Clarissa und Jeremie Schadnost sind noch nicht miteinander fertig. Ihr Wettstreit verlagert sich nur auf eine andere Ebene.
Nachdem Jeremie Schadnost sich Clarissas Ohrfeige eingefangen und ihr dafür mit einem Kuss auf die Stirn gedankt hatte, ließ er sie einfach auf der Tanzfläche stehen und stapfte zur Bar. Der Barkeeper schien zu ahnen, was er jetzt unbedingt brauchen würde, denn das Glas Whiskey stand schon bereit, bevor es überhaupt bestellt wurde.
Jeremie Schadnost prostete den vor sich hin schnarchenden Harold und Sir Alfried zu und stürzte das edle Getränk in einem Zug in sich hinein. Seinem Gesichtsausdruck und den geschlossenen Lidern nach zu urteilen, folgte er mental dem Weg, den der Whiskey in seinem Körper nahm. Weit konnte er damit nicht gekommen sein, weil er bald darauf die Augen aufriss und zu würgen begann, als wolle er sich des Tropfens wieder entledigen. Schuld an diesem Dilemma war Clarissas Hand, die kräftig zwischen seine Schulterblätter klatschte. Mit ihr durfte er nun schon zum zweiten Mal Bekanntschaft schließen.
„In Herzensdingen scheinst du dich ja schnell geschlagen zu geben“, raunte Clarissa Jeremie Schadnost zu und spielte damit provokant auf seine Flucht nach ihrem kleinen Techtelmechtel an. „Schade, dass du auf und davon bist. Jetzt habe ich das Interesse an dir verloren.“
Statt gleich etwas darauf zu erwidern, steckte Jeremie Schadnost seinen kleinen Finger ins Ohr. Er puhlte mit ihm herum, als wolle er einen Wassertropfen herauskitzeln. „In meinem Kopf spukt es … Ich höre Stimmen … Ich halluziniere …“
„So, so“, unterbrach Clarissa sein Gebrabbel. „Mit der Wahrheit kommst du also auch nicht zurecht.“
„Mylady belieben zu scherzen“, äffte Jeremie Schadnost wieder Sir Alfrieds Sprachgebaren nach, als er ihr antwortete. „Doch bitte ich Euch zu bedenken, dass Euer Name Clarissa ist, nicht Diana. Ihr seid keineswegs die Jägerin und ich deshalb kaum Eure Beute. Hier werden keine Rollen getauscht.“
„Und das heißt?“, wollte sie nach dem Geschwurbel wissen.
„Das heißt, dass wir ein kleines Duell austragen sollten“, klärte er sie jetzt im modernen Sprachduktus auf. „Ich würde vorschlagen, wir veranstalten ein Wetttrinken und wer die Sauferei stehend übersteht, bestimmt wie’s mit uns beiden weitergeht.“ Der Ton seiner Stimme verriet, welchen Ausgang er voraussah und mit welcher Antwort ihrerseits er rechnete.
Clarissa hätte sich nicht darauf einlassen müssen, aber sein selbstherrliches Getue reizte sie dermaßen, dass sie kurzerhand einwilligte. Davon schien nicht nur Jeremie Schadnost überrascht zu sein, auch dem Barkeeper war anzusehen, dass er ihre Entscheidung missbilligte oder wenigstens als fragwürdig empfand.
„Na dann“, verlangte Jeremie Schadnost nach kurzem Innehalten. „Lass uns gleich loslegen!“ Er schob dem Barkeeper sein Glas hin. „Einmal randvoll mit Whiskey bitte und für die Mylady das Gleiche!“
Dafür erntete er Protest vom Mann hinterm Tresen. „Wir wollen das Mädel doch nicht umbringen. Für sie reicht doch wohl das!“ Er hielt beiden eine Flasche vor die Augen, auf deren Etikett zu lesen war, dass in dem milchigen Fusel ein paar Prozente weniger kreiselten als in Jeremie Schadnost Whiskey.
„Von mir aus“, stimmte Jeremie Schadnost zu. Clarissa wollte schon zum Protest ansetzen, dass sie keine Bevorzugung wünschte, aber die unnachgiebige Miene des Barkeepers hinderte sie daran.
