Faroma vernahm herannahendes Hufgetrappel. Als sie in Richtung des immer lauter werdenden Geräusches schaute, sah sie Gwynthia auf sich zureiten, die Faromas Rüstung und Waffen über den Widerrist des Pferdes liegen hatte. „Du lebst!“, rief ihr die Reiterin erfreut zu und stellte im gleichen Atemzug die Frage: „Was ist geschehen?“
Faroma konnte sich bisher selbst nicht erklären, wieso sie unverletzt auf einem Felsen hockte, obwohl ihr vor kurzer Zeit noch ein tödlicher Pfeil im Hals steckte. Gwynthias Frage verhalfen ihr jedoch zu bruchstückhaften Erinnerungen.
„Kaum, dass du mich auf Geheiß dieser ,Steinwächter’ hier abgelegt hattest, umgab mich plötzlich eine verzehrende Hitze. Ich spürte, wie ich von feurigen Klauen in die Tiefe gerissen wurde. Man zerrte mich durch ein unterirdisches Labyrinth von Gängen, bis ich schließlich, in Ketten gelegt, auf einem steil aufragenden Felsen stand.
Unter mir tat sich eine abgrundtiefe Schlucht auf und vor mir erschien ein gewaltiger Steinkreis, den blutrote Nebelschwade umwaberten. Eine furchterregende Gestalt durchschritt diesen Steinkreis wie ein Portal. Riesengroß, mit sechs Armen, einem gehörnten Haupt und einem wild umherpeitschenden Schweif trat sie auf mich zu. Das musste die Herrscherin der Unterwelt sein, die mich in ihr düsteres Reich verschleppen wollte. Zwei ihrer Hände packten meine Ketten, eine näherte sich dem Pfeil in meinem Hals, drei umfassten meinen Leib. In einer einzigen Bewegung sprengte sie meine Fesseln, zog mir vorsichtig den Schaft aus der Wunde und hob mich dicht vor ihr Gesicht. Gleich würde sie mich verschlingen! Doch sie tat es nicht. Neugierig schienen mich ihre Augen zu mustern.
,Faroma. Die Aumma-Kriegerin’ flüsterte sie mir zu. ,Dein Kommen wurde mir bereits vor so langer Zeit angekündigt, dass ich schon argwöhnte, du würdest niemals mehr den Weg hier her finden. Doch jetzt hat sich die Prophezeiung bewahrheitet und ich kann endlich das tun, was mir damals aufgetragen wurde.’
,Schon wieder eine Prophezeiung meinetwegen’, durchfuhr mich ein Gedanke. ,Ich werde dich nach oben zurückkehren lassen’, orakelte sie, ,damit du dort deinem vorbestimmten Ziel zustreben kannst. Doch sei gewiss, eines Tages sehen wir uns wieder, und dann wirst du mir in mein Reich folgen müssen!’
Daraufhin stieß sie mich in die Höhe. Drei ihrer Hände sprengten den Fels der Höhlendecke, bevor ich daran zerschellen konnte, die anderen drei schoben mich zurück in diese Welt.“
Nach dem Faroma Gwynthia alles mitgeteilt hatte, woran sie sich erinnern konnte, warf ihr die Gefährtin die Rüstung und die Waffen vor die Füße. „Dann spute dich und wappne dich schnell, denn ich befürchte, dass ein verschlungener und gefahrvoller Weg vor uns liegt.“

NÄCHSTES KAPITEL >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Faroma-Stories lesen?

Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.

Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.

Vielen Dank

Mehr Faroma-Abenteuer
gibt's im Archiv!