Die in der vorangegangenen Episode gemaßregelten vier Protas schlagen zurück. Dafür wird Sir Alfried ins Rennen geschickt.
Die vier Greise, die sich im Rettungswagen auf dem Weg in ein Seniorenheim befanden, erlebten eine seltsame Wandlung. Je weiter sie das Fahrzeug vom Ort der Oldieparty wegbrachte, desto mehr Jahre fielen von ihnen ab. Als der Fahrer endlich auf die Bremse trat und sie vor dem Eingang der Einrichtung zum Stehen kamen, erinnerten nur noch die vier Rollatoren daran, welch betagte Patienten beim Abholen in das Fahrzeug verfrachtet worden waren. Die Betroffenen selbst erfreuten sich dagegen einer vitalen Jugend oder zumindest fühlten sie sich fit wie die Turnschuhe.
Dem Rettungssanitäter, der sich der Greise annehmen wollte, klappte der Unterkiefer nach unten, als plötzlich ihm fast Gleichaltrige aus dem Wagen gesprungen kamen.
„Was haben Sie mit den vier alten Herrschaften angestellt?“, schaffte er noch zu fragen, bevor er zur Seite gedrängt wurde und sich seine vier Fahrgäste aus dem Staube machten. Clarissa, Harold, Sir Alfried und Jeremie Schadnost hatten sich darauf geeinigt, schleunigst die Flucht zu ergreifen, sobald sich ihnen die Gelegenheit dazu bot. Denn der Versuch ihren Verjüngungsprozess zu erklären, hätte wahrscheinlich nur dazu geführt, dass sie von der Altenstation zu einer anderen Fakultät verlegt worden wären.
Das Überraschungsmoment gehörte von Anfang an zu ihrem Reisaus-Plan. Und es funktionierte. Niemand hielt sie auf. Nach einem fünfminütigen Sprint, den sie mit zittrigen Beinen und bebenden Brustkörben beendeten, waren sie zudem in Sicherheit. Zur Oldieparty zurückzukehren, hätte wohl wenig Sinn gehabt, weil da vielleicht noch andere unliebsame Überraschungen auf sie warteten.
Also entschlossen sie sich, in Jeremie Schadnosts Anwesen einzuchecken. Dort angekommen, schimpften sie sich erst einmal den Frust von der Leber. Clarissa wies darauf hin, dass sie gleich nach dem Erhalt der Einladung vor einem Racheakt des Tintenklecksers gewarnt hatte, während die Anderen blauäugig in das Verderben getorkelt waren.
Natürlich bestritten die Herren der Schöpfung diese pauschale Schuldzuweisung. Jeder behauptete, ebenfalls diese Gefahr gewittert zu haben. Als sie kurz davorstanden, einen ernsthaften Streit vom Zaune zu brechen, schlug Sir Alfried mit der Faust auf den Tisch. „Schluss mit dem Gezeter!“, verlangte er. „Lasset uns einen Plan schmieden, um Genugtuung zu finden.“
In das daraufhin entstandene Schweigen platzte Clarissa: „Ich weiß nicht, ob wir die Auseinandersetzung weiter anheizen sollten? Irgendwann müssen wir Frieden schließen.“
Harold schloss sich ihrer Ansicht an.
Jeremie Schadnost druckste herum, wollte weder „Ja“ noch „Nein“ sagen.
Lediglich Sir Alfried blieb bei seiner Meinung. „Nimmer gebe ich klein bei! Möget Ihr Euch auch feige verbergen, so werde ich doch den Fehdehandschuh werfen und den Tintenkleckser zum Duell fordern. In der Kampfbahn gedenke ich, mich mit ihm hoch zu Ross mit Lanze und Schwert zu messen.“
Zwar versuchten die „zivilisierten“ Drei, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, aber Sir Alfrieds Dickkopf widersetzte sich jeglichen Argumenten.
So geschah es, dass dem Tintenkleckser die Fehde erklärt wurde. Ein Duell war nun unvermeidlich. Hier galt es für ihn, Würde zu zeigen. Kneifen kam nicht infrage. Sir Alfried schlug die Waffen vor, besaß aber die Noblesse, seinem Gegner die Wahl zu lassen, mit welcher Wehr der Strauß letztendlich ausgefochten werden sollte.