Jeremie Schadnosts Glas füllte der Barkeeper auf der Theke, Clarissas‘ zauberte er dagegen bereits voll hinterm Tresen hervor. An der Bar wurde es mucksmäuschenstill. Die anderen Gäste warteten auf den Beginn des Duells. Ein Spaßvogel begann von der 10 an herunterzuzählen. Bei 0 setzten die Kontrahenten ihre Gläser an. Jeremie Schadnost würgte den Whiskey in drei Schlucken herunter und geriet leicht ins Schwanken als er das Glas auf die Theke knallte. Clarissa wollte es ihm gleichtun, stockte allerdings als die Flüssigkeit ihren Gaumen kitzelte. Dem Getränk fehlte alle Schärfe, die sie von Alkohol gewohnt war.
Es schmeckte nach exotischen Früchten. Deshalb also der Vorschlag des Barkeepers, er hatte sich auf ihre Seite geschlagen und ihr Glas mit Alkoholfreiem gefüllt. Um Jeremie Schadnost das nicht zu zeigen, trank sie ebenfalls aus. Sie quälte sich sogar einen Rülpser ab, verdrehte leicht die Augen und absolvierte einen Ausfallschritt nach hinten.
„Nächste Runde!“, befahl Jeremie Schadnost. Das Spiel wiederholte sich. Jeremie Schadnost schien danach in einen Orkan geraten zu sein. Er neigte sich bedenklich in alle Himmelsrichtungen, bestellte aber dessen ungeachtet das dritte Gedeck. Wahrscheinlich ahnte er, was darauf folgen würde, denn mit der letzten ihm zur Verfügung stehenden Standfestigkeit leerte er seinen Whiskey zur Hälfte, anschließend angelte er Clarissa das Glas vom Mund und bemühte sich, daran zu riechen. „My … Mysch … Myschlady“, lallte er, als er scheinbar noch mitbekam, was sie wirklich trank. „Ihr … Ihr … sch …eid … eine … mi … mische …rable …Sch …Schau … schpielerin.“ Sprach’s und rutschte zu Boden.
Damit stand Clarissa als Siegerin fest. Richtig zu freuen, vermochte sie sich darüber allerdings nicht, schließlich hatte sie ihren Gegner ja nur mit unlauteren Mitteln unter den Tisch schicken können. Und was noch schlimmer war: Jeremie Schadnost musste von Anfang an gewusst haben, dass er ausgetrickst wurde und trotzdem zog er seinen Part in der Farce bis zum bitteren Ende durch. Was für ein Kerl!
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Nachdem Jeremie Schadnost sich Clarissas Ohrfeige eingefangen und ihr dafür mit einem Kuss auf die Stirn gedankt hatte, ließ er sie einfach auf der Tanzfläche stehen und stapfte zur Bar. Der Barkeeper schien zu ahnen, was er jetzt unbedingt brauchen würde, denn das Glas Whiskey stand schon bereit, bevor es überhaupt bestellt wurde.
Jeremie Schadnost prostete den vor sich hin schnarchenden Harold und Sir Alfried zu und stürzte das edle Getränk in einem Zug in sich hinein. Seinem Gesichtsausdruck und den geschlossenen Lidern nach zu urteilen, folgte er mental dem Weg, den der Whiskey in seinem Körper nahm. Weit konnte er damit nicht gekommen sein, weil er bald darauf die Augen aufriss und zu würgen begann, als wolle er sich des Tropfens wieder entledigen. Schuld an diesem Dilemma war Clarissas Hand, die kräftig zwischen seine Schulterblätter klatschte. Mit ihr durfte er nun schon zum zweiten Mal Bekanntschaft schließen.
„In Herzensdingen scheinst du dich ja schnell geschlagen zu geben“, raunte Clarissa Jeremie Schadnost zu und spielte damit provokant auf seine Flucht nach ihrem kleinen Techtelmechtel an. „Schade, dass du auf und davon bist. Jetzt habe ich das Interesse an dir verloren.“
Statt gleich etwas darauf zu erwidern, steckte Jeremie Schadnost seinen kleinen Finger ins Ohr. Er puhlte mit ihm herum, als wolle er einen Wassertropfen herauskitzeln. „In meinem Kopf spukt es … Ich höre Stimmen … Ich halluziniere …“
„So, so“, unterbrach Clarissa sein Gebrabbel. „Mit der Wahrheit kommst du also auch nicht zurecht.“
„Mylady belieben zu scherzen“, äffte Jeremie Schadnost wieder Sir Alfrieds Sprachgebaren nach, als er ihr antwortete. „Doch bitte ich Euch zu bedenken, dass Euer Name Clarissa ist, nicht Diana. Ihr seid keineswegs die Jägerin und ich deshalb kaum Eure Beute. Hier werden keine Rollen getauscht.“
„Und das heißt?“, wollte sie nach dem Geschwurbel wissen.
