Von der Oldieparty zum Rosenmontagsumzug. Sir Alfried wird auf seiner Reise in die Moderne nichts geschenkt.
Sir Alfried nahm wahr, wie sich Clarissas Augen weiteten. Als er ihren Blick folgte, bekam er gerade noch mit, dass Harold von einem Podest stürzte. Was der vorher in den seltsamen Kelch hineingestottert hatte, war leider an Sir Alfrieds Ohren vorbeigerauscht. Das störte ihn aber nicht sonderlich. Dass sich Clarissa aber plötzlich aus seinen Arm wandte und ihn von sich stieß, schon. Das Überraschungsmoment des Stoßes und der konsumierte Alkohol ließen ihn nicht nur straucheln, sondern zu Boden gehen. Unsanft knallte er mit dem Hinterkopf auf das Parkett.
Er hörte sich noch aufstöhnen, dann enteilten seine Sinne in ein tiefes stilles Schwarz.
Wie lange ihn dieser Zustand außer Gefecht gesetzt hatte, konnte er nicht sagen. Doch irgendwann blinzelte er sich wieder wach. Zu seiner Verwunderung befand er sich in einer völlig fremden Umgebung … oder war er vielleicht hier eingeschlafen … und das bisher Durchlebte auf der Oldieparty nur ein Traum gewesen … Seinem Verstand gelang es nicht, Klarheit in die zeitlichen Abläufe zu bringen. Zum Glück schnaubte in diesem Moment ein Pferd und dieses Geräusch lenkten seine Gedanken in eine andere Richtung.
Sir Alfried rappelte sich auf, um erkennen zu können, woher das Geräusch kam und wo er sich eigentlich befand. Er lag am Fuße einer gewaltigen Steintreppe. Neben ihm scharrte ein gerüstetes Pferd mit den Hufen. An seinem Sattel war neben einem Schwert auch eine brennende Fackel befestigt, die es nicht zu beunruhigen schien. Mit etwas Mühe quälte sich Sir Alfried auf die Beine und es gelang ihm sogar, in den Sattel zu klettern. Er angelte die Fackel aus der Halterung und trieb den Schimmel die Stufen hinauf, als wüsste er genau, dass er diesen Weg nehmen müsste. Die Treppe führte zwischen zwei mächtigen Steinfiguren hindurch, den beiden die Köpfe fehlten.
Doch auch kopflos wirkten die aus dem Fels gehauenen Wächter noch sehr furchterregend. Sir Alfried durchfuhr ein Schauer, den das Pferd sofort wahrnahm und es vor den Skulpturen zurückscheuen ließ. Erst ein energischer Schenkeldruck trieb es weiter vorwärts. Hinter den Figuren waberte eine dichte Nebelbank, die es ihm unmöglich machte, auch nur eine Handbreit nach vorn zu schauen.
Außer den milchigen Schwaden war nichts zu erkennen, lediglich ein anschwellendes Brausen durchdrang sie. Für Sir Alfried hörte es sich so an, als zöge mitten durch den Dunst ein riesiges Heer.
Das Erste, was er dann zu sehen bekam, als sich der Nebel endlich lichtete, waren die zwei gewaltigen Türme einer ehrwürdigen Kathedrale. Beim Näherheranreiten erkannte er, dass sich vor dem Gotteshaus tatsächlich eine nicht enden wollende Schar von Kriegern und ein Wagentross entlang schlängelten. Eine bunte Menge bildete links und rechts des Zuges ein Spalier.
Als das Publikum Sir Alfried bemerkte, wich es vor ihm und seinem mächtigen Schimmel zurück. Durch die so entstandene Gasse drängte sein Pferd nach vorn, bis es neben einem der schweren Zugtiere eines Trosswagens her trabte. Auf dem Wagen hüpften Frauen und Männer zwischen zwei abgeschlagenen Köpfen umher. Offenbar waren das die Häupter der beiden steinernen Wächter, die Sir Alfried eben solchen Respekt abverlangt hatten
Beständig bewarf die Besatzung des Wagens die spalierbildende Truppe mit kieselsteinähnlichen Brocken. Doch statt sich vor den Geschossen in Deckung zu bringen, verlangte die Meute nach Mehr. Und ihre Rufe wurden erhört. Kübelweise ergoss sich der Gesteinshagel über sie. Die Wagenbesatzung begnügte sich jedoch nicht nur mit dem Werfen der Kieselbrocken, sie überschüttete die Menge auch mit Schmährufen, deren Tonlage Sir Alfried an die Musik seines Traumes – oder der anderen Realität – erinnerte. Allerdings vermochte er außer „Alaaf“ nichts davon zu verstehen.
Gern hätte er dem närrischen Treiben weiter zugeschaut, schon um in Erfahrung zu bringen, wann die Meute den Wagen endlich erstürmen würde. Doch als das Zugpferd neben ihm in den Schritt fiel, knallte der Kutscher mit der Peitsche in die Luft.
Die behäbige 1-PS-Maschine quittierte das Kommando mit einem Furz und trabte wieder an. Sir Alfrieds Schimmel reagierte jedoch weitaus gereizter. Erst stieg er auf die Hinterhand, dann galoppierte er buckelnd davon. Irgendwann konnte Sir Alfried die temperamentvollen Eskapaden nicht mehr aussitzen und parieren. Seine Füße rutschten aus den Steigbügeln. Die Knie verloren den Halt am Pferdeleib. Und er segelte im hohen Bogen aus dem Sattel. Zwar verlief die Landung recht glimpflich, trotzdem touchierte Sir Alfrieds Hinterkopf den Asphalt.
