Ein Saloon, der keiner ist, zeigt sogar Jeremie Schadnost, wo die Grenzen des Machbaren gezogen sind.
Die Überlebenssinne seines Pferdes erwiesen sich in dieser unwirtlichen Umgebung als weitaus ausgeprägter als seine eigenen. Seitdem der Sandsturm sie überrascht hatte und er darauf vertrauen musste, dass das Tier auch ohne Zügelführung einen Weg aus dieser Hölle herausfinden würde, schien es zielstrebig seinen Instinkten gefolgt zu sein. Und wenn ihm nicht gerade eine Fata Morgana ein Trugbild vorgaukelte, war es dem Mustang tatsächlich gelungen, sie zu retten.
Vor Jeremie Schadnosts Augen tauchten Häuserschemen auf. Flache Schuppen wechselten sich mit doppelgeschossigen Gebäuden ab. Dazwischen führte der Weg hindurch, auf den sein Pferd gerade die Hufe setzte. Das vielbesungene Spieler-Eldorado konnte das hier zwar nicht sein, dafür wohl eher ein Präriekaff, in dem sich die harten Jungs mit ihren Colts noch immer gegenseitig in die Hölle schickten. Doch egal, als was es sich an einem Tag mit freundlicherem Wetter entpuppen würde, in diesem Moment hielt es Jeremie Schadnost für das Paradies, denn es verhieß endlich wieder menschliche Gesellschaft, Zivilisation, Komfort und … einen Saloon.
Dorthin wäre Jeremie Schadnost am liebsten sofort geritten. Aber bevor er an ein eigenes denken konnte, schuldetet er seinem Pferd ein ausgiebiges „Besäufnis“. Also ließ er sich von dem wackeren Tier zur Pferdetränke tragen, wo es seinen Nüstern in den Trog mit dem kühlen Nass senkte, sobald Jeremie Schadnost aus dem Sattel gerutscht war. Noch wacklig auf den Beinen lockerte er den Sattelgurt. Am liebsten hätte er seinen Kopf auch in das Wasser gesteckt, da er jedoch nicht wie ein begossener Pudel im Saloon erscheinen wollte, unterdrückte er dieses Verlangen.
Mit dem Reittier im Schlepptau legte er den Weg bis zum Saloon zu Fuß zurück. Ohne die Schmerzen im Hinterteil wäre er vielleicht wieder auf den Pferderücken geklettert, aber so sah er sich gezwungen, seinen Allerwertesten zu schonen.
Vor dem Saloon klopfte er sich den gröbsten Dreck aus der Kluft und schob sich schließlich, in eine Staubwolke gehüllt, durch die Pendeltür. Dem Barkeeper mussten Jeremie Schadnosts Bemühungen, den Präriesand loszuwerden, wie eine Bestellung vorgekommen sein, denn dem neuen Gast kam schon ein randvoll gefülltes Bierglas auf dem Tresen entgegengeschlittert, kaum, dass die zwei Flügel der Tür zurückgeschwungen waren. Die Augenpaare der bereits Anwesenden verfolgten, wie Jeremie Schadnost das Glas mit wenigen Schlucken leerte und gleich darauf nach einem weiteren verlangte.
Als er das Kratzen in seiner Kehle endlich weggespült hatte, wanderte sein Blick durch den Raum. Erstaunlicherweise hockten nur weibliche Gäste auf den Stühlen. Wobei hocken vielleicht nicht ganz der Wahrheit entsprach, präsentieren schien zutreffender zu sein. Auch ihre Garderoben wirkten nicht gleich fehl am Platz, in dieser Umgebung jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.
Jeremie Schadnosts Schluckreiz setzte erneut ein. Diesmal peinigte ihn aber kein Durst, sondern er musste die aufwallenden Gefühle, die die Gilde der leichtbeschürzten Damen in ihm weckten, im Zaum halten. Wieder breitete sich in seinem Kopf der Gedanke an ein Paradies aus.
Eine besonders üppige Blondine suchte schließlich seine Nähe. Sie nestelte ihm den Gürtel mit dem Holster von den Hüften. „So einen Colt brauchst du hier nicht“, säuselte sie ihm dabei ins Ohr. Ihre Mitstreiterin, der sie die Cowboy-Artillerie in die Hände drückte, strich über die im Gürtel steckenden Patronen. „Hoffentlich ist dein anderes Schießeisen auch gut geladen?“ Eine dritte Schönheit angelte sich seinen Hut. „Oben ohne gefällst du mir viel besser.“ Die vierte Dame, die unverhohlenes Interesse an ihm zeigte, gewährte ihm einen tiefen Einblick in ihr Dekolleté, bevor sie sich seiner Chaps bemächtigte.
