Nachdem Jeremie Schadnost in der letzten Episode so schnöde vom Geschehen verbannt wurde, darf er sich jetzt in der Fortsetzung dieser Geschichte wieder richtig austoben.
So einfach, mit dem Zuklappen des Laptops, aus dem Geschehen katapultiert zu werden, versetzte Jeremie Schadnost in Rage. Einen solchen Fauxpas hatte er noch nie über sich ergehen lassen müssen. Dementsprechend fiel seine verbale Reaktion aus. Fünfzehn Minuten lang wrang er sich eine Schimpfwortkanonade aus den Gehirnwindungen, die hier vorsichtshalber nicht wiedergegeben wird. Begleitet von Schnappatmung und in die Höhe geschossenem Blutdruck tobte er vor sich hin. Als sich sein Zustand irgendwann wieder auf den Normalpegel eingependelt hatte, versuchte er sich im analytischen Denken. Ein Blick zum Kalender bestätigte ihm, dass tatsächlich Himmelfahrt war. Und ein Blick zum Fenster bestätigte ihm, dass draußen passables Wetter herrschte. Vielleicht sollte er unter diesen Umständen auch zur Männertagspartie aufbrechen? Was der Tintenfleckverursacher konnte, konnte Jeremie Schadnost schon lange!
Bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzte, warf er noch einen Blick auf seine Mit-Protagonisten. Sir Alfried „schlummerte“ am Tisch. Die Beule am Hinterkopf, die er sich zugezogen hatte als Jeremie Schadnost ihre wortreiche Auseinandersetzung mit einem Schlag des Schwertknaufes abrupt zu Ende brachte, entwickelte sich prächtig. Den Ritter würden in den kommenden Tagen wahrscheinlich Kopfschmerzen peinigen, die denen der eifrigsten Himmelfahrtssaufkumpanen um nichts nachstanden. Wenigstens war Jeremie Schadnost so fürsorglich, ihm einen feuchten Lappen über das „Horn“ zu legen und ein Glas Wasser samt Kopfschmerztabletten in seine Reichweite zu stellen.
Im Nachbarzimmer stritten die anderen Mit-Protagonisten gerade in guter alter demokratischer Tradition über die Besetzung des Gremiums, das dem Story-Schmierfink ihre Forderungen überreichen sollte.
Genügte es, dem Zeitgeist huldigend, eine Protagonistin mit dieser Aufgabe zu betrauen? Oder wäre es opportuner, eine paritätische Doppelspitze loszuschicken? Wobei die letzte Option zudem den Vorteil bot, gleich einen Prügelknaben vor Ort zu haben, falls die Situation bei dem Zusammentreffen zu eskalieren drohte. Jeremie Schadnost schätzte ab, dass die Klärung dieser Frage in etwa zu dem Zeitpunkt erfolgen müsste, an dem Sir Alfried aus seiner Ohnmacht erwachen würde, also weit in der Zukunft lag. Ihm blieb demnach genügend Zeit, sich ins Männertagsvergnügen zu stürzen und wieder zurück zu sein, bevor sich hier etwas Wesentliches tat.
Jetzt erwies es sich als Glücksfall, dass sich Jeremie Schadnost bereit erklärt hatte, seine Wohnung als Tagungsstätte für ihre Interessengemeinschaft bereitzustellen. So schaffte er es, in wenigen Minuten alle Vorbereitungen für den Trip zu treffen. Ein kurzer Griff in den Kleiderfundus genügte, um sich dem Anlass entsprechend zu kostümieren. Dafür benötigte er eigentlich nur den alten Zylinder seines Großvaters, den er auch dort fand, wo er ihn vor mehr als einem Jahr abgelegt hatte. Draußen stand ganz hinten im Schuppen, mit Gerümpel zugepackt, ein alter Bollerwagen, den er hervorzerrte, oberflächlich entkankerte und abstaubte. Schnell wuchtete er einen vollen Kasten Bier hinein, legte eine Flasche Wodka dazu und schon ging die Post ab.