Er hörte sich noch aufstöhnen, dann enteilten seine Sinne in ein tiefes stilles Schwarz.
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Sir Alfried nahm wahr, wie sich Clarissas Augen weiteten. Als er ihren Blick folgte, bekam er gerade noch mit, dass Harold von einem Podest stürzte. Was der vorher in den seltsamen Kelch hineingestottert hatte, war leider an Sir Alfrieds Ohren vorbeigerauscht. Das störte ihn aber nicht sonderlich. Dass sich Clarissa aber plötzlich aus seinen Arm wandte und ihn von sich stieß, schon. Das Überraschungsmoment des Stoßes und der konsumierte Alkohol ließen ihn nicht nur straucheln, sondern zu Boden gehen. Unsanft knallte er mit dem Hinterkopf auf das Parkett.
Er hörte sich noch aufstöhnen, dann enteilten seine Sinne in ein tiefes stilles Schwarz.
Wie lange ihn dieser Zustand außer Gefecht gesetzt hatte, konnte er nicht sagen. Doch irgendwann blinzelte er sich wieder wach. Zu seiner Verwunderung befand er sich in einer völlig fremden Umgebung … oder war er vielleicht hier eingeschlafen … und das bisher Durchlebte auf der Oldieparty nur ein Traum gewesen … Seinem Verstand gelang es nicht, Klarheit in die zeitlichen Abläufe zu bringen. Zum Glück schnaubte in diesem Moment ein Pferd und dieses Geräusch lenkten seine Gedanken in eine andere Richtung.
Sir Alfried rappelte sich auf, um erkennen zu können, woher das Geräusch kam und wo er sich eigentlich befand. Er lag am Fuße einer gewaltigen Steintreppe. Neben ihm scharrte ein gerüstetes Pferd mit den Hufen. An seinem Sattel war neben einem Schwert auch eine brennende Fackel befestigt, die es nicht zu beunruhigen schien. Mit etwas Mühe quälte sich Sir Alfried auf die Beine und es gelang ihm sogar, in den Sattel zu klettern. Er angelte die Fackel aus der Halterung und trieb den Schimmel die Stufen hinauf, als wüsste er genau, dass er diesen Weg nehmen müsste. Die Treppe führte zwischen zwei mächtigen Steinfiguren hindurch, den beiden die Köpfe fehlten.
Doch auch kopflos wirkten die aus dem Fels gehauenen Wächter noch sehr furchterregend. Sir Alfried durchfuhr ein Schauer, den das Pferd sofort wahrnahm und es vor den Skulpturen zurückscheuen ließ. Erst ein energischer Schenkeldruck trieb es weiter vorwärts. Hinter den Figuren waberte eine dichte Nebelbank, die es ihm unmöglich machte, auch nur eine Handbreit nach vorn zu schauen.
Außer den milchigen Schwaden war nichts zu erkennen, lediglich ein anschwellendes Brausen durchdrang sie. Für Sir Alfried hörte es sich so an, als zöge mitten durch den Dunst ein riesiges Heer.
Das Erste, was er dann zu sehen bekam, als sich der Nebel endlich lichtete, waren die zwei gewaltigen Türme einer ehrwürdigen Kathedrale. Beim Näherheranreiten erkannte er, dass sich vor dem Gotteshaus tatsächlich eine nicht enden wollende Schar von Kriegern und ein Wagentross entlang schlängelten. Eine bunte Menge bildete links und rechts des Zuges ein Spalier.
Als das Publikum Sir Alfried bemerkte, wich es vor ihm und seinem mächtigen Schimmel zurück. Durch die so entstandene Gasse drängte sein Pferd nach vorn, bis es neben einem der schweren Zugtiere eines Trosswagens her trabte. Auf dem Wagen hüpften Frauen und Männer zwischen zwei abgeschlagenen Köpfen umher. Offenbar waren das die Häupter der beiden steinernen Wächter, die Sir Alfried eben solchen Respekt abverlangt hatten
Beständig bewarf die Besatzung des Wagens die spalierbildende Truppe mit kieselsteinähnlichen Brocken. Doch statt sich vor den Geschossen in Deckung zu bringen, verlangte die Meute nach Mehr. Und ihre Rufe wurden erhört. Kübelweise ergoss sich der Gesteinshagel über sie. Die Wagenbesatzung begnügte sich jedoch nicht nur mit dem Werfen der Kieselbrocken, sie überschüttete die Menge auch mit Schmährufen, deren Tonlage Sir Alfried an die Musik seines Traumes – oder der anderen Realität – erinnerte. Allerdings vermochte er außer „Alaaf“ nichts davon zu verstehen.
Gern hätte er dem närrischen Treiben weiter zugeschaut, schon um in Erfahrung zu bringen, wann die Meute den Wagen endlich erstürmen würde. Doch als das Zugpferd neben ihm in den Schritt fiel, knallte der Kutscher mit der Peitsche in die Luft.
Die behäbige 1-PS-Maschine quittierte das Kommando mit einem Furz und trabte wieder an. Sir Alfrieds Schimmel reagierte jedoch weitaus gereizter. Erst stieg er auf die Hinterhand, dann galoppierte er buckelnd davon. Irgendwann konnte Sir Alfried die temperamentvollen Eskapaden nicht mehr aussitzen und parieren. Seine Füße rutschten aus den Steigbügeln. Die Knie verloren den Halt am Pferdeleib. Und er segelte im hohen Bogen aus dem Sattel. Zwar verlief die Landung recht glimpflich, trotzdem touchierte Sir Alfrieds Hinterkopf den Asphalt.
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