Nach seinem aus dem Ruder gelaufenen Auftritt als Weihnachtsmann hat Jeremie Schadnost die Flinte noch längst nicht ins Korn geworfen. Stattdessen betritt er, motiviert durch ein paar kräftige Schlucke Hochprozentigen erneut die Bühne.
Jeremie Schadnost war Realist genug, seinen gerade erfolgten Auftritt als Weihnachtsmann bei der Familie Merow als total misslungene Vorstellung einschätzen zu können. Das von ihm hinterlassene Chaos im Wohnzimmer der Familie und die körperlichen Blessuren, die einige Familienmitglieder davon getragen hatten, konnten ihm durchaus später einmal zur Last gelegt werden. Seinen ersten Gedanken, schnellsten zu verschwinden, schob er deshalb beiseite. Stattdessen besann er sich auf die alte Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ und entschloss sich, in die Höhle des Löwen zurückzukehren, um den angerichteten Schaden zu begrenzen. Da dieser Schritt sehr viel Mut erforderte, dem ihm aus Mangel an Unterstützern niemand zusprechen konnte, musste er in dieser Situation auf einen anderen Mutmacher zurückgreifen.
Wie durch ein Wunder war beim Auskippen des Geschenkesackes der hochwertige und hochprozentige Whisky, die Weihnachtsüberraschung für den Hausherrn, im Sack verblieben. Schnell befreite Jeremie Schadnost die Flasche aus ihrer Verpackung, öffnete den Verschluss und gönnte sich einen Schluck des goldfarbenen Edeltropfens. Sofort erfasste ihn ein Gefühl der inneren Zufriedenheit, auch darüber, dass er das Fläschchen jetzt in den Händen halten durfte. Womöglich handelte es sich um einen Fingerzeig des Schicksals, dass es seinen Weihnachtsmannauftritt unversehrt überstanden hatte. Dieser Glücksfall sollte einen zweiten Schluck wert sein. Und den dritten genehmigte er sich, da aller guten Dinge bekanntlich nun einmal drei sind.
Dermaßen gestärkt, begann Jeremie Schadnost den erneuten Aufstieg zum Wohnzimmer der Familie Merow. Bis zur vorletzten Treppenstufe kam er problemlos. Dort geriet er ins Stolpern. Bevor er sich wieder fing, war er schon bis zur Wohnzimmertür gewankt, vor der bereits ein anderer Gast der Familie weilte. Der junge Mann, mit dem Irina vor nicht allzu langer Zeit die Flucht aus dem Zimmer ergriffen hatte, schickte sich ebenfalls an, einzutreten.
Auf dessen linker Wange prange der deutliche Abdruck einer fünffingrigen, grazilen Hand. Das kleine Stelldichein mit der Tochter des Hauses schien ein wenig anders verlaufen zu sein, als es von dem Galan geplant worden war. Eigentlich hätte Jeremie Schadnost in eine erquickliche Schadenfreude über das Scheitern des Rivalen geraten müssen, was aber nicht geschah, stattdessen empfand er Verständnis für dessen Missgeschick. Wortlos reichte er dem Widersacher die Flasche, der sie drei Mal ansetzte ehe er sie zurückgab. Die beiden gönnten sich einen Moment der inneren Sammlung, dann drückte Jeremie Schadnost die Klinke nach unten und sie überschritten Arm in Arm die Schwelle.
Sofort wurden die beiden Eintretenden von den Blicken der vier anwesenden Merows durchbohrt. Frau Merow schaute etwas pikiert drein. Herr Merow kniff die Augen angestrengt zusammen, weil er ohne Brille nicht erkennen konnte, wer da kam. Und die beiden Sprösslinge gönnten der Tür wohl nur jeweils ein Auge. Mit dem anderen fahndenden sie nach einem Fluchtweg, weil sie befürchteten, dass Knecht Ruprecht hereinstürmte, um einen zweiten Versuch des Geschenkeausteilens zu wagen.
