Ein selbstbewusster Protagonist, wie es Jeremie Schadnost einer ist, lässt sich nicht aufs Kreuz legen. Schon gar nicht von einem sich für gewitzt haltenden Schreiberling.
„Behauptet ihr Schreiberlinge nicht immer, dass eure Charaktere ein Eigenleben führen und ihr das gut findet“, blaffte mich Jeremie Schadnost an. „Wenn dem so ist, dann akzeptiere gefälligst mein Nein als Antwort!“
Was sollte ich darauf erwidern? Ganz Unrecht hatte er ja nicht.
„Außerdem“, setzte er seine Argumentationsoffensive fort, „hast du mir in der letzten Episode meine Chance vermasselt, da erwartest du doch nicht ernsthaft, dass ich jetzt für dich die Kastanien aus dem Feuer hole?“ Das war das 2:0 für den streitbaren Jeremie Schadnost.
Jetzt wurde es höchste Zeit für mich, aus der Defensive zu kommen, sonst würde er mich mit einem zweistelligen Debakel vom Platz fegen. Da ich ihn noch im Unklaren darüber gelassen hatte, worum es bei der Sache überhaupt ging, konnte ich ja mal mit einem Bluff oder besser gesagt mit einer Drohung versuchen, ihn mir gewogener zu machen. „Weißt du was? Eigentlich muss ich mir dein Lamentieren gar nicht anhören. Ich brauch mich nur an den Laptop zu setzen und ein paar Zeilen in die Tastatur hämmern und schon tanzt du schön nach meiner Pfeife.“
„Du jämmerlicher Tyrann!“, schleuderte er mir daraufhin entgegen, was aus seinem Mund ziemlich merkwürdig klang, denn bisher hatte ich ihn nicht besonders sensibel auf die Befindlichkeiten seiner Mitprotas eingehen lassen. Eher musste er den Diktator mimen, dem außer seinem eigenen Wohlergehen nichts Anderes zu interessieren schien.
„Offenbar lässt du dich nur auf die harte Tour umstimmen“, begründete ich meine Einschüchterung.
Dann stellte er mir eine eigentlich harmlose Frage, die mich aber ins Schwitzen brachte, weil er damit unbewusst mein momentanes Problem berührte. „Wo hast du überhaupt deine Klimperkiste?“ Als ich die Antwort schuldig blieb, zog er daraus seine Schlussfolgerungen. „Ohne das Teil kannst du mir gar nichts vorschreiben und das im wahrsten Sinne des Wortes.“
Nun wurde es wohl für mich Zeit, Ross und Reiter zu benennen. „Meine Bitte an dich hängt mit dem Laptop zusammen. Er ist mir … abhandengekommen. Und ich bräuchte deine Unterstützung, um ihn zurückzuerlangen …“
„Kannst du es nicht noch etwas umständlicher formulieren, was du von mir willst?“, unterbrach er mich. „Sag einfach was los ist und ich erweise mich vielleicht als gnädig genug, dir aus dem Schlamassel herauszuhelfen.“
„Also, pass auf“, leitete ich meine Erklärung ein. „Der Laptop liegt im Auto. Dazu auch der Autoschlüssel, das vermute ich zumindest, weil ich ihn nirgends finden konnte Und das Auto ist zu. Ich komme nicht hinein.“
„Und ich soll dir die Karre jetzt wie einen Sesam öffnen“, schlussfolgerte Jeremie Schadnost daraufhin.