Als belesener Zeitgenosse kannte der Tintenkleckser natürlich die Bewaffnung der mittelalterlichen Ritterschaft und wusste leider auch, wie solches Aufeinandereindreschen auszugehen pflegte. Trotzdem entschied er sich, Sir Alfrieds Rüstungs-Wunsch zu entsprechen. Mit (geringfügigen) Änderungen …
Eine blasse Wintersonne beschien die Walstatt. Clarissa fröstelte auf der Tribüne. Als einzige Zuschauer außer ihr hockten fünf Geier – vielleicht waren es auch Krähen – im kahlen Geäst einer Eiche. Jeremie Schadnost und Harold hatten sich als Knappen verdingt. Wobei Jeremie Schadnost die undankbare Rolle zufiel, dem Tintenkleckser dienstbar zu sein.
Noch zeigte sich die Kampfbahn verwaist, ruhte in Stille, doch bald würde der Kampflärm ihren friedlichen Schlummer beenden. Im Lager des Tintenklecksers brach Hektik aus. Sein Knappe begann, ihn zu rüsten. Aus Mangel an brauchbaren Streitrössern klemmte sich der Tintenkleckser einen Hofbesen zwischen die Beine. Als Schild diente ihm der verbeulte Deckel eines transportablen Kessels. Die Lanze entpuppte sich als nagelneuer Besenstiel und über den Kopf stülpte er sich einen Pappkarton, in dessen Vorderseite zwei Gucklöcher für die Augen gebohrt waren. Derartig gewappnet, bezog er seine Position.
Auf der gegenüberliegenden Seite rüstete sich Sir Alfried, unterstütz von Harold, mit den gleichen Utensilien. Allerdings zeterte er die ganze Zeit, ob der Verhohnepipelung ritterlicher Tugenden. Dennoch bestand er darauf, zu Mylady Clarissas Loge zu „reiten“, wo er sie bat, seine „Lanze“ mit ihrem Tuch zu schmücken, was sie auch tat. Sodann nahm auch er seine Position ein.
Der Herold, in dessen Rolle Jeremie Schadnost zusätzlich schlüpfen musste, vergewisserte sich, dass beide Kempen, den Regeln entsprechend, für die Fehde vorbereitet waren. Dann trat er in die Mitte der Kampfbahn und reckte den Arm mit der Flagge in die Höhe. Als er den Arm abrupt nach unten riss und „Nun kämpfet!“ in den kalten Wintertag schrie, krächzten die „Geier“ im Eichengeäst freudig auf. Sie erhofften sich wohl ein fürstliches Mahl. Clarissa entwich ein Seufzer und die beiden „Möchtegern-Ritter“ trieben ihre „Schlachtrösser“ voran.
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Die vier Greise, die sich im Rettungswagen auf dem Weg in ein Seniorenheim befanden, erlebten eine seltsame Wandlung. Je weiter sie das Fahrzeug vom Ort der Oldieparty wegbrachte, desto mehr Jahre fielen von ihnen ab. Als der Fahrer endlich auf die Bremse trat und sie vor dem Eingang der Einrichtung zum Stehen kamen, erinnerten nur noch die vier Rollatoren daran, welch betagte Patienten beim Abholen in das Fahrzeug verfrachtet worden waren. Die Betroffenen selbst erfreuten sich dagegen einer vitalen Jugend oder zumindest fühlten sie sich fit wie die Turnschuhe.
Dem Rettungssanitäter, der sich der Greise annehmen wollte, klappte der Unterkiefer nach unten, als plötzlich ihm fast Gleichaltrige aus dem Wagen gesprungen kamen.
„Was haben Sie mit den vier alten Herrschaften angestellt?“, schaffte er noch zu fragen, bevor er zur Seite gedrängt wurde und sich seine vier Fahrgäste aus dem Staube machten. Clarissa, Harold, Sir Alfried und Jeremie Schadnost hatten sich darauf geeinigt, schleunigst die Flucht zu ergreifen, sobald sich ihnen die Gelegenheit dazu bot. Denn der Versuch ihren Verjüngungsprozess zu erklären, hätte wahrscheinlich nur dazu geführt, dass sie von der Altenstation zu einer anderen Fakultät verlegt worden wären.
Das Überraschungsmoment gehörte von Anfang an zu ihrem Reisaus-Plan. Und es funktionierte. Niemand hielt sie auf. Nach einem fünfminütigen Sprint, den sie mit zittrigen Beinen und bebenden Brustkörben beendeten, waren sie zudem in Sicherheit. Zur Oldieparty zurückzukehren, hätte wohl wenig Sinn gehabt, weil da vielleicht noch andere unliebsame Überraschungen auf sie warteten.
Also entschlossen sie sich, in Jeremie Schadnosts Anwesen einzuchecken. Dort angekommen, schimpften sie sich erst einmal den Frust von der Leber. Clarissa wies darauf hin, dass sie gleich nach dem Erhalt der Einladung vor einem Racheakt des Tintenklecksers gewarnt hatte, während die Anderen blauäugig in das Verderben getorkelt waren.