Nun dauerte es nicht mehr lange, bis sich auch Liebhaberinnen seiner Hosen, seiner Weste und seines Hemds fanden. Sie alle bemühten sich mit eindeutigen Komplimenten und zweideutigen Posen, Jeremie Schadnosts Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Als er jetzt, nur noch vom Cowboy-Strampler verhüllt, von den Kriegerinnen der Wollust umzingelt wurde, fühlte er sich wie General Custer am Little Bighorn. Ihm schwante, dass sein Pulver niemals ausreichen würde, die Damen in Schach zu halten. Jede der Kombattantinnen machte den Eindruck, ihn mühelos aufs Kreuz legen und besiegen zu können.
Diese Erkenntnis zwang ihn, einen innerlichen Strategiewechsel vorzunehmen. Wobei er einen Überraschungsangriff oder Verhandlungen nicht mehr in Erwägung ziehen musste. Alles lief auf einen Rückzug hinaus. Egal, ob der als geordnetes Manöver vonstattengehen würde oder in einer heillosen Flucht endete, wichtig war nur, dass er die Beine in die Hand nahm.
Um etwas Verwirrung zu stiften, riss er der Hutliebhaberin seine Kopfbedeckung von den Haaren, was diese mit einem lasziven Quieken quittierte. Wie von Jeremie Schadnost erhofft, schien die Meute für einen Augenblick abgelenkt zu sein. Er schwang seinen vom langen Reiten malträtierten Hintern auf den Tresen und gelangte mit einer 180-Grad-Wende hinter die Theke.
Zwar stürzte sich jetzt auch der Barkeeper auf ihn, doch den konnte er mit einem Kinnhaken außer Gefecht setzen. Anschließend stürmte er zu Tür. In drei Sprüngen war er bei seinem Pferd. Beim Aufsteigen wäre ihm beinah der gelockerte Sattelgurt zum Verhängnis geworden, doch irgendwie schaffte er es nach oben. Er schnalzte das Tier in den Galopp und rettete sich in die Prärie.
Aus dem Saloon drängte sich eine Schar lachender Frauen. Sie begleiteten sein Verschwinden mit Johlen, Pfeifen und Händeklatschen. So einen Spaß hatten sie lange nicht mehr erlebt.
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Die Überlebenssinne seines Pferdes erwiesen sich in dieser unwirtlichen Umgebung als weitaus ausgeprägter als seine eigenen. Seitdem der Sandsturm sie überrascht hatte und er darauf vertrauen musste, dass das Tier auch ohne Zügelführung einen Weg aus dieser Hölle herausfinden würde, schien es zielstrebig seinen Instinkten gefolgt zu sein. Und wenn ihm nicht gerade eine Fata Morgana ein Trugbild vorgaukelte, war es dem Mustang tatsächlich gelungen, sie zu retten.
Vor Jeremie Schadnosts Augen tauchten Häuserschemen auf. Flache Schuppen wechselten sich mit doppelgeschossigen Gebäuden ab. Dazwischen führte der Weg hindurch, auf den sein Pferd gerade die Hufe setzte. Das vielbesungene Spieler-Eldorado konnte das hier zwar nicht sein, dafür wohl eher ein Präriekaff, in dem sich die harten Jungs mit ihren Colts noch immer gegenseitig in die Hölle schickten. Doch egal, als was es sich an einem Tag mit freundlicherem Wetter entpuppen würde, in diesem Moment hielt es Jeremie Schadnost für das Paradies, denn es verhieß endlich wieder menschliche Gesellschaft, Zivilisation, Komfort und … einen Saloon.
Dorthin wäre Jeremie Schadnost am liebsten sofort geritten. Aber bevor er an ein eigenes denken konnte, schuldetet er seinem Pferd ein ausgiebiges „Besäufnis“. Also ließ er sich von dem wackeren Tier zur Pferdetränke tragen, wo es seinen Nüstern in den Trog mit dem kühlen Nass senkte, sobald Jeremie Schadnost aus dem Sattel gerutscht war. Noch wacklig auf den Beinen lockerte er den Sattelgurt. Am liebsten hätte er seinen Kopf auch in das Wasser gesteckt, da er jedoch nicht wie ein begossener Pudel im Saloon erscheinen wollte, unterdrückte er dieses Verlangen.
Mit dem Reittier im Schlepptau legte er den Weg bis zum Saloon zu Fuß zurück. Ohne die Schmerzen im Hinterteil wäre er vielleicht wieder auf den Pferderücken geklettert, aber so sah er sich gezwungen, seinen Allerwertesten zu schonen.
