Zur Verbitterung neigt Jeremie Schadnost nicht. Was ihm in der letzten Episode angetan wurde, hat ihm jedoch ziemlich die Laune verhagelt. Entsprechend gereizt nutzt er die Gelegenheit, sich für das Ungemach revanchieren zu können.
Erst Karibikflair. Dann eine mörderische „Achterbahnfahrt“, an deren Ende die Südseesonne scheinen sollte. Zu guter Letzt die Ankunft in einer Schneewehe. Wer hätte nach einem solchen Reisemarathon nicht die Faxen dicke? Und wer hätte danach nicht große Lust, dem Verursacher dieses Tohuwabohus eine Lektion zu erteilen, wenn ihm die Chance dazu geboten wurde?
Jeremie Schadnost durfte sich innerlich auf die Schultern klopfen, denn ihm, dem Pechvogel von eben, schien plötzlich ein Glücksstern, in dessen Licht er seine Rückreise fortsetzte. Sie endete nicht auf seiner tiefverschneiten Partyterrasse, sondern führte ihn geradewegs ins Arbeitszimmer des Tintenklecksers. Dort stach ihn sofort dessen Laptop ins Auge. Aufgeklappt stand er auf dem Schreibtisch. Das Blinken des Cursors in einem leeren Textdokument zog Jeremie Schadnost magisch an. Wenn das keine Einladung dazu war, eine Story in die Tasten zu hauen, in der der Tintenkleckser als Protagonist das gleiche Elend erleben durfte, in das er Jeremie Schadnost beständig stürzte?
Zum Glück verstand Jeremie Schadnost ein wenig von der Technik. Dass er statt mit zehn Fingern nur mit zweien über der Tastatur kreisen würde und anfangs erst einmal auf Buchstabensuche gehen musste, um überhaupt ein paar Wörter zusammen zu tippen, trübte nicht im Geringsten das Hochgefühl, endlich in die Rolle des Racheengels schlüpfen zu können. Schon der Gedanke Gleiches mit Gleichem zu vergelten, versetzte ihn in Euphorie. In seinem Kopf überschlugen sich die Ideen, welche schaurigen Wege er dabei beschreiten würde.
Da er vorausahnte, dass er in diese Sache mehr als 20 Minuten Zeit investieren müsste, schaute er sich erst einmal um, ob sich irgendetwas Trinkbares organisieren ließe.
Am liebsten wäre ihm ein großer Pott Kaffee gewesen. Aber zum Anrichten eines solchen Getränkes fehlte es an Equipment und den nötigen Zutaten. Zumindest vermochte er nichts Brauchbares dafür ausfindig zu machen. Bei seiner Suche stieß er allerdings auf einen Kühlschrank, der einen gewissen Vorrat an Bier barg. Hier angelte er sich eine Flasche heraus und begab sich zurück zum Schreibtisch, auf dem der Laptop schnurrte. Nach einem kräftigen Schluck Gerstensaft und einer gewissen Fingerakrobatik, die die Gelenke zum Knacken brachte, fühlte er sich bereit, das Revanchefoul in die Tat umzusetzen.
Seine Augen suchten das „E“ auf der Tastatur. Die Geschichte sollte mit dem typischen Satz beginnen, der in Märchen einführte. Als er das Versal entdeckt hatte und sich der Zeigefinger bereits herabsenkte, hielt er plötzlich inne. Zweifel überkamen ihn, ob der von ihm geplante Einstieg nicht zu infantil wirken könnte. Überhaupt empfand er die Version der Story, die ihm eben noch vorschwebte, plötzlich als ziemlich albern, völlig ungeeignet, um als Bestrafung zu dienen. Er musste umdisponieren. Die nächste Idee rückte in den Fokus, endete aber genauso wie die vorangegangene. Dieses Procedere setzte sich fort, bis sein Kopf so leer war, wie das Dokument auf dem Bildschirm. Weshalb sich außer dem Blinken des Cursors dort nichts tat.
Ein fataler Zustand. Diese Gelegenheit konnte, ja durfte, ihm doch nicht so einfach aus den Händen gleiten! In seiner Verzweiflung suchte er nach Lösungen, gewann aber letztendlich die Einsicht, dass er selber zum hilflosen Akteur degradiert worden war. Andere müssten für ihn einspringen! An diesen Gedanken klammerte er sich wie an einen Strohhalm. Und das fragile Objekt erfüllte tatsächlich seinen Zweck. Ihm kam in den Sinn, wer diese anderen sein sollten. Die Rolle war nur für die drei Leichtmatrosen bestimmt, die in ihrem Kahn über den „Fluss der Fantasie“ schippern mussten. Ihnen spielte der Tintenkleckser genauso übel mit, wie Jeremie Schadnost.
