Faroma spürte Gwynthias Hand auf ihrer Schulter, mit der anderen wies die Gefährtin nach vorn, aus dem Wald heraus. Sie hatte bereits erspäht, worauf Gwynthia sie aufmerksam machen wollte. „Was kann das sein?“
„Ich weiß es nicht“, meinte Gwynthia. „Wir sollten näher herangehen, vielleicht können wir es dann erkennen.“
Tief gebückt verließen sie das schützende Dickicht des Waldes. Je weiter sie sich von den Bäumen entfernten, desto bedrohlicher wuchs die Kulisse empor, für die sie keine Erklärung fanden. Mächtige Gebilde, aus unzähligen Einzelstücken zusammengefügt, reihten sich in der Landschaft aneinander.
Faroma hielt sie für Knochengerüste von Riesen, die nur deshalb noch nicht in sich zusammengefallen waren, weil derbe Stricke sie miteinander verbanden und aufrecht hielten. Bevor sie Gwynthia ihre Vermutung mitteilen konnte, wurde sie von einem Rascheln weiter vorn abgelenkt. Zehn Schritte vor ihnen richteten sich plötzlich zwei Gestalten aus einer Bodenwelle auf. Ein Junge und ein Mädchen fassten sich dort bei den Händen und schienen ebenfalls die Gebilde zu beobachten.
Erst als das Mädchen mit seiner freien Hand nach oben zeigte, begriff Faroma, dass die Aufmerksamkeit der Beiden offensichtlich einer Wolke galt, die den östlichen Horizont verdunkelte. Schnell kam diese Wolke näher und entpuppte sich als ein Schwarm von Tausenden Vögeln. Einige von ihnen schleppten etwas in ihren Krallen mit sich. Auf einen schrillen Schrei hin, scherten diese aus dem Schwarm aus und formierten sich über den Stricken, die zwischen den Gebilden im Wind schaukelten. Ein weiterer Schrei erklang, worauf die Vögel ihre Last fallen ließen. Ein Regen unförmigen Klumpen prasselte auf die Stricke herab und verfing sich in ihnen. Faroma erkannte, dass es Menschenleiber waren, die die Vögel abgeworfen hatten.
Ein einzelner Vogel, der seine schaurige Beute noch immer in den Fängen hielt, musste die beiden Kinder entdeckt haben, denn er stieß in gefährlicher Zielstrebigkeit auf sie herab. Der Junge und das Mädchen waren seinem Angriff schutzlos ausgeliefert. Ihnen drohte das gleiche Schicksal, wie den Unglücklichen über ihnen.
Doch bevor sie in die Reichweite seiner tödlichen Klauen gerieten, zischte ein Pfeil über ihre Köpfe hinweg. Das Geschoss bohrte sich in die Brust des Vogels. Abrupt endete dessen Attacke. Der gefiederte Angreifer stürzte vor den Kindern zu Boden. Mit gezücktem Schwert stürmte Faroma aus ihrer Deckung, um ihn den Todesstoß zu versetzen, aber Gwynthias Pfeil hatte sein Leben bereits beendet.
Zum Glück schien kein Angehöriger des flatternden Heeres der Lüfte den Tod des Gefährten bemerkt zu haben. Die jetzt von ihrer Last befreiten Leichenträger gliederten sich wieder in den Schwarm ein und flogen mit ihm in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren.
Während die Wolke davonzog, musterte Faroma die Kinder, die sich schweigend noch immer bei den Händen hielten. Nur ihre blassen Gesichter mit den weit aufgerissenen Augen verrieten der Aumma-Kriegerin, dass sie das Geschehen überhaupt wahrgenommen hatten. Dabei fiel ihr auch auf, wie ähnlich sich die beiden sahen. Sie mussten Geschwister sein.
