„Eine Seefahrt, die ist lustig!“ Und lustig kann auch eine Kaffeefahrt sein, wie Jeremie Schadnost es gleich hautnah erfahren wird. (ACHTUNG SATIRE!)
Es schien nicht Jeremie Schadnosts Tag zu sein. Kaum war er dem Zelt der „Königin der Wahrsager“ entflohen, wo ihn ein ominöses Wahrheitsserum zugesetzt hatte, taumelte er in eine Veranstaltung, die er unter normalen Umständen nicht aufgesucht hätte.
Wahrscheinlich war gerade ein Reisebus mit Kaffeefahrt-Touristen auf dem Nostalgie-Rummel eingetroffen, denen in dieser Retrokulisse das Geld aus den Taschen gezogen werden sollte, denn Jeremie Schadnost wurde plötzlich von einer laut schnatternden Schar älterer Herrschaften umringt, die ihn einfach mit sich riss, ohne dass er ihr entkommen konnte.
Bevor er richtig wusste wie ihm geschah, bugsierten ihn die Senioren in ein Zelt, das äußerlich der Arbeitsstätte der Wahrsagerin glich, innen aber etwas anheimelnder eingerichtet war.
Eine lange Tafel lud Gäste zum Sitzen ein. Am Ende der Tafel befand sich ein Podest, der sich mit viel Wohlwollen als Bühne bezeichnen ließ. Dort wuselte eine Dame herum, die diese provisorische Bühne mit einem Warenbestand bestückt hatte, der problemlos das Lager eines mittelgroßen Kaufhauses füllen konnte.
Bevor es Jeremie Schadnost schaffte, bis drei zu zählen, saß er, eingeklemmt zwischen zwei Matronen, vor einem Kaffeegedeck. Während die Gäste der Veranstaltung den trockenen Streuselkuchen mit einer Brühe herunterspülten, die zwar eher an rostiges Wasser erinnerte, ihnen aber vollmundig als Mokka kredenzt wurde, absolvierte die Dame auf der Bühne die ersten Übungen für ihren bevorstehenden Auftritt. Als endlich das letzte Husten derer verklungen war, die fast an den Krümeln des Kuchens erstickt wären, klopfte sie ans Mikrofon und erbat sich damit die Aufmerksamkeit der Gäste.
In diesem Moment geschah etwas Seltsames. Ein großer gelber Hase sprang auf die Bühne und gesellte sich, mit einem Mikrofon bewaffnet, neben die Conferencieuse. Vor Verblüffung klappte Jeremie Schadnost der Unterkiefer nach unten. Seine Verblüffung steigerte sich noch, als er feststellen musste, dass die anderen Teilnehmer des bevorstehenden Verkaufsspektakels es offensichtlich für völlig normal hielten, von einem mannsgroßen Hasen bespaßt zu werden.
Die Begrüßung ertönte. Also die Dame auf der Bühne bewegte die Lippen, doch die Worte steuerte der Hase bei. Zumindest für Jeremie Schadnost, der jetzt argwöhnte, dass die Mixtur der Wahrsagerin noch irgendwie in ihm wirkte und außer ihm keiner den Hasen bemerkte.
„Ich begrüße die Jugend des Jahres 1968. Hahaha. Nachdem ihr den Anschlag mit dem Kuchen aus eurem Geburtsjahr und dem Säureextrakt überlebt und sogar klaglos hingenommen habt, hoffe ich doch, dass eure Portemonnaies weit offenstehen und ihr mir den wertlosen Plunder, den ich euch gleich aufzuschwatzen versuche, aus den Händen reißt. Hahaha.“ Erster Applaus brandete auf und von denen, die ihre Hände noch ruhen ließen, erntete die Sprecherin wenigstens ein anerkennendes Nicken.
Darauf zündete die Verkaufsfee ihre Produktanpreisung und der Hase ignorierte für Jeremie Schadnost ihre Worte und gab stattdessen erneut ihre Gedanken preis. „So, ihr seniles Völkchen. Hier seht ihr ein Teil, von dem ich selber nicht weiß, was es eigentlich ist und welchen Nutzen es haben könnte. Trotzdem bin ich doch guter Hoffnung, es jemanden andrehen zu können. Ich denke für das korpulente Täubchen, das ihren Enkel mitgebracht hat – oder vielleicht ihren Liebhaber – hahaha, wäre es genau das Richtige.“ Dabei bedachte sie Jeremie Schadnosts rechte Nachbarin mit einem so hypnotischen Blick, dass diese aufsprang und nach vorn eilte, um auch ja in den Besitz des nutzlosen Ladenhüters zu kommen.
Als nächstes widmete sie sich einem Gast, der in ziemlicher Nähe der Bühne saß. Ihm gewährte sie zuerst eine provokative Ansicht ihres Dekolletees, die seine Augen hinter den dicken Brillengläsern noch größer werden ließen als sie ohnehin schon waren. Alsdann forderte sie aber sofort einen Obolus für diese Intimität. Da er mit seiner langen grauen Mähne wie ein Althippie wirkte, der noch nicht begriffen zu haben schien, dass Woodstock fünfzig Jahre her war, schwatzte sie ihm eine Gitarre auf, die ein Zuschauer des legendären Festivals dort angeblich erworben hätte. „Du lüsterner Waldbeatle wirst mir jetzt diese Klampfe abkaufen. Sie ist vollkommen wertlos, aber dass du mich so anklotzen durftest, muss natürlich honoriert werden.“ Wieder klingelte ihre Kasse.