Bessere Verbündete konnte er sich nicht wünschen! Nach mehrfachen Klicken entdeckte er auf dem Laptop auch eine Datei, mit deren Hilfe sich das Trio herbeiriefen ließ.
Ihren Gesichtern nach zu urteilen, schien sie der Ortswechsel gehörig zu verwirren, als sie so ohne Vorwarnung plötzlich in der Schreibstube anlandeten. Doch Jeremie Schadnost schnarrte umgehend eine Erklärung herunter, die ihnen die Situation beschrieb. Sir Alfried und Harold waren sofort Feuer und Flamme, als sie hörten, zu welcher „Schandtat“ sie hierher gerufen worden waren. Nur Clarissa zierte sich. Ihr schien es peinlich zu sein, so hinterhältig agieren zu sollen. Deshalb weigerte sie sich wahrscheinlich auch, die Geschichte mit ihren Gemeinheiten zu bereichern. Immerhin übernahm sie aber den Job der Tippse, als sie sah, wie hilflos Jeremie Schadnosts Finger über der Tastatur kreisten. Egal, was ihr die drei Racheengel zuriefen, im Nu verwandelten es ihre zehn Finger in Sätze. Dabei formulierte Clarissa das Kauderwelsch auch noch in lesbaren Text um, und bewahrte den Protagonisten durch einige kleine Änderungen zudem vor zu schlimmen Ungemach.
Irgendwann geschah, was geschehen musste, der Tintenkleckser kehrte in sein Büro zurück. Clarissa hatte gerade den gesamten Text aktiviert, um die Schriftart zu wechseln. Die Vier zuckten zusammen, als die Tür so unvermittelt hinter ihnen aufgerissen wurde. Clarissa drehte sich herum. Harold machte einen Schritt nach vorn. Sir Alfried sprang zur Seite. Dabei rempelte er Jeremie Schadnost an, der ins Straucheln geriet. Seine Hände suchten nach Halt. Den fanden sie auf der Tastatur. Es machte „Klack“ als fast alle Tasten im selben Moment gedrückt wurden. Auf dem Bildschirm verabschiedete sich der aktivierte Text. Alsdann verkündete ein Rattern, dass die Festplatte mit der Neuformatierung begann.
Was sich danach abspielte, gehört in eine andere Geschichte …
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Erst Karibikflair. Dann eine mörderische „Achterbahnfahrt“, an deren Ende die Südseesonne scheinen sollte. Zu guter Letzt die Ankunft in einer Schneewehe. Wer hätte nach einem solchen Reisemarathon nicht die Faxen dicke? Und wer hätte danach nicht große Lust, dem Verursacher dieses Tohuwabohus eine Lektion zu erteilen, wenn ihm die Chance dazu geboten wurde?
Jeremie Schadnost durfte sich innerlich auf die Schultern klopfen, denn ihm, dem Pechvogel von eben, schien plötzlich ein Glücksstern, in dessen Licht er seine Rückreise fortsetzte. Sie endete nicht auf seiner tiefverschneiten Partyterrasse, sondern führte ihn geradewegs ins Arbeitszimmer des Tintenklecksers. Dort stach ihn sofort dessen Laptop ins Auge. Aufgeklappt stand er auf dem Schreibtisch. Das Blinken des Cursors in einem leeren Textdokument zog Jeremie Schadnost magisch an. Wenn das keine Einladung dazu war, eine Story in die Tasten zu hauen, in der der Tintenkleckser als Protagonist das gleiche Elend erleben durfte, in das er Jeremie Schadnost beständig stürzte?
Zum Glück verstand Jeremie Schadnost ein wenig von der Technik. Dass er statt mit zehn Fingern nur mit zweien über der Tastatur kreisen würde und anfangs erst einmal auf Buchstabensuche gehen musste, um überhaupt ein paar Wörter zusammen zu tippen, trübte nicht im Geringsten das Hochgefühl, endlich in die Rolle des Racheengels schlüpfen zu können. Schon der Gedanke Gleiches mit Gleichem zu vergelten, versetzte ihn in Euphorie. In seinem Kopf überschlugen sich die Ideen, welche schaurigen Wege er dabei beschreiten würde.
Da er vorausahnte, dass er in diese Sache mehr als 20 Minuten Zeit investieren müsste, schaute er sich erst einmal um, ob sich irgendetwas Trinkbares organisieren ließe.