Faroma wollte ein paar beruhigende Worte an sie richten, doch ein überraschter Schrei hinderte sie daran. Gwynthia, die dem getöteten Angreifer den Pfeil aus der Brust zog, hatte ihn ausgestoßen. Eilig trat Faroma neben die Gefährtin, die mit dem Pfeil auf den Vogelkadaver deutete. Als Faroma erkannte, warum Gwynthia aufgeschrieen hatte, entwich auch ihrer Kehle ein keuchender Laut. Statt auf einen krummschnabligen Vogelkopf starrte Faroma in die gebrochenen Augen eines Frauengesichtes, dessen Züge eine unverkennbare Ähnlichkeit mit denen der beiden Kinder aufwies.
NÄCHSTES KAPITEL >>>
„Ich weiß es nicht“, meinte Gwynthia. „Wir sollten näher herangehen, vielleicht können wir es dann erkennen.“
Tief gebückt verließen sie das schützende Dickicht des Waldes. Je weiter sie sich von den Bäumen entfernten, desto bedrohlicher wuchs die Kulisse empor, für die sie keine Erklärung fanden. Mächtige Gebilde, aus unzähligen Einzelstücken zusammengefügt, reihten sich in der Landschaft aneinander.
Faroma hielt sie für Knochengerüste von Riesen, die nur deshalb noch nicht in sich zusammengefallen waren, weil derbe Stricke sie miteinander verbanden und aufrecht hielten. Bevor sie Gwynthia ihre Vermutung mitteilen konnte, wurde sie von einem Rascheln weiter vorn abgelenkt. Zehn Schritte vor ihnen richteten sich plötzlich zwei Gestalten aus einer Bodenwelle auf. Ein Junge und ein Mädchen fassten sich dort bei den Händen und schienen ebenfalls die Gebilde zu beobachten.
Erst als das Mädchen mit seiner freien Hand nach oben zeigte, begriff Faroma, dass die Aufmerksamkeit der Beiden offensichtlich einer Wolke galt, die den östlichen Horizont verdunkelte. Schnell kam diese Wolke näher und entpuppte sich als ein Schwarm von Tausenden Vögeln. Einige von ihnen schleppten etwas in ihren Krallen mit sich. Auf einen schrillen Schrei hin, scherten diese aus dem Schwarm aus und formierten sich über den Stricken, die zwischen den Gebilden im Wind schaukelten. Ein weiterer Schrei erklang, worauf die Vögel ihre Last fallen ließen. Ein Regen unförmigen Klumpen prasselte auf die Stricke herab und verfing sich in ihnen. Faroma erkannte, dass es Menschenleiber waren, die die Vögel abgeworfen hatten.
Ein einzelner Vogel, der seine schaurige Beute noch immer in den Fängen hielt, musste die beiden Kinder entdeckt haben, denn er stieß in gefährlicher Zielstrebigkeit auf sie herab. Der Junge und das Mädchen waren seinem Angriff schutzlos ausgeliefert. Ihnen drohte das gleiche Schicksal, wie den Unglücklichen über ihnen.
Doch bevor sie in die Reichweite seiner tödlichen Klauen gerieten, zischte ein Pfeil über ihre Köpfe hinweg. Das Geschoss bohrte sich in die Brust des Vogels. Abrupt endete dessen Attacke. Der gefiederte Angreifer stürzte vor den Kindern zu Boden. Mit gezücktem Schwert stürmte Faroma aus ihrer Deckung, um ihn den Todesstoß zu versetzen, aber Gwynthias Pfeil hatte sein Leben bereits beendet.
Zum Glück schien kein Angehöriger des flatternden Heeres der Lüfte den Tod des Gefährten bemerkt zu haben. Die jetzt von ihrer Last befreiten Leichenträger gliederten sich wieder in den Schwarm ein und flogen mit ihm in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren.
Während die Wolke davonzog, musterte Faroma die Kinder, die sich schweigend noch immer bei den Händen hielten. Nur ihre blassen Gesichter mit den weit aufgerissenen Augen verrieten der Aumma-Kriegerin, dass sie das Geschehen überhaupt wahrgenommen hatten. Dabei fiel ihr auch auf, wie ähnlich sich die beiden sahen. Sie mussten Geschwister sein.
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