Natürlich bestritten die Herren der Schöpfung diese pauschale Schuldzuweisung. Jeder behauptete, ebenfalls diese Gefahr gewittert zu haben. Als sie kurz davorstanden, einen ernsthaften Streit vom Zaune zu brechen, schlug Sir Alfried mit der Faust auf den Tisch. „Schluss mit dem Gezeter!“, verlangte er. „Lasset uns einen Plan schmieden, um Genugtuung zu finden.“
In das daraufhin entstandene Schweigen platzte Clarissa: „Ich weiß nicht, ob wir die Auseinandersetzung weiter anheizen sollten? Irgendwann müssen wir Frieden schließen.“
Harold schloss sich ihrer Ansicht an.
Jeremie Schadnost druckste herum, wollte weder „Ja“ noch „Nein“ sagen.
Lediglich Sir Alfried blieb bei seiner Meinung. „Nimmer gebe ich klein bei! Möget Ihr Euch auch feige verbergen, so werde ich doch den Fehdehandschuh werfen und den Tintenkleckser zum Duell fordern. In der Kampfbahn gedenke ich, mich mit ihm hoch zu Ross mit Lanze und Schwert zu messen.“
Zwar versuchten die „zivilisierten“ Drei, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, aber Sir Alfrieds Dickkopf widersetzte sich jeglichen Argumenten.
So geschah es, dass dem Tintenkleckser die Fehde erklärt wurde. Ein Duell war nun unvermeidlich. Hier galt es für ihn, Würde zu zeigen. Kneifen kam nicht infrage. Sir Alfried schlug die Waffen vor, besaß aber die Noblesse, seinem Gegner die Wahl zu lassen, mit welcher Wehr der Strauß letztendlich ausgefochten werden sollte.
Als belesener Zeitgenosse kannte der Tintenkleckser natürlich die Bewaffnung der mittelalterlichen Ritterschaft und wusste leider auch, wie solches Aufeinandereindreschen auszugehen pflegte. Trotzdem entschied er sich, Sir Alfrieds Rüstungs-Wunsch zu entsprechen. Mit (geringfügigen) Änderungen …
Eine blasse Wintersonne beschien die Walstatt. Clarissa fröstelte auf der Tribüne. Als einzige Zuschauer außer ihr hockten fünf Geier – vielleicht waren es auch Krähen – im kahlen Geäst einer Eiche. Jeremie Schadnost und Harold hatten sich als Knappen verdingt. Wobei Jeremie Schadnost die undankbare Rolle zufiel, dem Tintenkleckser dienstbar zu sein.
Noch zeigte sich die Kampfbahn verwaist, ruhte in Stille, doch bald würde der Kampflärm ihren friedlichen Schlummer beenden. Im Lager des Tintenklecksers brach Hektik aus. Sein Knappe begann, ihn zu rüsten. Aus Mangel an brauchbaren Streitrössern klemmte sich der Tintenkleckser einen Hofbesen zwischen die Beine. Als Schild diente ihm der verbeulte Deckel eines transportablen Kessels. Die Lanze entpuppte sich als nagelneuer Besenstiel und über den Kopf stülpte er sich einen Pappkarton, in dessen Vorderseite zwei Gucklöcher für die Augen gebohrt waren. Derartig gewappnet, bezog er seine Position.
Auf der gegenüberliegenden Seite rüstete sich Sir Alfried, unterstütz von Harold, mit den gleichen Utensilien. Allerdings zeterte er die ganze Zeit, ob der Verhohnepipelung ritterlicher Tugenden. Dennoch bestand er darauf, zu Mylady Clarissas Loge zu „reiten“, wo er sie bat, seine „Lanze“ mit ihrem Tuch zu schmücken, was sie auch tat. Sodann nahm auch er seine Position ein.
Der Herold, in dessen Rolle Jeremie Schadnost zusätzlich schlüpfen musste, vergewisserte sich, dass beide Kempen, den Regeln entsprechend, für die Fehde vorbereitet waren. Dann trat er in die Mitte der Kampfbahn und reckte den Arm mit der Flagge in die Höhe. Als er den Arm abrupt nach unten riss und „Nun kämpfet!“ in den kalten Wintertag schrie, krächzten die „Geier“ im Eichengeäst freudig auf. Sie erhofften sich wohl ein fürstliches Mahl. Clarissa entwich ein Seufzer und die beiden „Möchtegern-Ritter“ trieben ihre „Schlachtrösser“ voran.
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