Am liebsten wäre ihm ein großer Pott Kaffee gewesen. Aber zum Anrichten eines solchen Getränkes fehlte es an Equipment und den nötigen Zutaten. Zumindest vermochte er nichts Brauchbares dafür ausfindig zu machen. Bei seiner Suche stieß er allerdings auf einen Kühlschrank, der einen gewissen Vorrat an Bier barg. Hier angelte er sich eine Flasche heraus und begab sich zurück zum Schreibtisch, auf dem der Laptop schnurrte. Nach einem kräftigen Schluck Gerstensaft und einer gewissen Fingerakrobatik, die die Gelenke zum Knacken brachte, fühlte er sich bereit, das Revanchefoul in die Tat umzusetzen.
Seine Augen suchten das „E“ auf der Tastatur. Die Geschichte sollte mit dem typischen Satz beginnen, der in Märchen einführte. Als er das Versal entdeckt hatte und sich der Zeigefinger bereits herabsenkte, hielt er plötzlich inne. Zweifel überkamen ihn, ob der von ihm geplante Einstieg nicht zu infantil wirken könnte. Überhaupt empfand er die Version der Story, die ihm eben noch vorschwebte, plötzlich als ziemlich albern, völlig ungeeignet, um als Bestrafung zu dienen. Er musste umdisponieren. Die nächste Idee rückte in den Fokus, endete aber genauso wie die vorangegangene. Dieses Procedere setzte sich fort, bis sein Kopf so leer war, wie das Dokument auf dem Bildschirm. Weshalb sich außer dem Blinken des Cursors dort nichts tat.
Ein fataler Zustand. Diese Gelegenheit konnte, ja durfte, ihm doch nicht so einfach aus den Händen gleiten! In seiner Verzweiflung suchte er nach Lösungen, gewann aber letztendlich die Einsicht, dass er selber zum hilflosen Akteur degradiert worden war. Andere müssten für ihn einspringen! An diesen Gedanken klammerte er sich wie an einen Strohhalm. Und das fragile Objekt erfüllte tatsächlich seinen Zweck. Ihm kam in den Sinn, wer diese anderen sein sollten. Die Rolle war nur für die drei Leichtmatrosen bestimmt, die in ihrem Kahn über den „Fluss der Fantasie“ schippern mussten. Ihnen spielte der Tintenkleckser genauso übel mit, wie Jeremie Schadnost.
Bessere Verbündete konnte er sich nicht wünschen! Nach mehrfachen Klicken entdeckte er auf dem Laptop auch eine Datei, mit deren Hilfe sich das Trio herbeiriefen ließ.
Ihren Gesichtern nach zu urteilen, schien sie der Ortswechsel gehörig zu verwirren, als sie so ohne Vorwarnung plötzlich in der Schreibstube anlandeten. Doch Jeremie Schadnost schnarrte umgehend eine Erklärung herunter, die ihnen die Situation beschrieb. Sir Alfried und Harold waren sofort Feuer und Flamme, als sie hörten, zu welcher „Schandtat“ sie hierher gerufen worden waren. Nur Clarissa zierte sich. Ihr schien es peinlich zu sein, so hinterhältig agieren zu sollen. Deshalb weigerte sie sich wahrscheinlich auch, die Geschichte mit ihren Gemeinheiten zu bereichern. Immerhin übernahm sie aber den Job der Tippse, als sie sah, wie hilflos Jeremie Schadnosts Finger über der Tastatur kreisten. Egal, was ihr die drei Racheengel zuriefen, im Nu verwandelten es ihre zehn Finger in Sätze. Dabei formulierte Clarissa das Kauderwelsch auch noch in lesbaren Text um, und bewahrte den Protagonisten durch einige kleine Änderungen zudem vor zu schlimmen Ungemach.
Irgendwann geschah, was geschehen musste, der Tintenkleckser kehrte in sein Büro zurück. Clarissa hatte gerade den gesamten Text aktiviert, um die Schriftart zu wechseln. Die Vier zuckten zusammen, als die Tür so unvermittelt hinter ihnen aufgerissen wurde. Clarissa drehte sich herum. Harold machte einen Schritt nach vorn. Sir Alfried sprang zur Seite. Dabei rempelte er Jeremie Schadnost an, der ins Straucheln geriet. Seine Hände suchten nach Halt. Den fanden sie auf der Tastatur. Es machte „Klack“ als fast alle Tasten im selben Moment gedrückt wurden. Auf dem Bildschirm verabschiedete sich der aktivierte Text. Alsdann verkündete ein Rattern, dass die Festplatte mit der Neuformatierung begann.
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