Sein Gehöft lag im Tal, sodass er sich entscheiden musste, ob er sich den linken oder rechten Weg in die Höhe quälen wollte. Was sich im Auto mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal leicht bewerkstelligen ließ, würde mit dem Bollerwagen im Schlepptau in richtige Anstrengung ausarten. Nach einem beherzten Schluck aus der Wodkaflasche entschied er sich für den linken Anstieg. Obwohl der ihm immer als der flachere vorgekommen war, verlangte er ihm beim Hinaufwandern doch einiges an Kondition ab. Um nicht die Lust an der Gipfelerstürmung zu verlieren, erdachte sich Jeremie Schadnost eine Aufstiegsstrategie: 300 Schritte – ein Schluck Wodka; danach 300 Schritte – eine halbe Flasche Bier.
Als er endlich oben die herrliche Aussicht genießen konnte, hatte sich die Schnapsflasche zur Hälfte geleert und im Bierkasten reihten sich etliche leere Flaschen aneinander. Dafür stellte er eine Verdoppelung seiner Sehkraft fest, denn plötzlich erschien alles, was er erblickte, in zweifacher Ausführung.
Den Abstieg ins Tal plante Jeremie Schadnost rollend zurückzulegen. Er schuf etwas Platz im Bollerwagen, schwang sich hinein, schnappte sich mit der rechten Hand die Deichsel. In der linken gluckerte die Wodkaflasche, die noch einen gehörigen Teil ihres Inhaltes hergeben musste, bevor die Reise losging.
Der Autor dieser Zeilen radelte in der Gruppe mit, die zur selben Zeit die Steigung in Angriff nahm, auf der Jeremie Schadnost im Bollerwagen ins Tal raste. Er hatte sich bisher wacker geschlagen. Dass sein Fahrrad im Autopilotmodus auf gerader Strecke hin und wieder in Schlängelkurs geriet, schien angesichts des Anlasses der Radtour hinnehmbar. Die übrigen Mitglieder der feucht-fröhlichen Gemeinschaft befanden sich in einem ähnlichen Zustand. Als der Erste von ihnen eine Warnung vor dem herabrollenden Gefährt nach hinten rief, erntete er ein Lachsalve wegen seiner offensichtlichen Halluzinationen zur Erwiderung. Doch das Rattern der Räder des Bollerwagens, das Klappern der Bierflaschen und das Gejohle seines Insassen, belehrte die Truppe bald eines Besseren. Wer konnte, suchte das Weite.
Unglücklicherweise übernahm der Drahtesel des Autors in diesem Augenblick gerade wieder die Regie und stellte sich der Seifenkiste tollkühn in den Weg. Danach bewahrheitete sich die alte Weisheit, nach der kleine Kinder und Besoffene immer Glück haben, denn weder der Autor noch Jeremie Schadnost brachen sich bei dem Zusammenstoß alle Knochen. Stattdessen fand sich der Autor nach dem Tohuwabohu hinter Jeremie Schadnost auf dem Bierkasten sitzend im Bollerwagen wieder, der jetzt über eine Wiese Richtung Abhang holperte. Die Deichsel ragte nur noch als zersplitterter Stumpf vorn aus dem Wagen heraus und so suchten sich die vier Räder ihren Weg selbst.
Da Jeremie Schadnost jetzt die Hände frei hatte, konnte er beide zur Alkoholzufuhr nutzen. Links ein Bier, rechts den Wodka, schrie er dem Bollerwagen beständig zu, wohin er fahren sollte. Dass sie dem Abgrund oder der Abgrund ihnen entgegenraste, fand keinen Zugang mehr zu seinem benebelten Verstand.
Dem Autor wurde Himmelangst. Hier war nichts mehr zu retten. Er musste aus dem Wagen heraus. Aber natürlich konnte er den armen Tropf vor ihm nicht seinem Schicksal überlassen. Beherzt schnappte er ihn deshalb an der Schulter und am Hosenbund und kippte ihn über die Planke des Wagens. Anschließend hechtete er selber ins Gras. Das alles geschah keinen Moment zu früh. Noch während sie über die Wiese kullerten, verschwand der Bollerwagen auf Nimmerwiedersehen im Abgrund.
