten machen konnte, wieder von der Flammenkriegerin zu sprechen, brachte sie Faroma mit einem überraschenden Aufschrei zum Verstummen. Statt mit Worten den Schrei zu erklären, zeigte sie einfach über den Kopf ihres Pferdes hinweg nach vorn. Am Horizont waren zackige Silhouetten aufgetaucht. Noch ließ sich nicht genau erkennen, ob es sich dabei um die Gipfel einer Hügelkette handelte, oder ob sich ihnen die Zinnen und Türme einer Stadt zeigten. Aber sofort argwöhnten die beiden Gefährtinnen, von einem Déjà-vu heimgesucht worden zu sein.
„Werden sich unsere Fragen dort beantworten?“ Gwynthia war sich sicher, dass Faroma wusste, welche Fragen sie meinte.
„Ich weiß es nicht“, zeigte sich Faroma unsicher. „Es wäre auch ein ziemliches Wunder, wenn wir jetzt wieder dorthin zurückkehren würden. Zumal wir uns ja nicht einmal sicher sind, ob der eigenartige Ort Realität ist oder ob er uns lediglich von der Flammenkriegerin und unserer Phantasie vorgegaukelt wurde. Vielleicht wäre es auch besser, an dem, was vor uns liegt, vorbei zu reiten?“
„Wie müssen näher heran!“, befand Gwynthia. „Möglicherweise sind es nur zerklüftete Felsformationen. Und von denen können wir uns doch nicht in Furcht versetzen lassen.“
NÄCHSTES KAPITEL >>>
„Wir sind angekommen. Meine Mission ist beendet.“ Mehr sagte er nicht. Dann wartete er, bis Faroma und Gwynthia vor ihm standen und erhob sich grußlos in die Lüfte. Ob er ihr „Danke für deine Hilfe!“ noch vernahm, blieb das Geheimnis des Schuppentiers.
Das Lagerfeuer war noch nicht erloschen. Kleine Flammen züngelten aus der Glut empor und einige Scheite Holz hätten gereicht, es wieder voll zu entfachen. Doch da am östlichen Horizont ein Silberstreifen bereits das Nahen des Morgens verkündete und die beiden Gefährtinnen ohnehin innerlich zu aufgewühlt waren, um in den Schlaf zu finden, löschten sie das Feuer und bereiteten sich auf den Aufbruch vor.
Ihren Pferden taten sie damit einen Gefallen. Denn ihr plötzliches Verschwinden sowie die Rückkehr auf einem Drachen hatte die Tiere in ziemliche Unruhe versetzt. Sie scharrten mit den Hufen und schnaubten ihre Aufregung aus den Nüstern. Faroma und Gwynthia konnten froh sein, dass die Rösser während ihres Ausfluges mit der Flammenkriegerin nicht davongelaufen waren. Als ihre Reiterinnen ihnen jetzt die Sättel auflegten und sie aufzäumten, ließen sie das willig mit sich geschehen.
„Wird die Flammenkriegerin Glück mit ihrer Mission haben?“, sinnierte Faroma.
„Ich denke schon.“ Gwynthia zog den Sattelgurt fest. „Sie klang recht zuversichtlich. Es ist nur schade, dass wir jetzt nie erfahren werden, was sie zu den Fürsten getrieben hat.“
Das bedauerte auch Faroma. „Selbst, wenn es uns noch einmal in diese Stadt verschlagen sollte, werden wir das wohl kaum erfahren.“ Dann begann sie zu zweifeln: „Obwohl ich mir gar nicht sicher bin, dass es sich dabei um einen realen Ort handelt, eher schien es mir so, als hätte sie uns lediglich in eine interessante Geschichte entführt.“
„Dass jemand über die Fähigkeiten verfügt, seine Zuhörer nicht nur mit Worten zu begeistern, sondern sie kurzerhand einfach zum Teil seiner Erlebnisse werden lässt, ist eine seltene Gabe“, wunderte sich auch Gwynthia. „Weder habe ich jemals davon gehört, noch bin ich einer solch außergewöhnlichen Person schon einmal begegnet.“
„Dieser Gedanke kam mir auch schon.“ Faroma schürzte die Lippen. „Vielleicht hat das Ganze gar nicht stattgefunden? Vielleicht hatten wir nur denselben Traum?“
„Sei nicht albern!“, schnaubte Gwynthia, wie es sonst nur ihr Pferd zu tun pflegte. „Die Flammenkriegerin, die Stadt mit ihren Blütenpyramiden und der Göttin mit dem Krötenkopf, die Drachen, das alles haben wir wirklich erlebt und nicht nur geträumt!“ Noch einmal tat sie ihren Unmut kund. „Doch jetzt lass uns aufbrechen! Unterwegs wird uns genügend Zeit bleiben, uns die Köpfe über die vergangene Nacht zu zerbrechen.“ Sie wartete Faromas Erwiderung nicht ab, sondern schwang sich auf den Rücken ihres Pferdes.