„Das heißt, dass wir ein kleines Duell austragen sollten“, klärte er sie jetzt im modernen Sprachduktus auf. „Ich würde vorschlagen, wir veranstalten ein Wetttrinken und wer die Sauferei stehend übersteht, bestimmt wie’s mit uns beiden weitergeht.“ Der Ton seiner Stimme verriet, welchen Ausgang er voraussah und mit welcher Antwort ihrerseits er rechnete.
Clarissa hätte sich nicht darauf einlassen müssen, aber sein selbstherrliches Getue reizte sie dermaßen, dass sie kurzerhand einwilligte. Davon schien nicht nur Jeremie Schadnost überrascht zu sein, auch dem Barkeeper war anzusehen, dass er ihre Entscheidung missbilligte oder wenigstens als fragwürdig empfand.
„Na dann“, verlangte Jeremie Schadnost nach kurzem Innehalten. „Lass uns gleich loslegen!“ Er schob dem Barkeeper sein Glas hin. „Einmal randvoll mit Whiskey bitte und für die Mylady das Gleiche!“
Dafür erntete er Protest vom Mann hinterm Tresen. „Wir wollen das Mädel doch nicht umbringen. Für sie reicht doch wohl das!“ Er hielt beiden eine Flasche vor die Augen, auf deren Etikett zu lesen war, dass in dem milchigen Fusel ein paar Prozente weniger kreiselten als in Jeremie Schadnost Whiskey.
„Von mir aus“, stimmte Jeremie Schadnost zu. Clarissa wollte schon zum Protest ansetzen, dass sie keine Bevorzugung wünschte, aber die unnachgiebige Miene des Barkeepers hinderte sie daran.
Jeremie Schadnosts Glas füllte der Barkeeper auf der Theke, Clarissas‘ zauberte er dagegen bereits voll hinterm Tresen hervor. An der Bar wurde es mucksmäuschenstill. Die anderen Gäste warteten auf den Beginn des Duells. Ein Spaßvogel begann von der 10 an herunterzuzählen. Bei 0 setzten die Kontrahenten ihre Gläser an. Jeremie Schadnost würgte den Whiskey in drei Schlucken herunter und geriet leicht ins Schwanken als er das Glas auf die Theke knallte. Clarissa wollte es ihm gleichtun, stockte allerdings als die Flüssigkeit ihren Gaumen kitzelte. Dem Getränk fehlte alle Schärfe, die sie von Alkohol gewohnt war.
Es schmeckte nach exotischen Früchten. Deshalb also der Vorschlag des Barkeepers, er hatte sich auf ihre Seite geschlagen und ihr Glas mit Alkoholfreiem gefüllt. Um Jeremie Schadnost das nicht zu zeigen, trank sie ebenfalls aus. Sie quälte sich sogar einen Rülpser ab, verdrehte leicht die Augen und absolvierte einen Ausfallschritt nach hinten.
„Nächste Runde!“, befahl Jeremie Schadnost. Das Spiel wiederholte sich. Jeremie Schadnost schien danach in einen Orkan geraten zu sein. Er neigte sich bedenklich in alle Himmelsrichtungen, bestellte aber dessen ungeachtet das dritte Gedeck. Wahrscheinlich ahnte er, was darauf folgen würde, denn mit der letzten ihm zur Verfügung stehenden Standfestigkeit leerte er seinen Whiskey zur Hälfte, anschließend angelte er Clarissa das Glas vom Mund und bemühte sich, daran zu riechen. „My … Mysch … Myschlady“, lallte er, als er scheinbar noch mitbekam, was sie wirklich trank. „Ihr … Ihr … sch …eid … eine … mi … mische …rable …Sch …Schau … schpielerin.“ Sprach’s und rutschte zu Boden.
Damit stand Clarissa als Siegerin fest. Richtig zu freuen, vermochte sie sich darüber allerdings nicht, schließlich hatte sie ihren Gegner ja nur mit unlauteren Mitteln unter den Tisch schicken können. Und was noch schlimmer war: Jeremie Schadnost musste von Anfang an gewusst haben, dass er ausgetrickst wurde und trotzdem zog er seinen Part in der Farce bis zum bitteren Ende durch. Was für ein Kerl!
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