Dass das Valentinstag-Stelldichein (Episode 8) so deprimierenden verlaufen war, hätte jeden anderen die Sinnfrage seines Tuns stellen lassen. Jedoch nicht Jeremie Schadnost. Solche Rückschläge provozieren ihn eher, seinem Ziel noch zielstrebiger nachzujagen …
Unzählige Male hatte Jeremie Schadnost den Brief schon gelesen, ohne sich einen Reim darauf machen zu können, wie er den Inhalt deuten sollte. Als er ihn vom Postboten in die Hand gedrückt bekam und erkannte, wer die Absenderin war, wollte er ihn im ersten Anflug von Wut augenblicklich zerknüllen. Doch dann stieg ihm der liebliche Duft von Irinas Parfum in die Nase, sodass er es nicht fertigbrachte, dieses mögliche „Abbitteschreiben“ kaltherzig zu entsorgen.
Was sie ihm darin mitteilte, veranlasste ihn einerseits zu einem zynischen Auflachen, andererseits besänftigen ihn die gefühlvollen Worten schnell wieder. Sie entschuldigte sich dafür, dass sie ihm am Valentinstag leider einen Korb geben musste, aber ihre Mutter habe sich an diesem Abend so unwohl gefühlt, dass sie unmöglich allein gelassen werden konnte. Und da nicht einmal die Ärzte zu diagnostizieren wagten, wann eine Besserung des kritischen Zustandes zu erwarten sei, sehe sie sich auch in den kommenden Tagen außerstande, Besuche zu empfangen oder das Haus zu verlassen. An dieser Stelle entstieg Jeremie Schadnosts Kehle ein böses Lachen. Offenbar war dem Täubchen bei seinem Spaziergang am Valentinstag entgangen, über wen sie sich gemeinsam mit ihrem Galan lustig gemacht hatte. Danach säuselte sie ihm allerdings Gefühle vor, die ihn nicht nur beschwichtigen, sondern fast dazu brachten, ihr alles zu vergeben.
Zum Glück hatte er mittlerweile in Erfahrung bringen können, wer da ebenfalls nach Irina fischte. Und zum noch größeren Glück war einer seiner guten Freunde Maskenbildner am Theater, der ihm aus einer Laune heraus, eine Maske mit den Gesichtszügen des Rivalen zusammenzauberte.
Ob er sich damit über Jeremie Schadnost lustig machen oder ihm ein Objekt zum Aggressionsabbau zur Verfügung stellen wollte, stand in den Sternen. Jedenfalls beschloss Jeremie Schadnost jetzt, diese Maske zu nutzen, um Irina inkognito einen Besuch abzustatten.
Mit einem um den Hals geschlungenen Schal hoffte er, eine Bronchitis vortäuschen zu können, die nicht nur als Alibi für sein weniges Reden dienen, sondern auch seine für das neue Gesicht ungewohnte Stimme erklären sollte.
Schon als er das Haus der Merows betrat, empfing ihn ausgelassenes Gelächter, was sich nicht so richtig mit dem kritischen Zustand von Irinas Mutter in Einklang bringen ließ, es sei denn, sie war einer Blitzheilung anheimgefallen. Die nächste Verblüffung traf ihn, als er erfuhr, dass Irina ausgegangen war, um ihn, also sein gespieltes „Ich“ zu besuchen. Krächzend bedauerte er, dass sie sich wohl verfehlt haben mussten, was wiederum niemanden misstrauisch machte. Richtig ins Schwitzen kam Jeremie Schadnost allerdings, als sie kurz darauf von ihrem Besuch zurückkehrte. Doch Fortuna war auf seiner Seite, denn laut schimpfend beschwerte Irina sich darüber, dass sie niemanden angetroffen hatte. Dafür erntete Jeremie Schadnost ein anerkennendes Schulterklopfen von Herrn Merow. „Na, mein Lieber. Da wird sie aber Augen machen, Sie hier zu sehen. Diese Überraschung ist Ihnen gelungen.“
Ganz so euphorisch, wie ihr Vater es vermutet hatte, fiel Irinas Reaktion zwar nicht aus, aber immerhin schien sie Willens zu sein, ihm diesen Fauxpas zu verzeihen. Offenbar durchschaute sie auch nicht seine Maskerade, was daran liegen konnte, dass sie aufgrund seiner „Bronchitis“ immer einen respektvollen Abstand zu ihm hielt und er sich kaum an der Unterhaltung beteiligte. Als Irinas Eltern kurz vor Mitternacht jedoch erklärten, dass es für sie Zeit wurde, zu Bett zu gehen und das auch umgehend taten, verflog schlagartig Irinas Scheu vor seinem Leiden. Mit einem kecken Schrei sprang sie auf seinen Schoß und begann ihn zu herzen.
