Ein unbesiegbarer
Unhold
Unhold
Da ihre Pferde noch von dem ausgiebigen Galopp erschöpft waren, konnten Faroma und Gwynthia sich ihrem Ziel nur im Schritt nähern. So verging eine geraume Zeit bis sie endlich erkannten, dass die Silhouette, der sie entgegenritten, tatsächlich zu einer befestigten Stadt gehörte. Anfangs hatten sie noch gerätselt, ob es eine Siedlung oder doch eher ein zerklüfteter Gebirgszug war, was sich da am Horizont zeigte. Eine weitere Frage beantwortete sich beim Vorwärtsreiten gleich von selbst. Denn ihre Vermutung, eventuell der Stadt zuzustreben, aus der sie der Drache erst fortgetragen hatte, erwies sich als falsch. Damit blieb allerdings ungeklärt, ob es diesen Ort überhaupt wirklich gab oder ob er nur ein Produkt ihrer Träume war, was wiederum bedeuten würde, dass Beide den gleichen Traum gehabt hätten.
Faroma schüttelte mit dem Kopf, um die Gedanken darin auf eine andere Bahn zu bringen. Es hatte wenig Sinn, sich mit etwas zu beschäftigen, das nur auf Annahmen basierte. Im Stillen hoffte sie, bald von ihrem Grübeln abgelenkt zu werden.
Auch Gwynthias Gesichtsausdruck verriet, dass sie die zurückliegenden Ereignisse noch beschäftigten. Aber sie musste ebenfalls akzeptieren, an den Geschehnissen nichts mehr ändern zu können. Es gab nun einmal keine Möglichkeit, in die Vergangenheit zurückzukehren. Und sie teilte unbewusst Faromas Hoffnung, dass etwas geschehen möge, was ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und ihren Kopf freimachen würde.
Das Wünschen und Hoffen der beiden Kriegerinnen schien so wirkmächtig zu sein, dass das Schicksal sich dem beugte und sie mit einem neuen Abenteuer beschenkte.
Als die Pferde in gemächlichem Trott an einem sie überragenden Felsbrocken vorbeischlurften, schreckte sie plötzlich ein Geräusch auf. Sie rissen die Köpfe hoch. Hätten ihre Reiterinnen nicht sofort die Zügel gestrafft, wären die Tiere panisch davon gestobt. Da ihnen diese Möglichkeit genommen war, tänzelten sie nervös auf der Stelle.
Faroma und Gwynthia kannten ihre Pferde. Wenn sie sich so verhielten, bedeutete das nichts Gutes. Die Kriegerinnen griffen nach ihren Schwertern, um gegen das gewappnet zu sein, was hinter dem Felsbrocken auf sie lauerte. Bevor sie es zu Gesicht bekamen, ertönten noch einmal seltsame Geräusche. Es klang, als würde etwas über den felsigen Boden geschleift und das in einem gleichbleibenden Rhythmus. Das Schaben wurde lauter. Plötzlich brach es ab.
Hinter dem Felsen lugte ein rotspitziges Horn hervor, verharrte dort zwei Atemzüge lang, dann setzte das Geräusch wieder ein und das Horn bewegte sich vorwärts. Nach und nach offenbarte sich den beiden Gefährtinnen eine Kreatur, wie sie ihnen noch nie unter die Augen getreten war.
Statt einem Kopf trug das Wesen einen Oktopus auf den Schultern, dessen Tentakel wild umher peitschten. Auf dem Rücken befanden sich ebensolche Gliedmaßen. Dazu hatte die Kreatur zwei muskelbepackte Arme mit krallenartigen Händen. Die rechte umklammerte einen Stab, dessen Spitze von einem ausgeblichenen Totenschädel gekrönt wurde. Weitere Totenschädel pendelte an einer Kette hin und her, die sich die Kreatur wie einen Gürtel um die Hüfte geschlungen hatte. An diesem Gürtel hing auch ein ledriger Lendenschurz. Das Wesen stand auf drei Beinen. Dort, wo eigentlich die Füße sein sollten, krümmten sich Hörner, vielleicht waren es auch Krallen, in die Höhe.
„Rührt euch nicht von der Stelle!“, grollte der Unhold.
Faroma suchte nach einem Mund, dem dieser Befehl entfleucht sein könnte, entdeckte aber keinen.
„Der Totenkopf an seinem Stecken spricht zu uns“, klärte sie Gwynthia auf.