Vor dem Saloon klopfte er sich den gröbsten Dreck aus der Kluft und schob sich schließlich, in eine Staubwolke gehüllt, durch die Pendeltür. Dem Barkeeper mussten Jeremie Schadnosts Bemühungen, den Präriesand loszuwerden, wie eine Bestellung vorgekommen sein, denn dem neuen Gast kam schon ein randvoll gefülltes Bierglas auf dem Tresen entgegengeschlittert, kaum, dass die zwei Flügel der Tür zurückgeschwungen waren. Die Augenpaare der bereits Anwesenden verfolgten, wie Jeremie Schadnost das Glas mit wenigen Schlucken leerte und gleich darauf nach einem weiteren verlangte.
Als er das Kratzen in seiner Kehle endlich weggespült hatte, wanderte sein Blick durch den Raum. Erstaunlicherweise hockten nur weibliche Gäste auf den Stühlen. Wobei hocken vielleicht nicht ganz der Wahrheit entsprach, präsentieren schien zutreffender zu sein. Auch ihre Garderoben wirkten nicht gleich fehl am Platz, in dieser Umgebung jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.
Jeremie Schadnosts Schluckreiz setzte erneut ein. Diesmal peinigte ihn aber kein Durst, sondern er musste die aufwallenden Gefühle, die die Gilde der leichtbeschürzten Damen in ihm weckten, im Zaum halten. Wieder breitete sich in seinem Kopf der Gedanke an ein Paradies aus.
Eine besonders üppige Blondine suchte schließlich seine Nähe. Sie nestelte ihm den Gürtel mit dem Holster von den Hüften. „So einen Colt brauchst du hier nicht“, säuselte sie ihm dabei ins Ohr. Ihre Mitstreiterin, der sie die Cowboy-Artillerie in die Hände drückte, strich über die im Gürtel steckenden Patronen. „Hoffentlich ist dein anderes Schießeisen auch gut geladen?“ Eine dritte Schönheit angelte sich seinen Hut. „Oben ohne gefällst du mir viel besser.“ Die vierte Dame, die unverhohlenes Interesse an ihm zeigte, gewährte ihm einen tiefen Einblick in ihr Dekolleté, bevor sie sich seiner Chaps bemächtigte.
Nun dauerte es nicht mehr lange, bis sich auch Liebhaberinnen seiner Hosen, seiner Weste und seines Hemds fanden. Sie alle bemühten sich mit eindeutigen Komplimenten und zweideutigen Posen, Jeremie Schadnosts Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Als er jetzt, nur noch vom Cowboy-Strampler verhüllt, von den Kriegerinnen der Wollust umzingelt wurde, fühlte er sich wie General Custer am Little Bighorn. Ihm schwante, dass sein Pulver niemals ausreichen würde, die Damen in Schach zu halten. Jede der Kombattantinnen machte den Eindruck, ihn mühelos aufs Kreuz legen und besiegen zu können.
Diese Erkenntnis zwang ihn, einen innerlichen Strategiewechsel vorzunehmen. Wobei er einen Überraschungsangriff oder Verhandlungen nicht mehr in Erwägung ziehen musste. Alles lief auf einen Rückzug hinaus. Egal, ob der als geordnetes Manöver vonstattengehen würde oder in einer heillosen Flucht endete, wichtig war nur, dass er die Beine in die Hand nahm.
Um etwas Verwirrung zu stiften, riss er der Hutliebhaberin seine Kopfbedeckung von den Haaren, was diese mit einem lasziven Quieken quittierte. Wie von Jeremie Schadnost erhofft, schien die Meute für einen Augenblick abgelenkt zu sein. Er schwang seinen vom langen Reiten malträtierten Hintern auf den Tresen und gelangte mit einer 180-Grad-Wende hinter die Theke.
Zwar stürzte sich jetzt auch der Barkeeper auf ihn, doch den konnte er mit einem Kinnhaken außer Gefecht setzen. Anschließend stürmte er zu Tür. In drei Sprüngen war er bei seinem Pferd. Beim Aufsteigen wäre ihm beinah der gelockerte Sattelgurt zum Verhängnis geworden, doch irgendwie schaffte er es nach oben. Er schnalzte das Tier in den Galopp und rettete sich in die Prärie.
Aus dem Saloon drängte sich eine Schar lachender Frauen. Sie begleiteten sein Verschwinden mit Johlen, Pfeifen und Händeklatschen. So einen Spaß hatten sie lange nicht mehr erlebt.
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