Damit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen, denn in meinem Kopf war ein Plan gereift, der ihn dafür ins Spiel brachte. Den galt es, ihm jetzt zu verklickern. „Ich habe mir folgendes gedacht: Da der Wagen vor einem Geschäft mit Werkstattbedarf steht, kaufst du dort einen Hammer und machst dabei ein bisschen Remmidemmi, sodass die Verkäuferinnen dich in Erinnerung behalten. Dann zertrümmerst du mit dem Hammer die Seitenscheibe meines Autos. In diesem Augenblick komme ich ZUFÄLLIG angelaufen und du verschwindest nachdem ich mit meinem Geschrei die Verkäuferinnen aus dem Laden gelockt habe. Gegenüber der Polizei und der Versicherung werden sie später bezeugen können, dass du der geflüchtete Täter warst. Nach der Aktion habe ich ein geöffnetes Auto und der Schaden hält sich in Grenzen. Außerdem lasse ich die Versicherung dafür bluten.“
„Ein genialer Plot. Du solltest Krimis schreiben!“ Das klang sehr nach einem vergifteten Lob, aber ich schluckte diese Kröte wortlos. „Ich möchte aber zu bedenken geben, dass ich bisher zwar als ziemlicher Taugenichts in deinen Geschichten agieren musste, aber eine grundehrliche Haut geblieben bin, die niemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Daran sollte sich auch nicht ändern, es sei denn …“
Er musste nicht weiterreden. Ich wusste schon, woher der Wind wehte und war natürlich darauf vorbereitet, dass er für die kleine „Gefälligkeit“ entschädigt werden wollte. „Wenn ich meinen Laptop wieder in den Händen halte, schreibe ich dir sofort eine Geschichte, die dich über den Herbst und Winter auf eine Südseeinsel schickt. Dort werden dich Sommer, Sonne, Sonnenschein und sehr zuvorkommende Einheimische verwöhnen.“
Er echote mein Angebot und ließ mich hoch und heilig schwören, dass ich zu meinen Worten stehen würde, egal wie die Sache ausging. Dabei konnte ich mir den bissigen Zusatz „Und ein Papagei wartet dort auch auf dich.“ nicht verkneifen.
Jeremie Schadnost schien mit dem Deal einverstanden zu sein, begann jetzt aber sehr auffällig in seinen Hosentaschen herumzukramen. Auch diese Geste wusste ich sofort zu deuten. Ich zückte mein Portemonnaie und angelte einen Hundert-Euro-Schein heraus. „Der ist für den Hammer und der Rest für deinen Urlaub“, erklärte ich mit säuerlicher Miene.
Als er sich das Geld schnappte und trotzdem weiter in seiner Hosentasche herumpflügte, schüttelte ich den Kopf: Mehr Taschengeld würde ich mir nicht abpressen lassen! Das schien auch nicht sein Ziel gewesen zu sein. Stattdessen zauberte er einen kleinen Gegenstand hervor, den er mit einem breiten Grinsen vor meinen Augen hin und her pendeln ließ. „Könnte das dein Autoschlüssel sein? Er ist dir vorhin aus der Tasche gerutscht …“
NÄCHSTE EPISODE >>>
„Behauptet ihr Schreiberlinge nicht immer, dass eure Charaktere ein Eigenleben führen und ihr das gut findet“, blaffte mich Jeremie Schadnost an. „Wenn dem so ist, dann akzeptiere gefälligst mein Nein als Antwort!“
Was sollte ich darauf erwidern? Ganz Unrecht hatte er ja nicht.
„Außerdem“, setzte er seine Argumentationsoffensive fort, „hast du mir in der letzten Episode meine Chance vermasselt, da erwartest du doch nicht ernsthaft, dass ich jetzt für dich die Kastanien aus dem Feuer hole?“ Das war das 2:0 für den streitbaren Jeremie Schadnost.
Jetzt wurde es höchste Zeit für mich, aus der Defensive zu kommen, sonst würde er mich mit einem zweistelligen Debakel vom Platz fegen. Da ich ihn noch im Unklaren darüber gelassen hatte, worum es bei der Sache überhaupt ging, konnte ich ja mal mit einem Bluff oder besser gesagt mit einer Drohung versuchen, ihn mir gewogener zu machen. „Weißt du was? Eigentlich muss ich mir dein Lamentieren gar nicht anhören. Ich brauch mich nur an den Laptop zu setzen und ein paar Zeilen in die Tastatur hämmern und schon tanzt du schön nach meiner Pfeife.“
„Du jämmerlicher Tyrann!“, schleuderte er mir daraufhin entgegen, was aus seinem Mund ziemlich merkwürdig klang, denn bisher hatte ich ihn nicht besonders sensibel auf die Befindlichkeiten seiner Mitprotas eingehen lassen. Eher musste er den Diktator mimen, dem außer seinem eigenen Wohlergehen nichts Anderes zu interessieren schien.
„Offenbar lässt du dich nur auf die harte Tour umstimmen“, begründete ich meine Einschüchterung.