„Da staunt ihr“, kicherten die Totenköpfe, die an der Kette hingen. „Sprechende Knochenschädel kennt ihr wohl nicht. Wenn eure Schädel erst neben uns hängen werdet ihr euch schnell daran gewöhnen.“
Gwynthia wirbelte ihr Schwert durch die Luft. „Das wird nicht passieren. Denn wenn unsere Klingen mit euch fertig sind, werdet ihr für immer verstummt sein und zu Staub zerfallen. Dem könnt ihr allerdings entgehen. Dazu müsst ihr dem Monster nur befehlen, den Weg frei zu geben.“
Die Drohung ließ die Angesprochenen aufkreischen. Der Schädel vom Stab ergriff wieder das Wort. „Hier kommt keiner ungeschoren vorbei. Verflucht das Schicksal, das euch auf diesen Weg geführt hat. Denn hier wird euer elendiges Leben sein Ende finden.“ Die Tentakel vom Rücken kringelten sich über die Schultern angriffslustig nach vorn. Auch der Oktopus bereitete sich auf einen Kampf vor. Die Hörner an den drei Beinen scharrten über die Felsen.
Faroma drückte ihrem Pferd die Fersen in die Flanken. Das Tier schien seine Angst überwunden zu haben und reagierte willig auf das Kommando. Es schoss so dicht an der Kreatur vorbei, dass die Kriegerin mit ihrem Schwert drei Tentakel durchtrennen konnte.
Gwynthia folgte ihr. Ihre Klinge hieb den Oktopus von den Schultern.
Nachdem die Gefährtinnen an dem Unhold vorbeigaloppiert waren, brachten sie ihre Tiere zum Stehen und wendeten sie wieder dem Gegner zu. Sie bereiteten sich darauf vor, ihren Angriff zu wiederholen, um das wahr werden zu lassen, was Gwynthia den Totenschädeln angedroht hatte. Als sie jedoch gerade lospreschen wollten, mussten sie feststellen, dass der Widersacher unversehrt auf sie wartete. Die abgeschlagenen Tentakel waren scheinbar in Windeseile nachgewachsen und auch der Oktopus thronte wieder an seiner ursprünglichen Stelle. Das Wirken ihrer Schwerter hatte also keine Wunden hinterlassen können.
„Was für eine teuflische Kreatur“, seufzte Faroma. „Gegen diesen Unhold haben wir keine Chance. Aber immerhin kann er uns jetzt nicht mehr am Weiterreiten hindern. Soll er auf seine nächsten Opfer lauern. Lass uns unserer Wege ziehen!“
So richtig einverstanden war Gwynthia mit diesem Vorschlag nicht. „Ich habe das starke Verlangen, ihm die großmäuligen Totenköpfe von der Kette zu schlagen, damit sie den Straßenstaub schlucken müssen. Es würde mir auch nichts ausmachen, wenn sie danach schnell an ihren Platz zurückkehren.“
„Wir könnten ja erst in die Stadt reiten und auf dem Rückweg wieder vorbeikommen“, schlug Faroma daraufhin vor. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dann noch immer sein Unwesen hier treiben wird.“
Mit diesem Plan konnte sich Gwynthia anfreunden. „Die Idee gefällt mir.“ Nachdem das geklärt war, wendeten die Gefährtinnen ihre Pferde erneut und galoppierten in Richtung der Stadtsilhouetten.
NÄCHSTES KAPITEL >>>
Faroma schüttelte mit dem Kopf, um die Gedanken darin auf eine andere Bahn zu bringen. Es hatte wenig Sinn, sich mit etwas zu beschäftigen, das nur auf Annahmen basierte. Im Stillen hoffte sie, bald von ihrem Grübeln abgelenkt zu werden.
Auch Gwynthias Gesichtsausdruck verriet, dass sie die zurückliegenden Ereignisse noch beschäftigten. Aber sie musste ebenfalls akzeptieren, an den Geschehnissen nichts mehr ändern zu können. Es gab nun einmal keine Möglichkeit, in die Vergangenheit zurückzukehren. Und sie teilte unbewusst Faromas Hoffnung, dass etwas geschehen möge, was ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und ihren Kopf freimachen würde.
Das Wünschen und Hoffen der beiden Kriegerinnen schien so wirkmächtig zu sein, dass das Schicksal sich dem beugte und sie mit einem neuen Abenteuer beschenkte.
Als die Pferde in gemächlichem Trott an einem sie überragenden Felsbrocken vorbeischlurften, schreckte sie plötzlich ein Geräusch auf. Sie rissen die Köpfe hoch. Hätten ihre Reiterinnen nicht sofort die Zügel gestrafft, wären die Tiere panisch davon gestobt. Da ihnen diese Möglichkeit genommen war, tänzelten sie nervös auf der Stelle.
Faroma und Gwynthia kannten ihre Pferde. Wenn sie sich so verhielten, bedeutete das nichts Gutes. Die Kriegerinnen griffen nach ihren Schwertern, um gegen das gewappnet zu sein, was hinter dem Felsbrocken auf sie lauerte. Bevor sie es zu Gesicht bekamen, ertönten noch einmal seltsame Geräusche. Es klang, als würde etwas über den felsigen Boden geschleift und das in einem gleichbleibenden Rhythmus. Das Schaben wurde lauter. Plötzlich brach es ab.