Als Herr Merow endlich zu erzwinkern vermochte, wer sich hinter den beiden Gestalten verbarg, ließ er von dem Weihnachtsbaum ab, den er gerade wieder in die Senkrechte befördert hatte. Entrüstet stellte er sich den neuen-alten Gästen in den Weg. Sich räuspernd suchte er nach den passenden Worten, sie nach dem Grund für ihr unerwartetes Wiedererscheinen fragen zu können.
Während er noch um die richtige Formulierung rang, streckte ihm Jeremie Schadnost den Whisky, also sein Weihnachtsgeschenk, entgegen. Diese Antwort auf seine ungestellte Frage konnte Herr Merow natürlich nicht ignorieren. Er ließ den Pegel in der Flasche um drei weitere Schlucke sinken und bat seine Frau, ihm die Ersatzbrille zu holen, damit er den lieben Gästen nicht wie ein blindes Huhn gegenüberstand.
Frau Merow, die wohl ahnte, wie der Abend ausgehen würde, brachte ihrem Gatten nicht nur die gewünschte Brille, sondern auch eine weitere Flasche eines geistigen Getränkes, die sie demonstrativ laut auf den Tisch knallte, an dem die Herren mittlerweile Platz genommen hatten. Dazu erhielt jeder ein Glas.
Am anderen Morgen fehlten Jeremie Schadnost zwar einige Erinnerungsstücke an den vorangegangenen Abend, trotzdem glaubte er, beim Vater seiner Auserwählten einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen zu haben. Demnächst gedachte er, auch die Schwiegermutter in spe von seinen Qualitäten zu überzeugen. Danach konnte es nur noch ein Klacks sein, Irinas Herz zu erobern.
Zufrieden mit diesen Zukunftsaussichten, empfand er die Pein des schmerzenden Kopfes und das beständige Rumoren im Magen als nicht mehr so schlimm.
NÄCHSTE EPISODE >>>
Jeremie Schadnost war Realist genug, seinen gerade erfolgten Auftritt als Weihnachtsmann bei der Familie Merow als total misslungene Vorstellung einschätzen zu können. Das von ihm hinterlassene Chaos im Wohnzimmer der Familie und die körperlichen Blessuren, die einige Familienmitglieder davon getragen hatten, konnten ihm durchaus später einmal zur Last gelegt werden. Seinen ersten Gedanken, schnellsten zu verschwinden, schob er deshalb beiseite. Stattdessen besann er sich auf die alte Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ und entschloss sich, in die Höhle des Löwen zurückzukehren, um den angerichteten Schaden zu begrenzen. Da dieser Schritt sehr viel Mut erforderte, dem ihm aus Mangel an Unterstützern niemand zusprechen konnte, musste er in dieser Situation auf einen anderen Mutmacher zurückgreifen.
Wie durch ein Wunder war beim Auskippen des Geschenkesackes der hochwertige und hochprozentige Whisky, die Weihnachtsüberraschung für den Hausherrn, im Sack verblieben. Schnell befreite Jeremie Schadnost die Flasche aus ihrer Verpackung, öffnete den Verschluss und gönnte sich einen Schluck des goldfarbenen Edeltropfens. Sofort erfasste ihn ein Gefühl der inneren Zufriedenheit, auch darüber, dass er das Fläschchen jetzt in den Händen halten durfte. Womöglich handelte es sich um einen Fingerzeig des Schicksals, dass es seinen Weihnachtsmannauftritt unversehrt überstanden hatte. Dieser Glücksfall sollte einen zweiten Schluck wert sein. Und den dritten genehmigte er sich, da aller guten Dinge bekanntlich nun einmal drei sind.