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So einfach, mit dem Zuklappen des Laptops, aus dem Geschehen katapultiert zu werden, versetzte Jeremie Schadnost in Rage. Einen solchen Fauxpas hatte er noch nie über sich ergehen lassen müssen. Dementsprechend fiel seine verbale Reaktion aus. Fünfzehn Minuten lang wrang er sich eine Schimpfwortkanonade aus den Gehirnwindungen, die hier vorsichtshalber nicht wiedergegeben wird. Begleitet von Schnappatmung und in die Höhe geschossenem Blutdruck tobte er vor sich hin. Als sich sein Zustand irgendwann wieder auf den Normalpegel eingependelt hatte, versuchte er sich im analytischen Denken. Ein Blick zum Kalender bestätigte ihm, dass tatsächlich Himmelfahrt war. Und ein Blick zum Fenster bestätigte ihm, dass draußen passables Wetter herrschte. Vielleicht sollte er unter diesen Umständen auch zur Männertagspartie aufbrechen? Was der Tintenfleckverursacher konnte, konnte Jeremie Schadnost schon lange!
Bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzte, warf er noch einen Blick auf seine Mit-Protagonisten. Sir Alfried „schlummerte“ am Tisch. Die Beule am Hinterkopf, die er sich zugezogen hatte als Jeremie Schadnost ihre wortreiche Auseinandersetzung mit einem Schlag des Schwertknaufes abrupt zu Ende brachte, entwickelte sich prächtig. Den Ritter würden in den kommenden Tagen wahrscheinlich Kopfschmerzen peinigen, die denen der eifrigsten Himmelfahrtssaufkumpanen um nichts nachstanden. Wenigstens war Jeremie Schadnost so fürsorglich, ihm einen feuchten Lappen über das „Horn“ zu legen und ein Glas Wasser samt Kopfschmerztabletten in seine Reichweite zu stellen.
Im Nachbarzimmer stritten die anderen Mit-Protagonisten gerade in guter alter demokratischer Tradition über die Besetzung des Gremiums, das dem Story-Schmierfink ihre Forderungen überreichen sollte.
Genügte es, dem Zeitgeist huldigend, eine Protagonistin mit dieser Aufgabe zu betrauen? Oder wäre es opportuner, eine paritätische Doppelspitze loszuschicken? Wobei die letzte Option zudem den Vorteil bot, gleich einen Prügelknaben vor Ort zu haben, falls die Situation bei dem Zusammentreffen zu eskalieren drohte. Jeremie Schadnost schätzte ab, dass die Klärung dieser Frage in etwa zu dem Zeitpunkt erfolgen müsste, an dem Sir Alfried aus seiner Ohnmacht erwachen würde, also weit in der Zukunft lag. Ihm blieb demnach genügend Zeit, sich ins Männertagsvergnügen zu stürzen und wieder zurück zu sein, bevor sich hier etwas Wesentliches tat.
Jetzt erwies es sich als Glücksfall, dass sich Jeremie Schadnost bereit erklärt hatte, seine Wohnung als Tagungsstätte für ihre Interessengemeinschaft bereitzustellen. So schaffte er es, in wenigen Minuten alle Vorbereitungen für den Trip zu treffen. Ein kurzer Griff in den Kleiderfundus genügte, um sich dem Anlass entsprechend zu kostümieren. Dafür benötigte er eigentlich nur den alten Zylinder seines Großvaters, den er auch dort fand, wo er ihn vor mehr als einem Jahr abgelegt hatte. Draußen stand ganz hinten im Schuppen, mit Gerümpel zugepackt, ein alter Bollerwagen, den er hervorzerrte, oberflächlich entkankerte und abstaubte. Schnell wuchtete er einen vollen Kasten Bier hinein, legte eine Flasche Wodka dazu und schon ging die Post ab.