Faroma schaute kurz zu ihr auf. Dann tätschelte sie ihrem Ross den Hals und saß im selben Moment ebenfalls im Sattel. Sie drückte ihre Fersen in die Flanken des Pferdes und schon stobte sie im Galopp davon.
Gwynthias Tier brauchte keine Ermunterung, um ebenfalls anzugaloppieren. Sobald seine Reiterin ihm die Zügel ließ, flog es wie ein Sturmwind dahin.
In den Pferden musste während des langen Stillstehens die Lust zum unbändigen Davonstürmen erwacht sein. Mit weit ausgreifenden Sprüngen jagten sie über den grasigen Untergrund. Jedes Mal, wenn Faroma und Gwynthia dachten, es ginge nicht schneller, wurden sie eines Besseren belehrt. Die Tiere steigerten sich immer mehr, holten die letzten Kräfte aus sich heraus, so dass sie eine gewaltige Strecke hinter sich gebracht hatten, als sie endlich mit vom Schweiß weißgeflockten Fell in den Trab fielen.
Die beiden Reiterinnen wurden bei dem berauschenden Galopp von der gleichen Begeisterung gepackt wie die Pferde. Je schneller es vorwärts ging, desto freier fühlten sich ihre Seelen an. Fragen und Probleme schienen einfach zurückgeblieben zu sein. Dafür war jetzt einfach kein Platz in den Köpfen. Erst als die Pferde sich erschöpft, aber dennoch zufrieden vor sich hin prustend, nur noch im Schritte bewegten, kehrten Faromas und Gwynthias Gedanken zu ihrem Gespräch zurück.
Bevor Gwynthia jedoch Anstalten machen konnte, wieder von der Flammenkriegerin zu sprechen, brachte sie Faroma mit einem überraschenden Aufschrei zum Verstummen. Statt mit Worten den Schrei zu erklären, zeigte sie einfach über den Kopf ihres Pferdes hinweg nach vorn. Am Horizont waren zackige Silhouetten aufgetaucht. Noch ließ sich nicht genau erkennen, ob es sich dabei um die Gipfel einer Hügelkette handelte, oder ob sich ihnen die Zinnen und Türme einer Stadt zeigten. Aber sofort argwöhnten die beiden Gefährtinnen, von einem Déjà-vu heimgesucht worden zu sein.
„Werden sich unsere Fragen dort beantworten?“ Gwynthia war sich sicher, dass Faroma wusste, welche Fragen sie meinte.
„Ich weiß es nicht“, zeigte sich Faroma unsicher. „Es wäre auch ein ziemliches Wunder, wenn wir jetzt wieder dorthin zurückkehren würden. Zumal wir uns ja nicht einmal sicher sind, ob der eigenartige Ort Realität ist oder ob er uns lediglich von der Flammenkriegerin und unserer Phantasie vorgegaukelt wurde. Vielleicht wäre es auch besser, an dem, was vor uns liegt, vorbei zu reiten?“
„Wie müssen näher heran!“, befand Gwynthia. „Möglicherweise sind es nur zerklüftete Felsformationen. Und von denen können wir uns doch nicht in Furcht versetzen lassen.“
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