Dermaßen gestärkt, begann Jeremie Schadnost den erneuten Aufstieg zum Wohnzimmer der Familie Merow. Bis zur vorletzten Treppenstufe kam er problemlos. Dort geriet er ins Stolpern. Bevor er sich wieder fing, war er schon bis zur Wohnzimmertür gewankt, vor der bereits ein anderer Gast der Familie weilte. Der junge Mann, mit dem Irina vor nicht allzu langer Zeit die Flucht aus dem Zimmer ergriffen hatte, schickte sich ebenfalls an, einzutreten.
Auf dessen linker Wange prange der deutliche Abdruck einer fünffingrigen, grazilen Hand. Das kleine Stelldichein mit der Tochter des Hauses schien ein wenig anders verlaufen zu sein, als es von dem Galan geplant worden war. Eigentlich hätte Jeremie Schadnost in eine erquickliche Schadenfreude über das Scheitern des Rivalen geraten müssen, was aber nicht geschah, stattdessen empfand er Verständnis für dessen Missgeschick. Wortlos reichte er dem Widersacher die Flasche, der sie drei Mal ansetzte ehe er sie zurückgab. Die beiden gönnten sich einen Moment der inneren Sammlung, dann drückte Jeremie Schadnost die Klinke nach unten und sie überschritten Arm in Arm die Schwelle.
Sofort wurden die beiden Eintretenden von den Blicken der vier anwesenden Merows durchbohrt. Frau Merow schaute etwas pikiert drein. Herr Merow kniff die Augen angestrengt zusammen, weil er ohne Brille nicht erkennen konnte, wer da kam. Und die beiden Sprösslinge gönnten der Tür wohl nur jeweils ein Auge. Mit dem anderen fahndenden sie nach einem Fluchtweg, weil sie befürchteten, dass Knecht Ruprecht hereinstürmte, um einen zweiten Versuch des Geschenkeausteilens zu wagen.
Als Herr Merow endlich zu erzwinkern vermochte, wer sich hinter den beiden Gestalten verbarg, ließ er von dem Weihnachtsbaum ab, den er gerade wieder in die Senkrechte befördert hatte. Entrüstet stellte er sich den neuen-alten Gästen in den Weg. Sich räuspernd suchte er nach den passenden Worten, sie nach dem Grund für ihr unerwartetes Wiedererscheinen fragen zu können.
Während er noch um die richtige Formulierung rang, streckte ihm Jeremie Schadnost den Whisky, also sein Weihnachtsgeschenk, entgegen. Diese Antwort auf seine ungestellte Frage konnte Herr Merow natürlich nicht ignorieren. Er ließ den Pegel in der Flasche um drei weitere Schlucke sinken und bat seine Frau, ihm die Ersatzbrille zu holen, damit er den lieben Gästen nicht wie ein blindes Huhn gegenüberstand.
Frau Merow, die wohl ahnte, wie der Abend ausgehen würde, brachte ihrem Gatten nicht nur die gewünschte Brille, sondern auch eine weitere Flasche eines geistigen Getränkes, die sie demonstrativ laut auf den Tisch knallte, an dem die Herren mittlerweile Platz genommen hatten. Dazu erhielt jeder ein Glas.
Am anderen Morgen fehlten Jeremie Schadnost zwar einige Erinnerungsstücke an den vorangegangenen Abend, trotzdem glaubte er, beim Vater seiner Auserwählten einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen zu haben. Demnächst gedachte er, auch die Schwiegermutter in spe von seinen Qualitäten zu überzeugen. Danach konnte es nur noch ein Klacks sein, Irinas Herz zu erobern.
Zufrieden mit diesen Zukunftsaussichten, empfand er die Pein des schmerzenden Kopfes und das beständige Rumoren im Magen als nicht mehr so schlimm.
NÄCHSTE EPISODE >>>
Ihnen hat die Geschichte gefallen und Sie möchten gerne weitere Jeremie-Schadnost-Stories lesen?
Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.
Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.
Vielen Dank!
Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützen würden, damit wir diese Serie leichter fortsetzen können.
Bitte klicken Sie hier, um zu den Zahlungsinformationen zu gelangen.
Vielen Dank!