Sein Gehöft lag im Tal, sodass er sich entscheiden musste, ob er sich den linken oder rechten Weg in die Höhe quälen wollte. Was sich im Auto mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal leicht bewerkstelligen ließ, würde mit dem Bollerwagen im Schlepptau in richtige Anstrengung ausarten. Nach einem beherzten Schluck aus der Wodkaflasche entschied er sich für den linken Anstieg. Obwohl der ihm immer als der flachere vorgekommen war, verlangte er ihm beim Hinaufwandern doch einiges an Kondition ab. Um nicht die Lust an der Gipfelerstürmung zu verlieren, erdachte sich Jeremie Schadnost eine Aufstiegsstrategie: 300 Schritte – ein Schluck Wodka; danach 300 Schritte – eine halbe Flasche Bier.
Als er endlich oben die herrliche Aussicht genießen konnte, hatte sich die Schnapsflasche zur Hälfte geleert und im Bierkasten reihten sich etliche leere Flaschen aneinander. Dafür stellte er eine Verdoppelung seiner Sehkraft fest, denn plötzlich erschien alles, was er erblickte, in zweifacher Ausführung.
Den Abstieg ins Tal plante Jeremie Schadnost rollend zurückzulegen. Er schuf etwas Platz im Bollerwagen, schwang sich hinein, schnappte sich mit der rechten Hand die Deichsel. In der linken gluckerte die Wodkaflasche, die noch einen gehörigen Teil ihres Inhaltes hergeben musste, bevor die Reise losging.
Der Autor dieser Zeilen radelte in der Gruppe mit, die zur selben Zeit die Steigung in Angriff nahm, auf der Jeremie Schadnost im Bollerwagen ins Tal raste. Er hatte sich bisher wacker geschlagen. Dass sein Fahrrad im Autopilotmodus auf gerader Strecke hin und wieder in Schlängelkurs geriet, schien angesichts des Anlasses der Radtour hinnehmbar. Die übrigen Mitglieder der feucht-fröhlichen Gemeinschaft befanden sich in einem ähnlichen Zustand. Als der Erste von ihnen eine Warnung vor dem herabrollenden Gefährt nach hinten rief, erntete er ein Lachsalve wegen seiner offensichtlichen Halluzinationen zur Erwiderung. Doch das Rattern der Räder des Bollerwagens, das Klappern der Bierflaschen und das Gejohle seines Insassen, belehrte die Truppe bald eines Besseren. Wer konnte, suchte das Weite.
Unglücklicherweise übernahm der Drahtesel des Autors in diesem Augenblick gerade wieder die Regie und stellte sich der Seifenkiste tollkühn in den Weg. Danach bewahrheitete sich die alte Weisheit, nach der kleine Kinder und Besoffene immer Glück haben, denn weder der Autor noch Jeremie Schadnost brachen sich bei dem Zusammenstoß alle Knochen. Stattdessen fand sich der Autor nach dem Tohuwabohu hinter Jeremie Schadnost auf dem Bierkasten sitzend im Bollerwagen wieder, der jetzt über eine Wiese Richtung Abhang holperte. Die Deichsel ragte nur noch als zersplitterter Stumpf vorn aus dem Wagen heraus und so suchten sich die vier Räder ihren Weg selbst.
Da Jeremie Schadnost jetzt die Hände frei hatte, konnte er beide zur Alkoholzufuhr nutzen. Links ein Bier, rechts den Wodka, schrie er dem Bollerwagen beständig zu, wohin er fahren sollte. Dass sie dem Abgrund oder der Abgrund ihnen entgegenraste, fand keinen Zugang mehr zu seinem benebelten Verstand.
Dem Autor wurde Himmelangst. Hier war nichts mehr zu retten. Er musste aus dem Wagen heraus. Aber natürlich konnte er den armen Tropf vor ihm nicht seinem Schicksal überlassen. Beherzt schnappte er ihn deshalb an der Schulter und am Hosenbund und kippte ihn über die Planke des Wagens. Anschließend hechtete er selber ins Gras. Das alles geschah keinen Moment zu früh. Noch während sie über die Wiese kullerten, verschwand der Bollerwagen auf Nimmerwiedersehen im Abgrund.
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