Dann stellte er mir eine eigentlich harmlose Frage, die mich aber ins Schwitzen brachte, weil er damit unbewusst mein momentanes Problem berührte. „Wo hast du überhaupt deine Klimperkiste?“ Als ich die Antwort schuldig blieb, zog er daraus seine Schlussfolgerungen. „Ohne das Teil kannst du mir gar nichts vorschreiben und das im wahrsten Sinne des Wortes.“
Nun wurde es wohl für mich Zeit, Ross und Reiter zu benennen. „Meine Bitte an dich hängt mit dem Laptop zusammen. Er ist mir … abhandengekommen. Und ich bräuchte deine Unterstützung, um ihn zurückzuerlangen …“
„Kannst du es nicht noch etwas umständlicher formulieren, was du von mir willst?“, unterbrach er mich. „Sag einfach was los ist und ich erweise mich vielleicht als gnädig genug, dir aus dem Schlamassel herauszuhelfen.“
„Also, pass auf“, leitete ich meine Erklärung ein. „Der Laptop liegt im Auto. Dazu auch der Autoschlüssel, das vermute ich zumindest, weil ich ihn nirgends finden konnte Und das Auto ist zu. Ich komme nicht hinein.“
„Und ich soll dir die Karre jetzt wie einen Sesam öffnen“, schlussfolgerte Jeremie Schadnost daraufhin.
Damit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen, denn in meinem Kopf war ein Plan gereift, der ihn dafür ins Spiel brachte. Den galt es, ihm jetzt zu verklickern. „Ich habe mir folgendes gedacht: Da der Wagen vor einem Geschäft mit Werkstattbedarf steht, kaufst du dort einen Hammer und machst dabei ein bisschen Remmidemmi, sodass die Verkäuferinnen dich in Erinnerung behalten. Dann zertrümmerst du mit dem Hammer die Seitenscheibe meines Autos. In diesem Augenblick komme ich ZUFÄLLIG angelaufen und du verschwindest nachdem ich mit meinem Geschrei die Verkäuferinnen aus dem Laden gelockt habe. Gegenüber der Polizei und der Versicherung werden sie später bezeugen können, dass du der geflüchtete Täter warst. Nach der Aktion habe ich ein geöffnetes Auto und der Schaden hält sich in Grenzen. Außerdem lasse ich die Versicherung dafür bluten.“
„Ein genialer Plot. Du solltest Krimis schreiben!“ Das klang sehr nach einem vergifteten Lob, aber ich schluckte diese Kröte wortlos. „Ich möchte aber zu bedenken geben, dass ich bisher zwar als ziemlicher Taugenichts in deinen Geschichten agieren musste, aber eine grundehrliche Haut geblieben bin, die niemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Daran sollte sich auch nicht ändern, es sei denn …“
Er musste nicht weiterreden. Ich wusste schon, woher der Wind wehte und war natürlich darauf vorbereitet, dass er für die kleine „Gefälligkeit“ entschädigt werden wollte. „Wenn ich meinen Laptop wieder in den Händen halte, schreibe ich dir sofort eine Geschichte, die dich über den Herbst und Winter auf eine Südseeinsel schickt. Dort werden dich Sommer, Sonne, Sonnenschein und sehr zuvorkommende Einheimische verwöhnen.“
Er echote mein Angebot und ließ mich hoch und heilig schwören, dass ich zu meinen Worten stehen würde, egal wie die Sache ausging. Dabei konnte ich mir den bissigen Zusatz „Und ein Papagei wartet dort auch auf dich.“ nicht verkneifen.
Jeremie Schadnost schien mit dem Deal einverstanden zu sein, begann jetzt aber sehr auffällig in seinen Hosentaschen herumzukramen. Auch diese Geste wusste ich sofort zu deuten. Ich zückte mein Portemonnaie und angelte einen Hundert-Euro-Schein heraus. „Der ist für den Hammer und der Rest für deinen Urlaub“, erklärte ich mit säuerlicher Miene.
Als er sich das Geld schnappte und trotzdem weiter in seiner Hosentasche herumpflügte, schüttelte ich den Kopf: Mehr Taschengeld würde ich mir nicht abpressen lassen! Das schien auch nicht sein Ziel gewesen zu sein. Stattdessen zauberte er einen kleinen Gegenstand hervor, den er mit einem breiten Grinsen vor meinen Augen hin und her pendeln ließ. „Könnte das dein Autoschlüssel sein? Er ist dir vorhin aus der Tasche gerutscht …“
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