Nach zwei Stunden Geschwätz, dessen wahre Worte Jeremie Schadnost nicht zu Ohren bekam, weil der Hase ihm ständig die dahinterlauernden verschwiegenen Gedanken anvertraute, zog eine mit Waren bepackte Schar Rentner aus dem Zelt. Auf der Bühne herrschte gähnende Leere. Die Verkäuferin, die wohl annahm, dass Jeremie Schadnost ihretwegen noch auf seinem Stuhl hockte, tänzelte zu ihm herüber. Der Hase hoppelte neben ihr her. Als sie sich auf Jeremie Schadnosts Schoß schmiegte, raunte der Hase ihm zu: „Jetzt musst du selber entscheiden, ob du ihre Worte und Taten für bare Münze nimmst.“ Sprach’s und verschwand.
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Es schien nicht Jeremie Schadnosts Tag zu sein. Kaum war er dem Zelt der „Königin der Wahrsager“ entflohen, wo ihn ein ominöses Wahrheitsserum zugesetzt hatte, taumelte er in eine Veranstaltung, die er unter normalen Umständen nicht aufgesucht hätte.
Wahrscheinlich war gerade ein Reisebus mit Kaffeefahrt-Touristen auf dem Nostalgie-Rummel eingetroffen, denen in dieser Retrokulisse das Geld aus den Taschen gezogen werden sollte, denn Jeremie Schadnost wurde plötzlich von einer laut schnatternden Schar älterer Herrschaften umringt, die ihn einfach mit sich riss, ohne dass er ihr entkommen konnte.
Bevor er richtig wusste wie ihm geschah, bugsierten ihn die Senioren in ein Zelt, das äußerlich der Arbeitsstätte der Wahrsagerin glich, innen aber etwas anheimelnder eingerichtet war.
Eine lange Tafel lud Gäste zum Sitzen ein. Am Ende der Tafel befand sich ein Podest, der sich mit viel Wohlwollen als Bühne bezeichnen ließ. Dort wuselte eine Dame herum, die diese provisorische Bühne mit einem Warenbestand bestückt hatte, der problemlos das Lager eines mittelgroßen Kaufhauses füllen konnte.
Bevor es Jeremie Schadnost schaffte, bis drei zu zählen, saß er, eingeklemmt zwischen zwei Matronen, vor einem Kaffeegedeck. Während die Gäste der Veranstaltung den trockenen Streuselkuchen mit einer Brühe herunterspülten, die zwar eher an rostiges Wasser erinnerte, ihnen aber vollmundig als Mokka kredenzt wurde, absolvierte die Dame auf der Bühne die ersten Übungen für ihren bevorstehenden Auftritt. Als endlich das letzte Husten derer verklungen war, die fast an den Krümeln des Kuchens erstickt wären, klopfte sie ans Mikrofon und erbat sich damit die Aufmerksamkeit der Gäste.
In diesem Moment geschah etwas Seltsames. Ein großer gelber Hase sprang auf die Bühne und gesellte sich, mit einem Mikrofon bewaffnet, neben die Conferencieuse. Vor Verblüffung klappte Jeremie Schadnost der Unterkiefer nach unten. Seine Verblüffung steigerte sich noch, als er feststellen musste, dass die anderen Teilnehmer des bevorstehenden Verkaufsspektakels es offensichtlich für völlig normal hielten, von einem mannsgroßen Hasen bespaßt zu werden.
Die Begrüßung ertönte. Also die Dame auf der Bühne bewegte die Lippen, doch die Worte steuerte der Hase bei. Zumindest für Jeremie Schadnost, der jetzt argwöhnte, dass die Mixtur der Wahrsagerin noch irgendwie in ihm wirkte und außer ihm keiner den Hasen bemerkte.
„Ich begrüße die Jugend des Jahres 1968. Hahaha. Nachdem ihr den Anschlag mit dem Kuchen aus eurem Geburtsjahr und dem Säureextrakt überlebt und sogar klaglos hingenommen habt, hoffe ich doch, dass eure Portemonnaies weit offenstehen und ihr mir den wertlosen Plunder, den ich euch gleich aufzuschwatzen versuche, aus den Händen reißt. Hahaha.“ Erster Applaus brandete auf und von denen, die ihre Hände noch ruhen ließen, erntete die Sprecherin wenigstens ein anerkennendes Nicken.
Darauf zündete die Verkaufsfee ihre Produktanpreisung und der Hase ignorierte für Jeremie Schadnost ihre Worte und gab stattdessen erneut ihre Gedanken preis. „So, ihr seniles Völkchen. Hier seht ihr ein Teil, von dem ich selber nicht weiß, was es eigentlich ist und welchen Nutzen es haben könnte. Trotzdem bin ich doch guter Hoffnung, es jemanden andrehen zu können. Ich denke für das korpulente Täubchen, das ihren Enkel mitgebracht hat – oder vielleicht ihren Liebhaber – hahaha, wäre es genau das Richtige.“ Dabei bedachte sie Jeremie Schadnosts rechte Nachbarin mit einem so hypnotischen Blick, dass diese aufsprang und nach vorn eilte, um auch ja in den Besitz des nutzlosen Ladenhüters zu kommen.
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Nach zwei Stunden Geschwätz, dessen wahre Worte Jeremie Schadnost nicht zu Ohren bekam, weil der Hase ihm ständig die dahinterlauernden verschwiegenen Gedanken anvertraute, zog eine mit Waren bepackte Schar Rentner aus dem Zelt. Auf der Bühne herrschte gähnende Leere. Die Verkäuferin, die wohl annahm, dass Jeremie Schadnost ihretwegen noch auf seinem Stuhl hockte, tänzelte zu ihm herüber. Der Hase hoppelte neben ihr her. Als sie sich auf Jeremie Schadnosts Schoß schmiegte, raunte der Hase ihm zu: „Jetzt musst du selber entscheiden, ob du ihre Worte und Taten für bare Münze nimmst.“ Sprach’s und verschwand.
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