Hinter dem Felsen lugte ein rotspitziges Horn hervor, verharrte dort zwei Atemzüge lang, dann setzte das Geräusch wieder ein und das Horn bewegte sich vorwärts. Nach und nach offenbarte sich den beiden Gefährtinnen eine Kreatur, wie sie ihnen noch nie unter die Augen getreten war.
Statt einem Kopf trug das Wesen einen Oktopus auf den Schultern, dessen Tentakel wild umher peitschten. Auf dem Rücken befanden sich ebensolche Gliedmaßen. Dazu hatte die Kreatur zwei muskelbepackte Arme mit krallenartigen Händen. Die rechte umklammerte einen Stab, dessen Spitze von einem ausgeblichenen Totenschädel gekrönt wurde. Weitere Totenschädel pendelte an einer Kette hin und her, die sich die Kreatur wie einen Gürtel um die Hüfte geschlungen hatte. An diesem Gürtel hing auch ein ledriger Lendenschurz. Das Wesen stand auf drei Beinen. Dort, wo eigentlich die Füße sein sollten, krümmten sich Hörner, vielleicht waren es auch Krallen, in die Höhe.
„Rührt euch nicht von der Stelle!“, grollte der Unhold.
Faroma suchte nach einem Mund, dem dieser Befehl entfleucht sein könnte, entdeckte aber keinen.
„Der Totenkopf an seinem Stecken spricht zu uns“, klärte sie Gwynthia auf.
„Da staunt ihr“, kicherten die Totenköpfe, die an der Kette hingen. „Sprechende Knochenschädel kennt ihr wohl nicht. Wenn eure Schädel erst neben uns hängen werdet ihr euch schnell daran gewöhnen.“
Gwynthia wirbelte ihr Schwert durch die Luft. „Das wird nicht passieren. Denn wenn unsere Klingen mit euch fertig sind, werdet ihr für immer verstummt sein und zu Staub zerfallen. Dem könnt ihr allerdings entgehen. Dazu müsst ihr dem Monster nur befehlen, den Weg frei zu geben.“
Die Drohung ließ die Angesprochenen aufkreischen. Der Schädel vom Stab ergriff wieder das Wort. „Hier kommt keiner ungeschoren vorbei. Verflucht das Schicksal, das euch auf diesen Weg geführt hat. Denn hier wird euer elendiges Leben sein Ende finden.“ Die Tentakel vom Rücken kringelten sich über die Schultern angriffslustig nach vorn. Auch der Oktopus bereitete sich auf einen Kampf vor. Die Hörner an den drei Beinen scharrten über die Felsen.
Faroma drückte ihrem Pferd die Fersen in die Flanken. Das Tier schien seine Angst überwunden zu haben und reagierte willig auf das Kommando. Es schoss so dicht an der Kreatur vorbei, dass die Kriegerin mit ihrem Schwert drei Tentakel durchtrennen konnte.
Gwynthia folgte ihr. Ihre Klinge hieb den Oktopus von den Schultern.
Nachdem die Gefährtinnen an dem Unhold vorbeigaloppiert waren, brachten sie ihre Tiere zum Stehen und wendeten sie wieder dem Gegner zu. Sie bereiteten sich darauf vor, ihren Angriff zu wiederholen, um das wahr werden zu lassen, was Gwynthia den Totenschädeln angedroht hatte. Als sie jedoch gerade lospreschen wollten, mussten sie feststellen, dass der Widersacher unversehrt auf sie wartete. Die abgeschlagenen Tentakel waren scheinbar in Windeseile nachgewachsen und auch der Oktopus thronte wieder an seiner ursprünglichen Stelle. Das Wirken ihrer Schwerter hatte also keine Wunden hinterlassen können.
„Was für eine teuflische Kreatur“, seufzte Faroma. „Gegen diesen Unhold haben wir keine Chance. Aber immerhin kann er uns jetzt nicht mehr am Weiterreiten hindern. Soll er auf seine nächsten Opfer lauern. Lass uns unserer Wege ziehen!“
So richtig einverstanden war Gwynthia mit diesem Vorschlag nicht. „Ich habe das starke Verlangen, ihm die großmäuligen Totenköpfe von der Kette zu schlagen, damit sie den Straßenstaub schlucken müssen. Es würde mir auch nichts ausmachen, wenn sie danach schnell an ihren Platz zurückkehren.“
„Wir könnten ja erst in die Stadt reiten und auf dem Rückweg wieder vorbeikommen“, schlug Faroma daraufhin vor. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dann noch immer sein Unwesen hier treiben wird.“
Mit diesem Plan konnte sich Gwynthia anfreunden. „Die Idee gefällt mir.“ Nachdem das geklärt war, wendeten die Gefährtinnen ihre Pferde erneut und galoppierten in Richtung der Stadtsilhouetten.
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