Jeremie Schadnost schaffte es kaum, sich zu wehren bzw. strengte er sich nicht allzu sehr an, sich vor ihren Zärtlichkeiten zu schützen. Er ließ es sogar zu, dass sie ihn neckisch am Schnauzer zupfte. Wäre der Bart echt gewesen, hätte er vielleicht schon mehrmals schmerzhaft aufgeschrieen, aber maskiert konnte er die Kraft nicht einschätzen, die in ihrem Zerren steckte. Und so kam es, wie es kommen musste: Punkt Null Uhr zog Irina Jeremie Schadnost die Maske vom Gesicht …
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Unzählige Male hatte Jeremie Schadnost den Brief schon gelesen, ohne sich einen Reim darauf machen zu können, wie er den Inhalt deuten sollte. Als er ihn vom Postboten in die Hand gedrückt bekam und erkannte, wer die Absenderin war, wollte er ihn im ersten Anflug von Wut augenblicklich zerknüllen. Doch dann stieg ihm der liebliche Duft von Irinas Parfum in die Nase, sodass er es nicht fertigbrachte, dieses mögliche „Abbitteschreiben“ kaltherzig zu entsorgen.
Was sie ihm darin mitteilte, veranlasste ihn einerseits zu einem zynischen Auflachen, andererseits besänftigen ihn die gefühlvollen Worten schnell wieder. Sie entschuldigte sich dafür, dass sie ihm am Valentinstag leider einen Korb geben musste, aber ihre Mutter habe sich an diesem Abend so unwohl gefühlt, dass sie unmöglich allein gelassen werden konnte. Und da nicht einmal die Ärzte zu diagnostizieren wagten, wann eine Besserung des kritischen Zustandes zu erwarten sei, sehe sie sich auch in den kommenden Tagen außerstande, Besuche zu empfangen oder das Haus zu verlassen. An dieser Stelle entstieg Jeremie Schadnosts Kehle ein böses Lachen. Offenbar war dem Täubchen bei seinem Spaziergang am Valentinstag entgangen, über wen sie sich gemeinsam mit ihrem Galan lustig gemacht hatte. Danach säuselte sie ihm allerdings Gefühle vor, die ihn nicht nur beschwichtigen, sondern fast dazu brachten, ihr alles zu vergeben.
Zum Glück hatte er mittlerweile in Erfahrung bringen können, wer da ebenfalls nach Irina fischte. Und zum noch größeren Glück war einer seiner guten Freunde Maskenbildner am Theater, der ihm aus einer Laune heraus, eine Maske mit den Gesichtszügen des Rivalen zusammenzauberte.
Ob er sich damit über Jeremie Schadnost lustig machen oder ihm ein Objekt zum Aggressionsabbau zur Verfügung stellen wollte, stand in den Sternen. Jedenfalls beschloss Jeremie Schadnost jetzt, diese Maske zu nutzen, um Irina inkognito einen Besuch abzustatten.
Mit einem um den Hals geschlungenen Schal hoffte er, eine Bronchitis vortäuschen zu können, die nicht nur als Alibi für sein weniges Reden dienen, sondern auch seine für das neue Gesicht ungewohnte Stimme erklären sollte.
Schon als er das Haus der Merows betrat, empfing ihn ausgelassenes Gelächter, was sich nicht so richtig mit dem kritischen Zustand von Irinas Mutter in Einklang bringen ließ, es sei denn, sie war einer Blitzheilung anheimgefallen. Die nächste Verblüffung traf ihn, als er erfuhr, dass Irina ausgegangen war, um ihn, also sein gespieltes „Ich“ zu besuchen. Krächzend bedauerte er, dass sie sich wohl verfehlt haben mussten, was wiederum niemanden misstrauisch machte. Richtig ins Schwitzen kam Jeremie Schadnost allerdings, als sie kurz darauf von ihrem Besuch zurückkehrte. Doch Fortuna war auf seiner Seite, denn laut schimpfend beschwerte Irina sich darüber, dass sie niemanden angetroffen hatte. Dafür erntete Jeremie Schadnost ein anerkennendes Schulterklopfen von Herrn Merow. „Na, mein Lieber. Da wird sie aber Augen machen, Sie hier zu sehen. Diese Überraschung ist Ihnen gelungen.“
Ganz so euphorisch, wie ihr Vater es vermutet hatte, fiel Irinas Reaktion zwar nicht aus, aber immerhin schien sie Willens zu sein, ihm diesen Fauxpas zu verzeihen. Offenbar durchschaute sie auch nicht seine Maskerade, was daran liegen konnte, dass sie aufgrund seiner „Bronchitis“ immer einen respektvollen Abstand zu ihm hielt und er sich kaum an der Unterhaltung beteiligte. Als Irinas Eltern kurz vor Mitternacht jedoch erklärten, dass es für sie Zeit wurde, zu Bett zu gehen und das auch umgehend taten, verflog schlagartig Irinas Scheu vor seinem Leiden. Mit einem kecken Schrei sprang sie auf seinen Schoß und begann ihn zu herzen.
Jeremie Schadnost schaffte es kaum, sich zu wehren bzw. strengte er sich nicht allzu sehr an, sich vor ihren Zärtlichkeiten zu schützen. Er ließ es sogar zu, dass sie ihn neckisch am Schnauzer zupfte. Wäre der Bart echt gewesen, hätte er vielleicht schon mehrmals schmerzhaft aufgeschrieen, aber maskiert konnte er die Kraft nicht einschätzen, die in ihrem Zerren steckte. Und so kam es, wie es kommen musste: Punkt Null Uhr zog Irina Jeremie Schadnost die Maske vom Gesicht …
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