In der Episode 34 wären meine Protas ja fast zu Besuchern einer Oldieparty geworden. Aus schwerwiegenden Gründen musste ich ihnen das allerdings vermasseln. Heute sollen sie den damals verpassten Spaß nachholen dürfen.

Die Schlange, die sich vor der Oldieparty-Halle angestaut hatte, wogte ständig hin und her. Beziehungsweise tanzten die Althippies und ihre jüngeren Pendants zu den Sechzigerjahre-Hits, die sie beständig vor sich hin trällerten, und hielten so die Bewegung in Gang.
Mittendrin im auch kiffenden Bienenschwarm tummelten sich Clarissa, Harold, Sir Alfried und Jeremie Schadnost. Sie hatten den Einlass schon im Blick, als von dort ein neuer Tumult seinen Ausgang nahm. Es sah so aus, als versuchte eine einzelne Person sich vom Anfang der Schlange her nach hinten durchzukämpfen. Bald erkannten sie eine junge Frau im Woodstock-Look, die die Gesichter der Umstehenden zu mustern schien und dabei immer wieder auf etwas schaute, das sie offensichtlich in ihren Händen hielt. Dem Mädel gelang es tatsächlich, erfolgreich gegen den Strom zu schwimmen und so erreichte sie irgendwann auch das Quartett.
Erneut wanderte ihr Blick nach unten. Ihre Finger umklammerten ein Handy, dessen Display von einem bärtigen Gesicht ausgefüllt wurde. Als sie den Kopf wieder hob, fixierten ihre Augen Sir Alfried. Sie positionierte das Smartphone neben dessen Antlitz und stieß einen Seufzer aus. „Endlich. Ich dachte schon, dass ich dich nie finden würde.“
Sir Alfried kapierte nicht, was sie von ihm wollte. Auch seine drei Begleiter wirkten eher ratlos, erkannten aber zumindest, dass die junge Frau ein Foto von ihrem Gefährten auf dem Handy hatte.
„Okay. Wir müssen uns sputen, sonst ist da drinnen gleich der Teufel los“, drängte die Frau und hakte sich kurzerhand bei Sir Alfried unter, um ihn aus der Schlange zu lotsen.
Natürlich folgten Clarissa, Harold und Jeremie Schadnost dem Paar.
„Eigentlich war nur von einem Barkeeper die Rede“, bekamen sie darauf zu hören. „Aber egal. Kommt nur mit. Euch schmuggele ich auch irgendwie hinein.“ Dann schnatterte sie weiter. „Das war vielleicht ein Schreck in der Morgenstunde als Fred so kurzfristig absagte. Zum Glück fiel Carmen noch ein, wen sie als Ersatz engagieren konnte. Das wäre ja auch der Hammer geworden: Eine Oldieparty mit geschlossener Bar, weil der Barkeeper auf die Schnapsidee gekommen ist, sich den Arm zu brechen. Und zum Glück hatte Carmen auch noch ein Foto von dir in der Galerie, so dass du wenigstens optisch auffindbar warst. Dass du nach ihrem ersten Anruf nicht mehr ans Handy gegangen bist, wird sie dir sicherlich bei Gelegenheit noch mal um die Ohren hauen. Da nimmt sie kein Blatt vor den Mund!“ Für einen Moment verstummte sie. Vermutlich wartete sie auf eine Rechtfertigung Sir Alfrieds. Da diese ausblieb, fuhr sie fort. „Hoffentlich kriegst du an deinem Arbeitsplatz die Zähne auseinander. Als stilles Fischlein wärst du ja geschäftsschädigend.“
Clarissa sah Jeremie Schadnost offenbar an, dass er den Irrtum aufklären wollte. Unsanft knuffte sie ihn in die Seite und er verstand ihren schmerzhaften Fingerzeig. Wenn das Schicksal Sir Alfried schon zum Doppelgänger eines ominösen Barkeeperersatzes erkoren hatte, sollte man ihm doch nicht ins Handwerk fuschen, schien sie zu denken. Und wenn dieser Umstand ihnen noch zu einem schnelleren Einlass verhalf, gleich gar nicht. Da sie Karten für die Sause hatten, konnte sie auch niemand wieder hinauskomplimentieren, sobald die Verwechslung aufflog. Auf Harolds Auffassungsgabe vertraute sie offenbar, er erhielt von ihr keine versteckten Zeichen. Und Sir Alfried wies sie mit einem auf den Mund gelegten Zeigefinger an, weiterhin den Stummen zu mimen. Mit diesem abgekarteten Spiel ließen sie die junge Frau in dem Glauben, den Joker im Schlepptau zu haben.
Der Barkeeper-Hunterin fielen erst die Schuppen von den Augen, als sie ihre Beute samt der Entourage zu der vermeintlichen Wirkungsstätte geschleppt hatte. Dort wurden die fünf von vier weiteren Doubles mit lautem „Hallo“ begrüßt, während das Original bereits hinter dem Tresen eifrig Cocktails mixte.
Dass so viele Langhaarige mit Rauschebart hier für Verwechslung gesorgt hatten, konnte bei einer Oldieparty nicht wirklich überraschen. Deshalb ließ sich das Mädel auch keinen Gram anmerken, sondern zeigte, dass es mit beiden Beinen fest im Leben stand und es so ein Lapsus nicht umwarf, indem es eine Runde für die ganze Truppe bestellte. Musikalisch von einem Doors-Klassiker umschmeichelt, stießen sie an und starteten damit in einen wilden Partyabend.

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