Das Duell aus der vorangegangenen Episode nähert sich seinem Höhepunkt und Sir Alfried gewährt vor dem Waffengang Einblick in seine Gedankenwelt.
Sir Alfried bohrte mit den Fingern die beiden Gucklöcher im Papp-Helm größer, damit er besser sehen konnte. Von rechts oben hörte er die Krähen krächzen. Er drehte ihnen das Gesicht zu. Der kalte Winterwind plusterte ihr Gefieder auf und sie ähnelten immer mehr Geiern, die auf ihre Mahlzeit lauerten.
Schnell ließ er seinen Blick von den Totenvögeln hinüber zur Tribüne schweifen. Dort saß als einzige menschliche Zuschauerin Mylady Clarissa. Sie hatte sich in ihre Jacke gewickelt, um der Kälte trotzen zu können. Wahrscheinlich hätte sie das Tuch, das jetzt Sir Alfrieds Lanzenspitze schmückte, lieber um ihren Hals geschlungen, denn der wurde vom Kragen ihrer Jacke kaum vor dem eisigen Windhauch geschützt. Hoffentlich erkrankte sie nicht! Das würde er sich nie verzeihen.
Dass seine Gedanken so kurz vor dem auszufechtenden Strauß zu Mylady Clarissa wanderten, verwunderte Sir Alfried. In früheren Kampfbahnfehden hatte er sich nie solchen Ablenkungen hingegeben. Damals war er immer hundertprozentig mit seinen Strategien und Taktiken zur Niederwerfung der Gegner beschäftigt gewesen. Nur so konnte er es auch bewerkstelligen, stets als Sieger aus den Turnieren hervorzugehen. Was hatte diese Maid nur an sich, dass er Stück für Stück seines Herzens und seines Verstandes an sie verlor?
Er musste sich zwingen, sich wieder auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem Tintenkleckser zu konzentrieren. Da dieser Kampf nicht auf Leben und Tod ausgefochten werden würde, war es zwar nicht erforderlich, sich im Inneren von Mylady Clarissa zu verabschieden, aber da er auch für ihre Ehre stritt, sollte er den elenden Halunken, der sie so desavouiert hatte, doch gehörig in die Schranken weisen.
Das konnte Sir Alfried am besten tun, indem er dem sogenannten Autor kräftig das Fell kerbte. Eine gehörige Tracht Prügel, die den Tintenkleckser den Wanst grün und blau verfärben würde, war das Mindeste, was sich Sir Alfried vornahm. Schon allein deshalb, um in Mylady Clarissas Gunst ganz nach oben zu klettern. Und natürlich auch deshalb, um ihrem geschundenen Selbstwertgefühl wieder etwas Halt zu verschaffen. Schließlich hatte es der Tintenkleckser gewagt, sie in einen Spiegel blicken zu lassen, der ihr ihr Gesicht als Achtzigjährige zeigte.
Je mehr er sich ausmalte, welche Demütigung seine geliebte Mylady Clarissa – ja, er wagte sie so zu nennen – zu erdulden gehabt hatte, desto mehr steigerte sich seine Wut und sein Siegeswille. Er sann nach einer Geste, nach einer Huldigung, die er ihr vor Beginn des Duells noch erweisen konnte, damit sie auch wusste, welche Gefühle in ihm für sie wallten.
Als sein „Knappe“ Harold ihn in diesem hochemotionalen Moment, in dem Sir Alfried in seiner Liebeswelt weilte, in die Seite knuffte, um ihn auf etwas aufmerksam zu machen, geriet der in Gefahr, in Stücke gehauen zu werden. Also, das wäre durchaus möglich gewesen, wenn Sir Alfried statt der lächerlichen Holzlatte ein richtiges Schwert zur Verfügung gestanden hätte. So touchierte er Harold lediglich mit dem Knüppel, der heute sein Schwert sein sollte, an der Schulter. Obwohl Harold diesen Schlag kaum gespürt haben konnte, quittierte er ihn mit einem hysterischen „Sind Sie total verrückt geworden!“, bevor er sich jammernd zu Boden warf.
Clarissa, die von Harolds plötzlichem Daniedersinken genauso überrascht zu sein schien wie Sir Alfried, sprang aus ihrem Stuhl auf und kam schreiend angerannt. Sie stieß Sir Alfried, der kurz davorstand, ihr sein Herz zu Füßen zu legen, grob zur Seite.
„Halten Sie jetzt bloß Ihre Klappe!“, blaffte sie ihn an. „Und kümmern sie sich gefälligst um einen Arzt! Harold braucht dringend Hilfe!“
Dann widmete sie sich liebevoll dem „Verletzten“, der sich theatralisch hochzurappeln versuchte. Seine Willensstärke versüßte Clarissa Harold mit einem mehr als freundschaftlichem Kuss.
Beim Mitansehenmüssen dieser Liebkosung brach für Sir Alfried eine Welt zusammen.
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Sir Alfried bohrte mit den Fingern die beiden Gucklöcher im Papp-Helm größer, damit er besser sehen konnte. Von rechts oben hörte er die Krähen krächzen. Er drehte ihnen das Gesicht zu. Der kalte Winterwind plusterte ihr Gefieder auf und sie ähnelten immer mehr Geiern, die auf ihre Mahlzeit lauerten.
Schnell ließ er seinen Blick von den Totenvögeln hinüber zur Tribüne schweifen. Dort saß als einzige menschliche Zuschauerin Mylady Clarissa. Sie hatte sich in ihre Jacke gewickelt, um der Kälte trotzen zu können. Wahrscheinlich hätte sie das Tuch, das jetzt Sir Alfrieds Lanzenspitze schmückte, lieber um ihren Hals geschlungen, denn der wurde vom Kragen ihrer Jacke kaum vor dem eisigen Windhauch geschützt. Hoffentlich erkrankte sie nicht! Das würde er sich nie verzeihen.
Dass seine Gedanken so kurz vor dem auszufechtenden Strauß zu Mylady Clarissa wanderten, verwunderte Sir Alfried. In früheren Kampfbahnfehden hatte er sich nie solchen Ablenkungen hingegeben. Damals war er immer hundertprozentig mit seinen Strategien und Taktiken zur Niederwerfung der Gegner beschäftigt gewesen. Nur so konnte er es auch bewerkstelligen, stets als Sieger aus den Turnieren hervorzugehen. Was hatte diese Maid nur an sich, dass er Stück für Stück seines Herzens und seines Verstandes an sie verlor?
Er musste sich zwingen, sich wieder auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem Tintenkleckser zu konzentrieren. Da dieser Kampf nicht auf Leben und Tod ausgefochten werden würde, war es zwar nicht erforderlich, sich im Inneren von Mylady Clarissa zu verabschieden, aber da er auch für ihre Ehre stritt, sollte er den elenden Halunken, der sie so desavouiert hatte, doch gehörig in die Schranken weisen.
Das konnte Sir Alfried am besten tun, indem er dem sogenannten Autor kräftig das Fell kerbte. Eine gehörige Tracht Prügel, die den Tintenkleckser den Wanst grün und blau verfärben würde, war das Mindeste, was sich Sir Alfried vornahm. Schon allein deshalb, um in Mylady Clarissas Gunst ganz nach oben zu klettern. Und natürlich auch deshalb, um ihrem geschundenen Selbstwertgefühl wieder etwas Halt zu verschaffen. Schließlich hatte es der Tintenkleckser gewagt, sie in einen Spiegel blicken zu lassen, der ihr ihr Gesicht als Achtzigjährige zeigte.
Je mehr er sich ausmalte, welche Demütigung seine geliebte Mylady Clarissa – ja, er wagte sie so zu nennen – zu erdulden gehabt hatte, desto mehr steigerte sich seine Wut und sein Siegeswille. Er sann nach einer Geste, nach einer Huldigung, die er ihr vor Beginn des Duells noch erweisen konnte, damit sie auch wusste, welche Gefühle in ihm für sie wallten.
Als sein „Knappe“ Harold ihn in diesem hochemotionalen Moment, in dem Sir Alfried in seiner Liebeswelt weilte, in die Seite knuffte, um ihn auf etwas aufmerksam zu machen, geriet der in Gefahr, in Stücke gehauen zu werden. Also, das wäre durchaus möglich gewesen, wenn Sir Alfried statt der lächerlichen Holzlatte ein richtiges Schwert zur Verfügung gestanden hätte. So touchierte er Harold lediglich mit dem Knüppel, der heute sein Schwert sein sollte, an der Schulter. Obwohl Harold diesen Schlag kaum gespürt haben konnte, quittierte er ihn mit einem hysterischen „Sind Sie total verrückt geworden!“, bevor er sich jammernd zu Boden warf.
Clarissa, die von Harolds plötzlichem Daniedersinken genauso überrascht zu sein schien wie Sir Alfried, sprang aus ihrem Stuhl auf und kam schreiend angerannt. Sie stieß Sir Alfried, der kurz davorstand, ihr sein Herz zu Füßen zu legen, grob zur Seite.
„Halten Sie jetzt bloß Ihre Klappe!“, blaffte sie ihn an. „Und kümmern sie sich gefälligst um einen Arzt! Harold braucht dringend Hilfe!“
Dann widmete sie sich liebevoll dem „Verletzten“, der sich theatralisch hochzurappeln versuchte. Seine Willensstärke versüßte Clarissa Harold mit einem mehr als freundschaftlichem Kuss.
Beim Mitansehenmüssen dieser Liebkosung brach für Sir Alfried eine Welt zusammen.
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